Besondere Auszeichnung für Regensburger

Grüttner erhält Fair-Play-Medaille: "Keine Heiligen"

2. Liga - 08.09. 15:18

Marco Grüttner von Jahn Regensburg erhält in diesem Jahr die Fair-Play-Medaille des DFB. Ausgezeichnet wird sein Verhalten im Spiel gegen den VfL Bochum, als er in der 90. Minute eine Entscheidung des Schiedsrichters zuungunsten seines Klubs revidierte.

"Das kam dann fast instinktiv aus mir heraus": Marco Grüttner. © imago

Grüttner darf sich ganz offiziell Deutschlands fairster Profifußballer der Saison 2017/2018 nennen. Vor dem Länderspiel gegen Peru (Sonntag, 20.45 Uhr ins Sinsheim, LIVE! bei kicker.de) wird der Stürmer der Regensburger aus den Händen von DFB-Präsident Reinhard Grindel und Philipp Lahm die Fair Play-Medaille erhalten.

Die Szene, warum Grüttner die Auszeichnung erhält, ist allerdings schon eine Weile her. Es war der 17. Spieltag der Vorsaison in der 2. Bundesliga, der VfL Bochum führte beim Jahn mit 1:0 und die 90. Minute lief. Nach einer misslungenen Aktion von Grüttner entschied das Schiedsrichtergespann um Martin Thomsen fälschlicherweise auf Eckstoß. Grüttner korrigierte die falsche Entscheidung und nahm seinem Team damit die Chance, per Standard noch zum Ausgleich zu kommen.

"Ich hatte das Gefühl, dass jeder im Stadion gesehen hatte, dass es eben kein Eckball war, auch die Bochumer reklamierten gleich", erklärt Grüttner im Interview mit dem DFB. "Das kam dann fast instinktiv aus mir heraus. Ehrlich gesagt, welche Spielminute läuft, darüber habe ich null nachgedacht. Ich war noch am Ball gewesen. Punkt aus."

"Ich meine schon, dass es in manchen Situationen einfach wichtig ist, die Wahrheit zu sagen."

Marco Grüttner

Allerdings weiß der Angreifer auch, dass es um enorm viel geht und sagt deshalb: "Wir sind alle keine Heiligen. Auch ich werde jetzt nicht bei jeder Kleinigkeit alles revidieren. Schließlich steht der Schiedsrichter auf dem Platz und muss die Entscheidungen fällen. Aber ich meine schon, dass es in manchen Situationen einfach wichtig ist, die Wahrheit zu sagen."

Ein mulmiges Gefühl hatte er nach dem Spiel bei einem Gedanken trotzdem, wie Grüttner durchblicken lässt: "Wenn man sich denkt, mit dem Punkt retten wir am Ende vielleicht die Klasse, ist das schon Wahnsinn." Der Punkt war bekanntlich nicht nötig. Aufsteiger Regensburg beendete die Saison mit einem tollen fünften Platz.

Die Ehrlichkeit war übrigens umso bemerkenswerter, weil Grüttner nach einem nicht geahndeten Ellbogencheck im Bochumer Strafraum bereits mit einem Cut gezeichnet war. "Ich war richtig stinkig, der Cut musste geklebt werden, und aus meiner Sicht war das ein klarer Elfmeter", kommentierte er die Situation. "Aber daran habe ich in der 90. Minute nicht mehr gedacht. Das wäre auch der vollkommen falsche Ansatz, wenn ich als Fußballer durch ein gegnerisches unfaires Verhalten mein eigenes unfaires Handeln rechtfertigen würde."

Der DFB zeichnet bereits seit 1997 Spieler, Mannschaften, Schiedsrichter, Trainer und Funktionäre mit der "Fair Play-Medaille" aus. Im vergangenen Jahr wurde Andreas "Zecke" Neuendorf ausgezeichnet.

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