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30.05.2017, 21:41

Die hässliche Fratze der "neuen" deutschen Fankultur

Ein beschämender Abend in Fröttmaning

Beim Relegationsrückspiel in München zwischen dem TSV 1860 und Jahn Regensburg erlebt der deutsche Fußball einen neuen negativen Höhepunkt. Löwen-Fans sorgen kurz vor Schluss beinahe für einen Spielabbruch. Auf der Tribüne mit dabei: kicker-Reporter Mounir Zitouni. Ein Stimmungsbericht.

Polizei in der Münchner Allianz-Arena
Ein beschämendes Bild für den Sport, für den Fußball: Polizei in schwerster Kampfmontur.
© imagoZoomansicht

Es ist 20.02 Uhr, als Schiedsrichter Daniel Siebert die historische Partie abpfeift. Nach 25 Jahren muss 1860 München tatsächlich wieder den Weg in die Drittklassigkeit antreten, Jahn Regensburg dagegen feiert nach vier Jahren die Rückkehr in die 2. Liga.

Das Bild, das sich aber dem Betrachter bietet, ist einfach nur beschämend für den Sport, für den Fußball. Während die Regensburger Spieler ihre ekstatischen Emotionen mit den Fans ausleben und die Löwen-Spieler auf den Boden niedersinken, muss die Szenerie von etwa 1000 Polizisten in schwerster Kampfmontur beschützt werden. Vor den Trainerbänken hat sich jeweils ein halbes Dutzend Ordner aufgebaut - zum Schutz der Ersatzspieler und Trainerteams. So weit ist es gekommen. Man fürchtet auf allen Seiten körperliche Angriffe. Mit Sport hat all das nichts mehr zu tun. Respekt vor dem besseren Team? Fairplay-Gedanke?

In München zeigt sich zum wiederholten Male in dieser Saison die hässliche Fratze der "neuen" deutschen Fankultur, die mit Aggression, Gewalt und Respektlosigkeit auf sportliche Ereignisse unten auf dem Rasen reagiert.

Hundertschaften riegeln den Fanblock der Münchner ab

Als der Schiedsrichter in der 81. Minute die Partie unterbricht, weil die Münchner Fans aus Frust über den drohenden Abstieg das Spielfeld mit Fahnenstangen, Sitzschalen, Feuerzeugen, Bierbechern überziehen, sieht es nach einem Spielabbruch aus. Knapp 15 Minuten herrscht Ungewissheit, ob es weitergehen kann. Die Atmosphäre ist gespenstisch wie grotesk. Hundertschaften riegeln den Fanblock der Münchner ab, postieren sich auch am Rande des Blocks.

Der Mob hat übernommen und die Fans beklatschen dies auch noch. Co-Trainer Daniel Bierofka versucht auf die Anhänger Einfluss zu nehmen, macht dann aber frustriert kehrt, weil er kein Gehör findet. Die Situation bleibt angespannt. Leitende Polizeibeamte diskutieren schließlich mit dem Schiedsrichtergespann, 1860-Verantwortlichen, Regensburger Funktionären und Vertretern des übertragenden Senders auf dem Spielfeld. Kurze Zeit später rücken die Polizisten und Ordner hinter die Torauslinie. Das Spiel geht weiter, ohne dass die Regensburger Abwehr sich wirklich sicher wähnen kann. Vielleicht, weil man im Falle eines Abbruches Schlimmeres befürchtete?

Resignation, Enttäuschung, Trauer

Es ist grenzwertig. Ständig fliegen weitere harte Sitzschalen, Latten und Fahnenstangen in den Regensburger Strafraum. Auf der Tribüne hat man nicht das Gefühl, dass die Sicherheit der Spieler zu 100 Prozent gewährleistet ist. Es ist ein beschämender Abend in Fröttmaning.

