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20.05.2015, 00:12

Berlin: Mainzer Angreifer steht zwischen den Stühlen

"Das Beste": Polter will bei Union bleiben

Am Sonntag trifft Sebastian Polter mit Union Berlin zum letzten Zweitligaspiel der laufenden Saison im Stadion an der Alten Försterei auf Eintracht Braunschweig. Der 24 Jahre alte Angreifer hat sich nach seiner Ausleihe vom FSV Mainz 05 bei Union zum Stammspieler und zum Leistungsträger entwickelt. Noch ist allerdings offen, wo der 1,92 Meter große Angreifer in der nächsten Saison spielt. Mit kicker-online sprach Polter über das Bemühen von Union, ihn zu halten, und die ungeklärte Zukunft.

Fühlt sich bei Union pudelwohl, steht aber in Mainz unter Vertrag: Angreifer Sebastian Polter.
Fühlt sich bei Union pudelwohl, steht aber in Mainz unter Vertrag: Angreifer Sebastian Polter.
© imagoZoomansicht

In 28 Einsätzen für die Eisernen traf Polter, der bis 2017 noch an Mainz gebunden ist, 13-mal und legte sechs Treffer vor (kicker-Notenschnitt 3,32).

kicker: Herr Polter, am Wochenende spielen Sie mit Union zu Hause gegen Braunschweig. Ist das Ihre letzte Partie im Dress der Eisernen?

Sebastian Polter: Ich weiß es nicht.

kicker: Würden Sie denn bei Union bleiben wollen?

Polter: Ich kann mir durchaus vorstellen, in Berlin zu bleiben. Zu Union zu gehen, war das Beste, was ich machen konnte. Hier bekomme ich die Wertschätzung, die ich mir immer erhofft habe. Vom Präsidium, dem Trainer, der Mannschaft, den Fans. Union ist genau der Verein, der den Fußball verkörpert, für den ich stehe und den ich auf den Platz kriegen möchte. Genau so, wie Union Fußball lebt, stelle ich mir das vor. Das war eine der geilsten Sachen, die ich je gemacht habe. Der Klub hat sich zudem seit dem Winter um mich bemüht und ein Angebot abgegeben, das für Union schon eine sehr hohe Hausnummer ist. Das schätze ich an dem Klub.

kicker: Sportlich hat sich der Wechsel auch gelohnt?

"Bei Union bin ich in eine Führungsrolle gekommen"

Polter: Absolut. Ich habe mich in vielen kleinen technischen Dingen sehr weiter entwickelt. Ballannahme, Ballmitnahme. Die regelmäßige Spielpraxis bringt dich weiter, darüber hinaus war die Kommunikation mit Trainer Norbert Düwel immer sehr offen und ehrlich. Er hat mir klar gesagt, wo ich mich verbessern muss und was gut ist. Zudem habe ich mich auch menschlich weiter entwickelt. Bei Union bin ich in eine Führungsrolle gekommen. Das hat mich enorm weiter gebracht.

kicker: Sie sind sich schon mit Union einig?

Polter: Wir sind schon sehr weit in den Verhandlungen, es ist schon über sehr viele Sachen gesprochen worden. Einig wird man sich als Spieler mit dem Verein erst, wenn sich Union mit Mainz einig wäre.

kicker: Dass Union Zweitligist ist, stört sie nicht?

Polter: Wenn ich in der 2. Liga spiele, dann nur bei Union.

kicker: Haben Sie schon etwas aus Mainz gehört?

"Mainz sagt nicht an, was Sache ist"

Polter: Nein. Mainz sagt nicht an, was Sache ist. Ich hätte gerne viel früher eine Ansage bekommen. Jetzt stehen wir ein paar Tage vor Saisonende, ich gehe demnächst in den Urlaub und weiß nicht, bei welchem Verein ich nächste Saison spiele.

kicker: Haben Sie mal den Kontakt gesucht?

Polter: Ja, ich habe um ein Gespräch mit Trainer Martin Schmidt gebeten, wie meine sportliche Zukunft aussieht. Das ist aber auch schon wieder knapp zwei Wochen her. Es gab kein Feedback. Aber ich würde gerne wissen, ob Mainz mit mir plant, oder ob ich dort nicht mehr gebraucht werde.

kicker: Gibt es andere Anfragen aus der 1. Liga?

Polter: Ja. Aber alle bekommen die gleiche Antwort: Wendet Euch an Mainz 05.

kicker: Käme auch das Ausland infrage?

