St. Pauli: Interview mit Trainer Holger Stanislawski
"Die Saison wird für mich zur Wundertüte"
kicker: Herr Stanislawski, wie fühlt man sich als Praktikant beim eigenen Verein?
Holger Stanislawski: Danke, gut. Ich bin froh, dass ich jetzt bei meiner Mannschaft sein kann.
kicker: Bislang und auch in Zukunft werden Sie den Großteil Ihrer Zeit bei ihrem Trainerlehrgang verbringen, erst kurz vor den Spielen zur Mannschaft stoßen und nach dem Abpfiff wieder nach Köln verschwinden. Ein Problem?
Stanislawski: Gerade in Negativphasen möchte man natürlich dabei sein, Stimmungen spüren und bei Bedarf gegensteuern. Auch meine Ansprache wird sich verändern. Für Einzelgespräche bleibt keine Zeit, ich muss alles in ein Paket verpacken, mich in der kurzen Zeit nach dem Spiel auf das Wesentliche konzentrieren.
kicker: Und unter der Woche dann Co-Trainer Andre Trulsen aus Köln soufflieren?
Stanislawski: Ja, so in etwa wird sich das wohl darstellen. Ob und in wie weit das Auswirkungen haben wird, kann ich momentan nicht einschätzen. So gesehen wird die kommende Saison auch für mich zur kleinen Wundertüte.
"Einen kopfballstarken Innenverteidiger hätte ich gern noch geholt"
kicker: Überraschend war auch die Neuverpflichtung von Benjamin Weigelt, den der FC St. Pauli am Sonntagmorgen präsentierte. Haben Sie insgesamt die Spieler bekommen, die Sie haben wollten?
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Stanislawski: Einen kopfballstarken Innenverteidiger hätte ich gern noch geholt. Aber wir haben die bekommen, die wir innerhalb unseres finanziellen Rahmens bekommen konnten. Und glauben Sie mir, da steckt viel Arbeit drin. Wir haben eine höhere Qualität als im vergangenen Jahr.
kicker: Was ist für den FC St. Pauli möglich?
Stanislawski: Wir wollen so früh wie möglich die Klasse halten.
kicker: Stapeln Sie da nicht tief?
Stanislawski: Natürlich waren wir schon in der letzten Saison stärker als viele andere Mannschaften, aber das Ergebnis passte nicht. Unser Problem war die Konstanz und vor allem die Diskrepanz zwischen Leistung und Ergebnis.
kicker: Wenn wir Ihnen einen 13. oder 14. Tabellenplatz anbieten würden ...
Stanislawski: ... dann würde ich den im Sinne des Vereins nehmen. Als Trainer habe ich natürlich andere Ziele und möchte mich mit Mannschaften im oberen Mittelfeld der Tabelle messen. Priorität genießt aber die gesamte Entwicklung unseres Kaders. Dabei halte ich es mit Jürgen Klinsmann: Wir müssen jeden Einzelnen verbessern, um die Mannschaft besser zu machen.
"In zehn Jahren werde ich nicht mehr hier sein"
kicker: Klinsmann war Bundestrainer, ist jetzt Coach des FC Bayern München. Wie sehen Ihre Ambitionen aus?
Stanislawski: Auch ich möchte irgendwann eine gestandene Bundesliga-Truppe trainieren und auf jeden Fall mal im Ausland arbeiten.
kicker: Können Sie einen längeren Verbleib beim FC St. Pauli ausschließen?
Stanislawski: Ja, schon. In zehn Jahren werde ich definitiv nicht mehr hier sein.
Lutz Wöckener
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