Philipp Pentke (links) und Stefan Ortega
Torhüter unter sich: Regensburgs Philipp Pentke (links) tröstet 1860-Keeper Stefan Ortega.
© imagoZoomansicht

Ihren Spielern haben die 1860-Fans jedenfalls einen Bärendienst geleistet. Die Akteure in blau zeigen sich von den Ereignissen in den letzten zehn Minuten wie gelähmt. Die Wut der Fans, die Parolen ("Wir sind Löwen und ihr nicht") nehmen ihnen den letzten Glauben, es schaffen zu können. Es scheint, als warteten sie nur noch auf den Abpfiff, den K.o. Als der dann kommt, wird das Schlimmste befürchtet. Doch auf Seiten der Löwen herrscht nur noch Resignation, Enttäuschung, Trauer vor. Einige Fans weinen auf der Tribüne. Pfiffe, Schmähgesänge oder Platzsturm bleiben aus, wohl auch weil die Polizei eine große Präsenz zeigt.

Trainer Vitor Pereira steht regungslos da, macht sich nach vier Minuten auf den Weg, seine Spieler zu trösten. Spieler wie Wittek oder Ortega vergießen Tränen, Fassungslosigkeit herrscht vor. Damit hatte keiner wirklich gerechnet. Die Fans verharren noch 15 Minuten im Stadion, ohne dass etwas passiert. Akteure wie das Trainerteam vermeiden es, die Kurve aufzusuchen. Es scheint das richtige Mittel, um die Wut der Fans nicht zu provozieren. Um 20.22 Uhr sucht Vitor Pereira die Kabine auf, während 50 Meter weiter sein Kollege aus Regensburg, Heiko Herrlich, sich im Aufstiegs-Shirt feiern lässt.

Drei Erkenntnisse

Der Vorhang fällt an einem Abend, der eindrucksvoll drei Dinge gezeigt hat...

Erstens: Die deutsche dritte Liga ist eine echte Qualitätsliga.
Zweitens: Geld schießt keine Tore und verhindert auch keine.
Drittens: Die Verantwortlichen im deutschen Fußball müssen sich ernsthaft mit der Fan- und Fußballkultur auseinandersetzen, sonst entsteht dauerhaft ein Schaden, dessen Folgen unabsehbar sind.

Mounir Zitouni

2. Bundesliga-Relegation, 2016/17, Relegation
1860 München - Jahn Regensburg 0:2
1860 München - Jahn Regensburg 0:2
Denker-Pose

Regensburgs Coach Heiko Herrlich vor dem Relegationsspiel bei 1860 München.
© picture alliance

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85 Leserkommentare

AAnSu
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01.06.2017 | 14:31

@Thorsten 606

Warum ist das Quatsch?
Du hast deine Meinung über den "Relegationsquatsch" nur, weil du es so gewoh[...]
Lippi1975
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01.06.2017 | 09:30

Relegation??? Warum?

Ich bin der Meinung, dass die DFL und der DFB die Relegation überdenken sollten. Wer nach 34 Spieltagen [...]
cefix64
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31.05.2017 | 22:06

@Kayes2

Zitat: T. Schweinsteiger ist doch nicht bei Regensburg, ich glabue der hat mit Regensburg so gar nix [...]
Kopperle
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31.05.2017 | 20:31

@cefix64

...genau so wird es wohl sein...bin gespannt wie das weitergeht...der Brief vom Hasan Ismaik sieht mir [...]
cefix64
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31.05.2017 | 19:58

@olliundseinkahn

Es scheint, Sie wollen es nicht verstehen.
Nein, wenn die 60er gewonnen hätten, wäre schön gefeie[...]

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zum Thema

Vereinsdaten

Vereinsname:1860 München
Gründungsdatum:17.05.1860
Mitglieder:22.449 (01.04.2018)
Vereinsfarben:Grün-Gold. Abteilungsfarben: Weiß-Blau
Anschrift:Grünwalder Straße 114
81547 München
Telefon 0 18 05 - 60 18 60
Telefax: (0 89) 64 27 85 22 9
E-Mail: info@tsv1860.de
Internet:http://www.tsv1860.de

Vereinsdaten

Vereinsname:Jahn Regensburg
Gründungsdatum:01.01.1889
Mitglieder:2.700 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Weiß-Rot
Anschrift:Franz-Josef-Strauß-Allee 22
93053 Regensburg
Telefon: (09 41) 69 83 0
Telefax: (09 41) 69 83 12 2
Internet:http://www.ssv-jahn.de/

weitere Infos zu Vitor Pereira

Vorname:Vitor Manuel
Nachname:de Oliveira Lopes Pereira
Nation: Portugal


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