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24.03.2015, 15:28

Nürnberg: Alles, nur keine Normalität

Beim Club geht's ums Ganze - und um Bader

Das ganze Dilemma des 1. FCN offenbarte sich am Montagabend beim 1:2 gegen Bochum: Eigentlich hat die Elf von Trainer René Weiler ein richtig gutes Heimspiel hingelegt, wenn nicht gar ihr bestes, und mit aggressivem, frühem Pressing den VfL vor allem in Hälfte eins zum Statisten degradiert und eine Vielzahl bester Chancen kreiert. Am Ende hatten die Franken zwölf klare Einschussgelegenheiten zu verzeichnen, aber eben keinen Sieg.

Steht gehörig unter Druck: Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader.
Steht gehörig unter Druck: Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader.
© picture allianceZoomansicht

"Nürnberg hat das sehr gut gemacht, unser Sieg ist glücklich", sagte der im Dienste des VfL stehende Ex-FCN-Trainer Gertjan Verbeek bei seiner ersten Rückkehr nach Nürnberg. Ergänzend sei hinzugefügt: Der Club-Elf konnte man auch, was Einsatzwille und Moral anbelangt, nichts vorwerfen. Sie steckte trotz des höchst unglücklichen Spielverlaufs nie auf, versuchte bis zum Schluss alles, um zumindest einen Punkt zu holen.

Und ja, unter dem Schweizer René Weiler hat die Mannschaft eine Entwicklung genommen, eine spielerisch und strukturell positive. Dass es dennoch nicht mal annähernd reicht, um an das zu Saisonstart ausgegebene Ziel direkter Wiederaufstieg heranzuschnuppern, ist der Stoff, der den Verein vor eine Zerreißprobe stellt - intern wie außerhalb.

Weiler: "Das ist natürlich auch eine Frage der Qualität"

Die Erkenntnis nach dem vierten sieglosen Spiel in Folge, dass die Mannschaft vorne zu viele Chancen liegen lässt und hinten immer für einen individuellen Patzer gut ist, führt zwangsläufig zu einer Debatte über die Güte des Kaders. "Das ist natürlich auch eine Frage der Qualität", sagt der Trainer, um zugleich hinterherzuschieben, dass "dies eine faktische Feststellung ist" und er ausdrücklich darum bitte, da "nichts anderes herein zu interpretieren".

Klar, und die Nürnberger Burg steht in Fürth

Der Hinweis ist verständlich, denn offiziell herrscht ja zwischen allen sportlich Verantwortlichen beim FCN eine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, das Treffen am vergangenen Mittwoch zwischen dem Trainer, dem Sportvorstand Martin Bader, seinem Vertrauten, dem Chefscout Christian Möckel, und dem Fußballabteilungsleiter Wolfgang Wolf war ja auch kein Krisengipfel, sondern ein Treffen voller Harmonie . . . Klar, und die Nürnberger Burg steht in Fürth.

Das Vertrauensverhältnis untereinander ist gelinde ausgedrückt angespannt

Die Realität: Es wurde für vergleichsweise viel Geld ein Kader zusammengestellt, der dem ausgegebenen Ziel mangels Klasse gar nicht gerecht werden kann. Und es wird um den zukünftigen Kurs und Verantwortlichkeiten gerungen, hier das Duo Weiler/Wolf, dort der Gegenpart Bader/Möckel - und das Vertrauensverhältnis untereinander ist gelinde ausgedrückt angespannt. "Ich kann diese Sichtweise ganz und gar nicht teilen. Dass wir hier und da mal anderer Meinung sind, ist doch völlig normal. Und die Zusammenarbeit zwischen mir und dem Trainer läuft ebenso gut wie zum Beispiel einst zwischen mir und Dieter Hecking", sagt Martin Bader, der sichtlich bemüht ist, den Anschein der Normalität zu erwecken.

Dass der Trainer gegen Bochum Routinier Raphael Schäfer anstelle des jungen Patrick Rakovsky zwischen die Pfosten stellte, und dies der Sportvorstand erst im Stadion erfuhr? "Kein Problem, das muss ich auch nicht früher wissen", meint Bader. Richtig, eigentlich, wäre da nicht der Umstand, dass es laut etlicher interner Aussagen der Sportvorstand war, der den ersten Torwartwechsel von Schäfer zu Rakovsky forciert hatte. "Quatsch, das stimmt nicht", erwidert Bader.

"Bader-Raus"-Rufe hallten durchs Stadionrund

Nun ja, wobei es nun ohnehin nicht um die Torhüterfrage geht, sondern ums große Ganze. Genauer um den Sportvorstand. Seine Person ist es, die den Traditionsverein spaltet. Siehe den Montag. "Bader-Raus"-Rufe hallten durchs Stadionrund, auch aus der Kurve, in der die mächtige und Privilegien genießende Fangruppierung der Ultras steht und die dem Sportvorstand nahesteht. Allerdings nicht mehr geschlossen. Ein Teil der Ultras stimmte in die Rufe ein - einer ihrer Anführer erklärte daraufhin per Megaphon, dass jeder seine Meinung frei äußern könne und solle, er aber die Gesänge nicht unterstützen werde. Daraufhin gab es nur noch vereinzelte "Bader-Raus"-Rufe, ehe in den letzten 20 Minuten der Partie generelles Schweigen herrschte.

Tabellenrechner 2.Bundesliga

Auch der Aufsichtsrat ist längst gespalten, wobei das Pro-Bader-Lager noch die Mehrheit hat. Das andere jedoch ist nicht untätig, setzt alles daran, eine Veränderung herbeizuführen. In dem Wissen, dass dies nur gelingen kann, wenn es einen renommierten Nachfolger präsentieren kann, sollen die Bader-Gegner auch bereits Kontakt zu möglichen Kandidaten aufgenommen haben.

Rettig beteiligt sich "nicht an Spekulationen"

Zum Beispiel zu Andreas Rettig, der noch bis Juni Geschäftsführer bei der DFL ist. "Zunächst einmal finde ich es komisch, wo mein Name überall auftaucht. Ich beteilige mich nicht an solchen Spekulationen", sagt Rettig, der angeblich auch in Hannover wie bei Hertha ein Thema sein soll.

Was indes unstrittig Fakt ist: In die Online-Petition, die eine Absetzung von Martin Bader fordert, haben sich bis Dienstagmittag gut 1000 Leute eingetragen.

Beim FCN ist alles, nur keine Normalität.

Christian Biechele

 

2 Leserkommentare

gonzoFCN
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25.03.2015 | 13:38

Jetzt ist die Gelegenheit

Der FCN hat jetzt eine riesige Chance endlich denn Sprüchen von der guten Nachwuchs Arbeit taten folgen [...]
thokugler
Beitrag melden
25.03.2015 | 09:37

Hin- und Hergerissen

Das Spiel gegen Bochum war ja wirklich im Großen und Ganzen nicht schlech - bis auf die Chancenauswertung, [...]

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Verein:1. FC Nürnberg
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Geboren am:02.06.1993

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