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13.03.2015, 17:57

Unruhe hinter den Kulissen des FCN

Der Club vor spannenden und schwierigen Zeiten

"Ein Ziel, kein Kurs", lautete der Titel der Club-Geschichte in der Print-Ausgabe des kicker am Donnerstag - die Reaktionen darauf lassen den Schluss zu, dass die Gräben und Risse innerhalb des Traditionsvereins noch tiefer und grundlegender sind als vermutet. Dem Dementi von Sportvorstand Martin Bader zum Trotz.

Wolfgang Wolf, René Weiler und Martin Bader sollen einen gemeinsamen Kurs ausarbeiten.
Wolfgang Wolf, René Weiler und Martin Bader sollen einen gemeinsamen Kurs ausarbeiten.
© imagoZoomansicht

Bader mag noch so sehr betonen, dass "das in dem Artikel gezeichnete Bild schlicht unwahr sei und wir sehr wohl einen Plan haben". Dennoch: Es existiert auf der sportlichen Führungsebene weder ein einvernehmliches Miteinander, noch ist ansatzweise ein so genannter Masterplan zu erkennen. "Jeder Transfer ist mit dem Trainer abgestimmt worden", sagt Bader zum Beispiel mit dem Hinweis auf den in dieser Weise bestätigten Neuzugang für die neue Saison, den Erfurter Kevin Möhwald, der als Nachfolger für Kapitän Jan Polak aufgebaut werden soll. "Alleine das zeigt doch, dass wir sehr wohl einen Plan haben", so Bader. Trainer René Weiler sagt zu diesem Transfer nur, dass es Spieler gebe, die schon länger auf dem Zettel des Vereines gestanden hätten und dass man dies als neuer Trainer irgendwie zu akzeptieren hätte. Nun ja, begeisternde Zustimmung hört sich anders an.

Der sportliche Trend passt

Wobei, es geht auch nicht um eine Personalie wie die von Möhwald. Nichts gegen das Talent, das Schritt für Schritt aufgebaut werden soll. Es handelt sich um einen reinen Randaspekt - und um nicht mehr. Es geht ums große Ganze, um den Kurs, der dem Club eine nachhaltige Zukunft in Liga eins bescheren soll. Und der ist, das verdeutlichen die Aussagen der Beteiligten, beileibe nicht zu erkennen. Das fängt mit der Zustandsbeschreibung an, was die Güte des aktuellen Kaders angeht. Weiler sagt zwar nicht explizit wie der in Nürnberg lebende Ex-Trainer und anerkannte Fußballfachmann Hans Meyer im Spätherbst der Wochenzeitung "Zeit", dass der Kader schlimm zusammengestellt sei, aber zwischen den Zeilen klingt deutliche Kritik durch. "Von den Spielern, die nachweislich Bundesliga-Niveau haben, haben wir keine sieben oder acht", wird er an diesem Freitag in der BILD zitiert.

Ein vernichtendes Urteil, wenn man bedenkt, dass der Kader mit dem Ziel direkter Wiederaufstieg zusammengestellt wurde - mit erheblichen Mittel. Nicht zu vergessen, dass mehrmals nachgebessert worden ist. Bader flüchtet sich indes in Sarkasmus: "Ich weiß, es ist alles falsch gemacht worden." Selbstredend nicht alles, aber dass der Kader grundlegende Defizite hat, was seine Struktur anbelangt, ist nicht wegzudiskutieren. Oder um es mit René Weile zu sagen: "Die Tabelle lügt nicht."

Dass der auf Rang 8 liegende Club dennoch eine zarte Aufstiegschance hat, wenn er am Samstag auf dem Betzenberg gewinnt, ist kein Widerspruch, sondern ein Verdienst des Schweizers: Unter seiner Regie hat sich viel verbessert, er hat der Defensive eine klare Struktur und dem Angriffsspiel eine Linie verpasst. Kurzum: Der sportliche Trend passt, auch wenn er nicht zum Höhenflug führte, wobei da der Schweizer richtig anmerkt, dass er "kein Zauberer" ist.

