
"Wir haben es mit einer Jugendbewegung zu tun, wo bei Teilen eine gewisse Lust am Untergang zu spüren ist", erklärte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Dieser Tendenz wolle der Verein mit aller Macht entgegentreten. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn hatte die Eintracht unlängst wegen eines für sein Dafürhalten zu laschen Umgangs mit dem Problem kritisiert.
Das wollte Bruchhagen wiederum nicht auf sich sitzen lassen: "Wir lassen uns von Herrn Spahn nicht vorwerfen, dass wir im Dialog mit unseren Problemfans einen zu laschen Ton anschlagen. Über seine Aussagen bin ich nicht amüsiert, das habe ich ihm auch genau so gesagt. Er hat einfach nicht genügend Kenntnisse, um beurteilen zu können, in welcher Art und Weise wir gegen diese Fans vorgehen", sagte der Eintracht-Boss bei einem Hintergrundgespräch in Frankfurt/Main.
Spahn hatte nach den Vorfällen bei den Spielen der Frankfurter Unverständnis für die Fanarbeit der Hessen zum Ausdruck gebracht. Vor allem, dass die Frankfurter ständig den Dialog mit den Hooligans gesucht hätten, anstatt massive Strafen auszusprechen, wurde von Spahn bemängelt.
„Ich glaube, dass es gelingt, dass das Verantwortungsbewusstsein
größer ist als die Lust am Untergang.
“Heribert Bruchhagen
Bruchhagen unterstrich indes, dass der Eintracht-Vorstand sich sehr wohl große Gedanken darüber gemacht habe, wie er in Zukunft gegen die Problemfans vorgehen kann, was nun im Benimm-Katalog zum Ausdruck kommt. "Wir haben den Fanklubs eine Liste der Selbstverständlichkeiten zukommen lassen. Darin ist deutlich aufgeführt, was wir nicht mehr akzeptieren werden. Dazu gehört auch, dass die Leute haftbar gemacht werden, wenn sie Pyrotechnik im Stadion abbrennen", sagte Bruchhagen.
Teile der Frankfurter Anhängerschaft hatten zum Ende der Saison 2010/11 hin vermehrt für Negativschlagzeilen gesorgt. Erst kam es zu Ausschreitungen nach dem Derby in Mainz, eine Woche später stürmten Eintracht-Fans nach der Heimniederlage gegen Köln das Spielfeld, und beim Saisonabschluss in Dortmund feierten sich die Ultras auf einem Plakat als "Deutscher Randalemeister 2011". Bruchhagen: "Dieser Slogan schadet uns in fünf Jahren noch."
Der DFB reagierte auf die Vorkommnisse und schloss einen Teil des Publikums zum ersten Heimspiel der neuen Saison am kommenden Montagabend gegen den FC St. Pauli aus. Lediglich 14.000 Fans der Eintracht sind beim Heimauftakt zugelassen. "Neben dem Image- entsteht uns dadurch auch ein gewaltiger finanzieller Schaden", sagte Bruchhagen, bei dem auch ein wenig Resignation mitschwang: "Ich kann doch nicht jede Partie in einem Hochsicherheitstrakt austragen." Selbst beim Freundschaftsspiel in Bern vor einigen Wochen waren die Eintracht-Anhänger aus der Reihe gefallen.
Ende Juni hatte bereits Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock einen Kodex für seine Fans erlassen.
1) Keine Gewalt gegen Personen oder Sachen - weder im Stadion, noch im Stadionumfeld, noch auf der An- oder Abreise, weder bei Heim-, noch bei Auswärtsspielen.
2) Keine Pyrotechnik - weder im Stadion, noch im Stadionumfeld, weder bei Heim- noch bei Auswärtsspielen.
3) Keine Angriffe auf gegnerische Fangruppierungen und deren Einrichtungen.
4) Kein Stehlen von Bannern, Fahnen oder andere Fanutensilien gegnerischer Fans und Fangruppierungen.
5) Keine Gewalt beinhaltende oder verherrlichende Banner oder Spruchbänder.
6) Kein Werfen von Gegenständen gleich welcher Art auf das Spielfeld, insbesondere nicht in Richtung von Spielern oder Offiziellen.
7) Zuverlässige Einhaltung von Absprachen einzelner Gruppen, die mit Eintracht Frankfurt oder dem Stadionbetreiber getroffen wurden.
8) Zentrale Anmeldung von Fanutensilien (bei Auswärtsspielen), Spruchbändern und sonstigen Choreographien über die Fanbetreuung. Gewalt oder Straftaten darstellende oder verherrlichende Inhalte werden nicht zugelassen. Auch alle anderen Sonderaktionen (Verteilung von Flyern, Spenden- oder Sammelaktionen etc.) auf dem Stadiongelände sind genehmigungspflichtig.
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