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03.09.2012, 15:12

Köln: Vertragsauflösung mit Pezzoni

Ein fatales Signal

Weil Kölner "Fans" ihn massiv bedroht haben, hat Kevin Pezzoni (23) seinen Vertrag beim FC aufgelöst. Dem gesamten Fußball droht weiterer Schaden.

Kevin Pezzoni
Abgang beim FC: Kevin Pezzoni.
© imagoZoomansicht

Wieder verloren. Wieder ohne eigenen Treffer. Rang 17. Doch diese Probleme des FC werden überlagert vom Fall Pezzoni. Am Freitag löste der Spieler seinen Vertrag auf, nachdem er nach dem Aue-Spiel (0:2) vergangene Woche zu Hause bedroht worden war. Trainer Holger Stanislawski (42) erklärt: "Wenn ein Spieler Angst haben muss, auf die Straße zu gehen, dann sind eindeutig Grenzen überschritten. Wir mussten diese Lösung wählen."

Der FC hat großen Schaden erlitten. "Das ist unserem Image nicht zuträglich", weiß Claus Horstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung. Wäre es nicht besser gewesen, sich nicht dem Druck der Kriminellen zu beugen? Hätte man nicht versuchen müssen, mit einer öffentlichen Offensive eine Solidaritätswelle für Pezzoni auszulösen? Horstmann: "Das haben wir intern diskutiert, aber Kevin hat gesagt, er könne nicht einmal mehr ins Stadion kommen. In dem Gespräch sind wir dann zu der Lösung gekommen."

Wenn ein Spieler Angst haben muss, auf die Straße zu gehen, dann sind eindeutig Grenzen überschritten.Trainer Holger Stanislawski

Auch wenn die Mannschaft am Samstag mit einem offenen Brief reagierte und Präsident Werner Spinner ankündigte, strafrechtlich gegen die Täter vorzugehen, wirkt der Fall als fatales Signal: Chaoten vertreiben einen Spieler aus ihrem (?) Klub. Droht dies nun jedem ungeliebten Profi?

Horstmann verteidigt Entscheidung

Das Problem ist dem Klub bewusst. "Das ist ein Signal", bestätigt Horstmann, "aber wir mussten in diesem Einzelfall so entscheiden. Dass das nicht die Standardlösung ist, darüber muss man nicht diskutieren. Aber wir haben im Sinne von Kevin entschieden. Vielleicht wissen wir gar nicht alles."

Pezzoni war seit dem 0:3 gegen Wolfsburg 2011 der Sündenbock, als er krank patzte. Im Karneval 2012 brach ihm ein Täter das Nasenbein. Vergangene Woche gab es einen Facebook-Aufruf, ihn zu belästigen, dem 445 User folgten. In Aue wurde Pezzoni nach dem Spiel aus der FC-Kurve heraus übelst beschimpft. Es geht um eine Minderheit - aber gewiss nicht nur um Einzeltäter. Beschämend. Jetzt eine neue Dimension der Gewalt. Die schnelle Trennung wurde auch durch die neuen Transferregeln forciert. Seit dieser Saison können Spieler nach Ende der Tranferperiode I verpflichtet werden, wenn sie zum 31.8. vertragslos waren. Bislang galt dies nur für Spieler, die zum 1.7. vereinslos waren. "Das hat eine entscheidende Rolle gespielt", so Horstmann.

Pezzonis Flucht ist verständlich - und eine schwarze Stunde für den Fußball. Die Folgen sind nicht absehbar.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 03.09., 15:05 Uhr
Terror gegen einen Fußballprofi - Kevin Pezzoni aus dem Verein gemobbt
Weil Kölner "Fans" ihn massiv bedroht haben, hat Kevin Pezzoni seinen Vertrag beim FC aufgelöst. Trainer Holger Stanislawski hätte den Abwehrspieler gerne weiter im Kader gehabt, zeigte aber Verständnis für den Rückzug des 23-Jährigen, der nicht mehr befreit Fußballspielen konnte. Der Vorfall ist "etwas, was generell allen Entscheidungsträgern die Augen öffnen muss, dass hier die Null-Toleranz-Grenze gelten muss", sagt DFL-Präsident Reinhard Rauball.
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Vereinsdaten

Vereinsname:1. FC Köln
Gründungsdatum:13.02.1948
Mitglieder:101.600 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:1. FC Köln
Geißbockheim
Rhein-Energie-Sportpark
Franz-Kremer-Allee 1-3
50937 Köln
Telefon: (02 21) 71 61 63 00
Telefax: (02 21) 71 61 63 99
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