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22.03.2018, 14:37

Aufstiegsträume und Abstiegsängste im 90-Minuten-Takt

2. Liga eng wie nie: Die Auflösung des Niemandslands

"Die 2. Liga ist manchmal total verrückt." Dirk Schuster sagte diesen Satz neulich und das Wörtchen "manchmal" kann in dieser Spielzeit getrost gestrichen werden. In der Tabelle ist alles möglich, Aufstiegsträume und Abstiegsängste wechseln im 90-Minuten-Takt. Dabei produziert das Unterhaus nach dem 27. Spieltag Punkt-Rekorde am Fließband - oben wie unten. Nur in der Mitte nicht, denn das Niemandsland der Tabelle hat sich aktuell aufgelöst.

Die Saison in der 2. Liga ist für fast alle Teams eine Achterbahnfahrt - oder kann noch eine solche werden.
Die Saison in der 2. Liga ist für fast alle Teams eine Achterbahnfahrt - oder kann noch eine solche werden.

Nehmen wir mal Arminia Bielefeld zum Beispiel. Die Ostwestfalen führten zweimal in Düsseldorf, ehe 14 Minuten den Traum vom Auswärtssieg beim Tabellenführer zunichtemachten. Statt drei Punkte einzufahren, blieb die Mannschaft von Trainer Jeff Saibene bei 38 Zählern stehen. Manch ein Arminen-Fan mag angesichts der zweimaligen Führung bei den Fortunen schon euphorisch gerechnet haben: Jetzt noch ein Heimsieg am kommenden Spieltag gegen die drittplatzierten Kieler - und schwupps sind wir ganz dick dabei im Rennen um den Relegationsplatz - oder sogar noch mehr!

Auf der Alm geht der Blick noch nach oben, doch das könnte eine sehr gefährliche Kopfhaltung sein. Denn: Mit einer Niederlage gegen Kiel am 28. Spieltag müssen die Ostwestfalen definitiv die Häupter senken, wollen sie nicht noch in einen Strudel gerissen werden, vor dem aktuell fast die gesamte Liga zittert.

Nie war das mitunter nervtötende Motto - "Wir schauen nur von Spiel zu Spiel" - angebrachter, als in dieser verrückten Zweitliga-Saison. Die Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Kein Team steht im Niemandsland der Tabelle, kein Verein darf vom plötzlichen zuschlagenden Abstiegskampf überrascht sein.

Abstand zwischen Platz 5 und 16 so gering wie noch nie

Die Fakten (seit Einführung der Drei-Punkte-Wertung in der Spielzeit 1995/96) nach dem 27. Spieltag: Der Abstand zwischen Platz fünf und 16 beträgt gerade mal fünf Punkte, der bisherige Minusrekord lag bei zehn Punkten (1995/96 und 2003/04). Wie eng die aktuelle Tabellenkonstellation ist, belegt auch die Saison 2011/12. In der damaligen Zweiklassengesellschaft des Unterhauses lagen zu diesem Saisonzeitpunkt satte 29 Zähler zwischen Platz 5 und 16.

Konkret heißt dies: Darmstadt steht mit 28 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Schon fünf Zähler vom rettenden Ufer entfernt befinden sich die Lilien und doch sind die Südhessen damit (zusammen mit Union Berlin 2003/04) der "beste Vorletzte" aller Zweitligazeiten. Die Schuster-Elf, die gerade beim Tabellenzweiten Nürnberg einen wichtigen Punkt entführte (1:1), bleibt also in Schlagdistanz.

Aue und Fürth, die beiden Montagsgegner (2:1), liegen nach Punkten gleichauf auf den Plätzen 16 und 15. Niemals hatten Kellerkinder auf diesen Rängen zu diesem Zeitpunkt der Saison schon so viele Punkte auf dem Konto. Das Duo liegt in Schlagdistanz bis hin zu Platz fünf - womit wir wieder bei Bielefeld wären.

Negativrekorde in der Spitzengruppe

Und bei den nächsten Zweitliga-Rekorden. Nie war ein Fünfter so arm an Punkten wie der DSC. Bisher hielt diese Marke St. Pauli in der Saison 1997/98 mit 39 Zählern. Regensburg mit 40 Punkten ist der "schlechteste Vierte" aller Zeiten und löst mit diesem Ertrag den 1. FC Kaiserslautern ab (42 Punkte in der Saison 2013/14).

Und auch der 1. FC Nürnberg ernährt sich auf dem Weg zum erhofften achten Bundesliga-Aufstieg mühsam wie ein Eichhörnchen. Mit den bisherigen 46 Punkten als Tabellenzweiter stellen die Mittelfranken ihren eigenen Minusrekord aus der Saison 2003/04 ein. Zur Beruhigung des angespannten Nervenkostüms beim Club sei gesagt, dass der FCN damals als Tabellenerster aufstieg - eine Zweitliga-Meisterschaft mit dem Minusrekord von 61 Punkten.

Klappt es mit dem achten Bundesliga-Aufstieg? Auch der 1. FC Nürnberg könnte noch durchgereicht werden.
© imago

Die Anhänger der Nürnberger bangen nach vier sieglosen Spielen (0/1/3) um den Verlust des zweiten Tabellenplatzes, aber diese 2. Liga bietet aktuell ein Bild, in dem alles möglich erscheint. So kann der Club rechnerisch noch auf den Relegationsplatz 16 abrutschen, und Aue vom Relegationsplatz 16 noch einen direkten Aufstiegsplatz erhaschen.

Freilich ist dies ungefähr so wahrscheinlich wie eine Meisterschaft von Leicester City. Es gilt: "Alle denken nur von Spiel zu Spiel." In dieser Liga ist das Durchgereicht-Werden vielleicht nur einen Spieltag entfernt.

Die Aufsteiger: Stark wie nie

Das trifft natürlich auch auf die in dieser Saison starken Aufsteiger zu. Auch für Holstein Kiel, Jahn Regensburg und den MSV Duisburg kann sich tabellarisch noch Vieles ändern, aber Fakt ist auch: Nie zuvor waren die Liga-Neulinge so stark wie heuer. Erstmals liegt das Aufsteiger-Trio unter den besten sieben Teams der Liga.

bst

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