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31.12.2015, 17:12

Das turbulente Jahr des 1. FC Kaiserslautern

FCK 2015: Eine Riesenchance und viel Kredit verspielt

Der Aufstiegseuphorie folgten immer neue Rückschläge: Der 1. FC Kaiserslautern hat ein turbulentes Jahr 2015 hinter sich, in dem er mehrmals öffentlich kein gutes Bild abgab. Ein Blick zurück - und nach vorn.

Jean Zimmer (1. FC Kaiserslautern)
Ein FCK-Profi enttäuscht auf dem Rasen - kein völlig ungewohntes Bild 2015.
© imagoZoomansicht

Am späteren Abend des 24. April 2015 herrscht beim und rund um den 1. FC Kaiserslautern Hochstimmung. Die Zweitliga-Profis feiern in Bochum mit den mitgereisten Fans ausgelassen einen 2:0-Erfolg. Tabellenplatz zwei ist gefestigt. Diesen direkten Aufstiegsrang hatte sich die Mannschaft von Trainer Kosta Runjaic Wochen zuvor durch meist ansehnlichen Kombinationsfußball erspielt. In der dritten Spielzeit im Unterhaus nach dem Abstieg 2012 ist die heiß ersehnte Rückkehr in die Bundesliga in Reichweite.

Auch noch eine Woche später, nach dem 2:3-Dämpfer beim direkten Konkurrenten Darmstadt. Weil der andere Rivale Karlsruhe ebenfalls schwächelt, bleibt der FCK Zweiter. Wiederum sieben Tage danach verpasst die Runjaic-Elf sich und ihren Anhängern jedoch eine so kaum für möglich gehaltene Schocktherapie. Der Großteil der gut 45.000 Besucher im Fritz-Walter-Stadion ist beim Blick auf die Anzeigetafel nach der Partie gegen den FC St. Pauli fassungslos. Ein 0:2 leuchtet ihnen dort in großen Ziffern entgegen. Das beste Heimteam der Liga hat soeben gegen die schwächste Auswärtsmannschaft verloren und ist auf den Relegationsrang zurückgefallen. Die durch den Erfolg in den Vorwochen überlagerte mangelhafte Chancenverwertung in Kombination mit individuellen Fehlern in der Defensive wird diesmal zum Genickbrecher. Ein Tiefschlag, von dem sich Lautern nicht mehr erholt.

Der FCK vergibt die Großchance auf die Bundesliga kläglich

Durch ein enttäuschendes 0:0 beim späteren Absteiger Aue rutschen die Roten Teufel vor dem letzten Spieltag gar auf Platz vier zurück, statt mit einem Sieg dank des gleichzeitigen Patzers von Darmstadt wieder Zweiter zu sein. Und auch beim Saisonabschluss kommt der FCK vor ausverkauftem Haus gegen eine nach einer Woche Aufstiegsfeierlichkeiten geformte Ingolstädter B-Elf nicht über ein 1:1 hinaus. Nur drei Punkte hätten bei durchaus möglichen, letztlich aber ausbleibenden Ausrutschern von Karlsruhe und Darmstadt die Chance auf Platz zwei oder drei am Leben erhalten.

Die Stimmung auf dem Betzenberg kippt. Große Teile der Fans sind wütend und enttäuscht über die Art und Weise, wie sich die Runjaic-Elf im Saisonendspurt ihre selbst geschaffene, exzellente Ausgangslage im Aufstiegsrennen zunichtemachte. Sie vergab diese riesige Chance auf die Bundesliga-Rückkehr kläglich - wie ein allein auf ein halbleeres Tor zulaufender Stürmer.

Erfolg Platz 4? Die deplatzierte Darstellung von Schupp und Runjaic

Die Einlassungen der Verantwortlichen im Nachgang tragen nicht zur Aufhellung der Atmosphäre bei. Im Gegenteil. Sportdirektor Markus Schupp und Coach Runjaic versuchen schon direkt am Abend des auch für sie extrem ernüchternden Saisonendes das Abschneiden auf Platz vier als Erfolg für die sehr junge Mannschaft zu verkaufen. Mit Blick auf die Ambitionen vor Beginn der Spielzeit und den tatsächlich unerfahrenen Kader eine legitime Sichtweise - unter dem frischen Eindruck des gründlich in den Sand gesetzten Saisonfinales jedoch eine verquere und deplatzierte Darstellung.

In der folgenden Sommerpause bleibt ein Kräftebündeln, eine Jetzt-erst-recht-Stimmung aus. Im Hintergrund lotet die Klubführung einen möglichen Trainerwechsel aus. Verbrieft ist nach kicker-Informationen etwa die Kontaktaufnahme zu Jos Luhukay. Trotz interner Zweifel und wohl auch, weil sich auf dem Trainermarkt keine für die Vereinsspitze zufriedenstellende Lösung realisieren lässt, darf letztlich doch Runjaic seine zweite Saisonvorbereitung beginnen.

Die Ereignisse überschlagen sich - Provinzposse um Schupp

Zur Hypothek, den Aufstieg mit seinem Team leichtfertig verspielt zu haben, gesellt sich eine weitere: Der Kader hat deutlich an Qualität eingebüßt. Sportlich als besonders schmerzhaft wirken sich beim erneuten Umbruch die Abgänge der Eigengewächse Dominique Heintz und Willi Orban (jetzt absoluter Leistungsträger in Köln bzw. Stammkraft in Leipzig) aus, die zusammen wenigstens etwa 3,5 Millionen Euro in die Kassen spülen. Identifikationsfigur Tobias Sippel und Routinier Karim Matmour, deren auslaufende Verträge nicht verlängert wurden, hinterlassen ebenfalls erhebliche Lücken im Mannschaftsgefüge.