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Polter: Grundsätzlich ja. England wäre das Fußball-Land, wo ich immer hin wollte. Das ist der Fußball, den ich für mich als ideal erachte. Das wäre ein Traum, mal da hin zu gehen. Aber ich halte Union für vergleichbar. Vom Stadion her, von den Fans und dem Umfeld her würde der Verein gut nach England passen.

kicker: Nach Mainz wollen Sie nicht zurück?

"Warum soll ich zurück gehen, wenn ich das Vertrauen nicht spüre?"

Polter: Ich esse nicht gerne aufgewärmte Sachen. Und für mich wäre das sozusagen ein aufgewärmtes Essen. Als ich 2013 kam, war ich nach Aussagen von Trainer und Manager Wunschstürmer Nummer eins. Am Anfang habe ich die gewünschten Tore nicht geschossen, aber ich habe bald auch das Vertrauen verloren. In den Verein und in meine Spielweise. Da ist es schwer, das in der kommenden Saison wieder aufzubauen. Warum soll ich zurück gehen, wenn ich das Vertrauen nicht spüre? Da tue ich mich ein bisschen schwer mit.

kicker: Sie stehen in Mainz aber bis 2017 unter Vertrag. Was machen Sie, wenn die Verantwortlichen dort sagen: Du musst zurück?

Polter: Das ist eine schwierige Situation, die hatte ich so noch nicht. Aber ich bin kein Spieler, der jemals irgendwo Stunk gemacht hat und der Verträge nicht einhalten möchte. Das ist mein Naturell. Aber ich bin ein Vertrauensspieler, ich möchte vom Verein volle Rückendeckung haben. Und da gehört Kommunikation dazu. Und die habe ich derzeit nicht. Wenn man einen Spieler unbedingt haben möchte, dann trete ich viel früher an ihn heran. Zumal ich noch Vertrag habe und Mainz ja schon länger Planungssicherheit hat.

kicker: War es ein Fehler, 2013 nach Mainz gegangen zu sein?

Polter: Nein. Ich hatte mit Thomas Tuchel 2013 das beste Trainer-Gespräch, das ich je hatte. Es hat derart Spaß gemacht, über die Zukunft zu sprechen. Ich werde es nie bereuen, nach Mainz gegangen zu sein. Aber das, was ich mir nach den Gesprächen erhofft habe, habe ich nicht so auf den Platz gekriegt. Das mag an meiner Leistung gelegen haben, in gewissen Situationen habe ich aber eben auch nicht das Vertrauen bekommen. Ich habe mich jedoch auch unter Thomas Tuchel sehr entwickelt. Du musstest immer wach sein, beim Passspiel hat er sehr akribisch darauf geachtet, wie und mit welchem Fuß du den Ball mit nimmst. Es waren viele Kleinigkeiten und auch taktische Sachen, die ich gelernt habe. Darüber hinaus ist die Mannschaft eine geile Truppe, mit der es auf dem Platz und neben dem Platz sehr viel Spaß gemacht hat.

kicker: Haben Sie schon mit anderen Klubs außer Union gesprochen?

Polter: Nein. Ich möchte derzeit nicht mit anderen Klubs sprechen, denn ich möchte das Bemühen von Union honorieren und zudem erst mal aus Mainz wissen, was Sache ist. Zudem ist überhaupt die Frage, ob ich außer Union mit anderen Vereinen rede, wenn Mainz nicht mehr mit mir planen sollte.

kicker: Befürchten Sie, dass sich Union irgendwann umorientiert, wenn es keine Klarheit mit Ihnen gibt?

Polter: Union möchte natürlich eine schnelle Entscheidung. Das verstehe ich.

kicker: Würden Sie sich erneut von Mainz ausleihen lassen?

Polter: Eine Ausleihe ist für mich eigentlich kein Thema. Mir ist wichtig, dass ich bei dem Verein, bei dem ich spiele, auch die Vorbereitung mitmache. Fitness bekommst du überall, aber für das Spielverständnis mit der Mannschaft ist die Vorbereitung entscheidend. Ich weiß nicht, ob es bei Union vielleicht noch besser gelaufen wäre, wenn ich im Sommer 2014 die komplette Vorbereitung mit gemacht hätte. Deswegen würde ich mir wünschen, dass so schnell wie möglich eine klare Meinung von Mainz 05 kommt.

Interview: Andreas Hunzinger

kicker Edition Die größten Stars der Bundesliga
20.05.15
 
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weitere Infos zu Polter

Vorname:Sebastian
Nachname:Polter
Nation: Deutschland
Verein:Queens Park Rangers
Geboren am:01.04.1991