Positiver Trend hin oder her, es geht um die zukünftige Ausrichtung - und da läuft, wertet man alle Aussagen, anscheinend alles auf einen Machtkampf zwischen Weiler und Bader hinaus. Letzterem kann daran überhaupt nicht gelegen sein, auch wenn er der starke Mann beim Club ist. Noch, sei anfügt, die miserable Bilanz der vergangenen eineinhalb Jahre hat seine Position deutlich geschwächt. Die besseren Argumente hat derzeit zweifelsohne Weiler, doch dem wiederum geht es nicht um Macht, sondern darum, mit einer schlagkräftigen, zukunftsträchtigen Mannschaft arbeiten zu können. Hinzu kommt, dass solch ein Machtkampf Energie kostet - Energie, die dem Trainer wiederum bei seiner eigentlichen Aufgabe fehlen könnte.

Aufsichtsrat drängt auf gemeinsamen Kurs

Bleibt der Aufsichtsrat, doch der hat ja bereits die Aufgabe vor der Brust, einen Woy-Nachfolger für den Posten Vorstand Finanzen und Verwaltung zu finden. Würde dieses Gremium, was aufgrund der Mehrheitsverhältnisse ohnehin (noch) unwahrscheinlich scheint, nun auch Bader seines Amtes entheben, würde dem Traditionsverein ein riesiges Vakuum drohen. Kein Wunder also, dass Dr. Thomas Grethlein, der Chef des Aufsichtsrates, auf eine einvernehmliche Lösung drängt. Und die könnte so aussehen: Bader, Weiler und Wolfgang Wolf, der Leiter der Fußballabteilung, setzen sich an einen Tisch und arbeiten gemeinsam einen klaren Kurs aus, hinter dem sie alle stehen und der dementsprechend verbindlich ist. Bleibt die Frage, ob das Vertrauen der handelnden Personen untereinander überhaupt noch so gegeben ist, dass es solch einen Konsens geben kann? Unterdessen äußern in diversen Internetforen einige Fans die Furcht, dass Weiler zu Saisonende das Weite suchen könnte. Kein Szenario aus dem Fantasia-Land. Zum einen kann Weiler rigoros konsequent sein, zudem ist seine Arbeit auch eine Etage höher nicht verborgen geblieben. Und dort gibt es bekanntlich den einen oder anderen Klub, der über seinen Trainer diskutiert.

Bader ist weiter zuversichtlich

Doch zurück zum Club. Bader ist voller Zuversicht, dass er dem Trainer für die nächste Spielzeit einen starken Kader zur Verfügung stellen wird - mit den entsprechenden Verstärkungen und ohne den Verkauf eines Stammspielers. "Es wird uns immer angedichtet, wir müssten Leistungsträger verkaufen. Das ist faktisch falsch", so der Sportvorstand. Stimmt, nur dann schließt der FCN eben nicht mit der schwarzen Null ab, die die Führungsetage immer in Aussicht stellte. Ein Minus von ein bis zwei Millionen Euro, auf das läuft es momentan hinaus, verkraftet der Verein dank der von Bader geschaffenen Substanz - und es liest sich auch gut, eingedenk des Umstands, dass sich die Einnahmen aufgrund des Abstieges halbiert haben. Der Haken: In diesem Geschäftsjahr schlagen noch etliche Transfererlöse aus dem alten Bundesliga-Kader zu Buche, in der Größenordnung von mehr als zehn Millionen Euro. Wenn der Club nun in diesem Sommer keine Stammkraft verkaufen will, hat er logischerweise keine großen Transfererlöse. Es fehlen ergo zunächst mal zehn Millionen Euro. Den Lizenzspieleretat herunterfahren, zugleich aber die Güte des Kaders verbessern - auf den Club kommen wahrlich spannende wie schwierige Zeiten zu.

Christian Biechele

13.03.15
 
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weitere Infos zu Weiler

Vorname:René
Nachname:Weiler
Nation: Schweiz
Verein:1. FC Nürnberg