kicker: Nach dem 1:3 beim FSV Frankfurt am 2. Spieltag attackierte Trainer Jos Luhukay die Mannschaft schonungslos. Seitdem gab es fünf Siege und zwei Remis. Ist das Team für den Rest der Saison wach, Herr Kluge?
Peer Kluge: Ich glaube schon. Der Trainer hat uns zu einem sehr frühen Zeitpunkt aufgeweckt. Die Entwicklung, die es seitdem gab, zeigt, dass seine Kritik völlig berechtigt war.
kicker: Sie kannten Luhukay aus Gladbach. Hat Sie die Tonlage überrascht?
Kluge: Ja. Dass er derart laut und wütend wird, das kannte ich so nicht.
kicker: Wie groß ist die Gefahr, in alte Muster zurückzufallen?
Kluge: Möglich ist ein Rückschlag immer. Aber wenn wir wach bleiben, sind wir bis zum Ende oben dabei.
kicker: Neigt die aktuelle Hertha-Mannschaft zur Überheblichkeit?
Kluge: Nein. Der Grund für unsere Startprobleme war, dass wir ein bisschen Zeit brauchten für die Umstellung von der 1. auf die 2. Liga. Es wird ein ganz anderer Fußball gespielt.
kicker: Was meinen Sie genau?
Kluge: Du hast weniger Platz. Vielleicht haben wir die 2. Liga unterschätzt.
kicker: Inzwischen steht Hertha deutlich kompakter. Woran liegt das?
Kluge: Die Automatismen greifen. Wir haben begriffen, was der Trainer will.
kicker: Was ist ausbaufähig?
Kluge: Uns fehlt noch die totale Dominanz, aber da war das 1860-Spiel ein Fortschritt. Außerdem gibt es zu oft eine Diskrepanz zwischen starker erster und mäßiger zweiter Halbzeit.
kicker: Sie sind Luhukays Umschaltspieler, zuletzt wurden Sie immer dominanter. Kommt noch mehr? Oder spielen Sie am Limit?
Kluge: Besser geht es immer. Ich war mit meinen ersten Spielen nicht zufrieden und habe ein bisschen gebraucht, um meinen Rhythmus zu finden. Jetzt habe ich ihn - und das merkt man meinem Spiel an.
kicker: Ihr Ex-Trainer Hans Meyer sagt über Sie: "Peer hat ein überragendes Auge, weil er im Spiel den Kopf immer oben behält." Werden Sie auf dem Platz nie hektisch?
Kluge: Ich bin gelassener geworden und konnte mir über die Jahre von Mitspielern viel abschauen. Das hilft.
kicker: Von wem?
Kluge: In meiner Gladbacher Zeit von Peter Nielsen, auf Schalke von Raul.
kicker: Sie wären schon vor Jahren fast bei Hertha gelandet, ehe der damalige Manager Hoeneß Ihrem Berater mitteilte, Sie seien zu klein. Sind Sie seitdem gewachsen, Herr Kluge?
Kluge (schmunzelt): Nein. Aber Luhukay reichen meine 1,79 Meter zum Glück.
Interview: Steffen Rohr
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