Wütende FCK-Fans
Die Wut wächst: FCK-Fans waren zunehmend unzufrieden mit ihrem Team.
© imago

Ein 3:1 zum Saisonstart beim Aufsteiger und derzeitigen Schlusslicht Duisburg besänftigt kurzzeitig das immer noch enttäuschte Umfeld. Wenig später überschlagen sich die Ereignisse. Am Morgen nach dem 0:3 gegen Nürnberg am 8. Spieltag steht der FCK mit neun Zählern auf Platz zwölf. Das bewegt Runjaic zum Rücktritt, der sein Team durch die große Unruhe rund um den Klub und die schwelende Trainerdiskussion belastet sieht. Nicht wenige behaupten, dass der Trainer seiner bevorstehenden Entlassung zuvorkam. Gleichzeitig wird auch Sportdirektor Schupp von der Klubspitze kaltgestellt, ohne diesen Schritt jedoch zu kommunizieren. Erst Wochen später folgt die offizielle Bestätigung der Trennung vom lange abgetauchten sportlich Verantwortlichen, der sich mit Vorstandschef Stefan Kuntz überworfen hatte. Eine vermeidbare Provinz-Posse, die weitere Missstimmung erzeugt.

Stilwandel unter Fünfstück - Fette Denkzettel auf der Mitgliederversammlung

Konrad Fünfstück, der als Runjaic-Nachfolger beförderte, vorherige U-23-Coach und NLZ-Leiter des FCK, landet nach zwei Euphorie entfachenden Anfangserfolgen mit seinem Team schnell auf dem Boden der Tatsachen. Inklusive DFB-Pokal setzt es vier Schlappen ohne eigenes Tor in Serie. Einen Tiefpunkt markiert der letzte Platz in der Heimtabelle der Hinrunde. Festung Betzenberg - das war einmal. Durch vier Punkte aus den ersten beiden Rückrundenpartien überwintert das Team von Fünfstück, der statt Ballbesitz-Fußball einen teilweise rustikalen Umschalt-Stil mit vielen langen Bällen praktizieren lässt, mit einer komplett ausgeglichenen Bilanz und 26 Zählern auf Platz acht.

Abseits des Sportlichen entlädt sich der angewachsene Unmut der Anhänger bzw. Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung am 12. Dezember. Er gipfelt in der Nicht-Entlastung des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Rombach, der daraufhin zurücktritt. Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder bekommen wie auch die beiden Vorstände Kuntz und Fritz Grünewalt, die zumindest deutliche Selbstkritik übten und sich allen Vorwürfen geduldig stellten, trotz Entlastung durch teilweise äußerst knappe Abstimmungsergebnisse einen fetten Denkzettel von den Mitgliedern verpasst.

Der Lizenzspieleretat soll jährlich um zehn Prozent erhöht werden

2016 soll dennoch alles besser werden. Zusätzlich zum Nachfolger für den im März 2016 scheidenden und für Finanzen und Unternehmensentwicklung zuständigen Grünewalt will der FCK den Vorstand um Chef Kuntz um eine dritte Person erweitern. Der neue Mann soll als Experte für Marketing und Sponsoring nicht nur seine eigene Stelle selbst finanzieren, sondern auch zusätzliche Gelder für den Profikader akquirieren. Laut einer Vorgabe des Aufsichtsrates soll der Lizenzspieleretat künftig jährlich um zehn Prozent erhöht werden, um das große Ziel Aufstieg wieder konsequenter zu verfolgen.

An diesen ambitionierten Ankündigungen werden sich der Aufsichtsrat unter dem neuen Vorsitz von Nikolai Riesenkampff und der bald neu gebildete Vorstand um Boss Kuntz messen lassen müssen. Der Klubboss, der als sportlich Verantwortlicher wieder näher an die Mannschaft rückt, ist direkt gefordert, zusammen mit Chefscout Boris Notzon und Fünfstück die aktuelle Wintertransferperiode sinnvoll zu nutzen - für Sofort-Verstärkungen und/oder frühzeitige Weichenstellungen für den kommenden Sommer. Denn zum Aufstieg in dieser Saison wird es vermutlich nicht mehr reichen. Das turbulente Jahr 2015 kann mit seinen personellen Umwälzungen aber auch eine Chance für einen Neustart sein, um verlorenen Kredit zurückzugewinnen und den FCK zurück in die Erfolgsspur zu führen.

Carsten Schröter

Tabellenrechner 2.Bundesliga
31.12.15
 
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weitere Infos zu Fünfstück

Vorname:Konrad
Nachname:Fünfstück
Nation: Deutschland
Verein:1. FC Kaiserslautern

Vereinsdaten

Vereinsname:1. FC Kaiserslautern
Gründungsdatum:02.06.1900
Mitglieder:20.000 (01.07.2015)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern
Telefon: (0631) 31 88 0
Telefax: (06 31) 31 88 29 0
E-Mail: info@fck.de
Internet:http://www.fck.de