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08.01.2010, 09:15

FC St. Pauli: Interview mit Holger Stanislawski

"Ich bin hier noch nicht fertig"

Die Ausbildung zum Fußballlehrer schloss Holger Stanislawski (40) mit der Note 1,3 als Bester des Jahrgangs 2009 ab. Als einziger derzeit aktiver Teilnehmer des Lehrgangs führte er St. Pauli in die Spitze.

Holger Stanislawski
Hat mit St. Pauli noch viel vor: Holger Stanislawski.
© imagoZoomansicht

kicker: Neues Jahr, neue Ziele. Mit welchen Hoffnungen gehen Sie ins Jahr 2010, Herr Stanislawski?

Holger Stanislawski: Gesund zu bleiben. Denn alles andere kann man sich erarbeiten. Sportlich hoffe ich, dass wir an unsere gute Hinrunde anknüpfen können und uns da oben in der Tabelle behaupten.

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kicker: Was zwangsläufig den Aufstieg bedeuten würde.

Stanislawski: Davon reden wir nicht. Wir wollen ähnlich viele Punkte holen wie in den ersten 17 Spielen. Ob es dann reicht, hängt dann auch von anderen Mannschaften ab.

kicker: Gibt es denn zwei oder gar drei bessere?

Stanislawski: Das ist schwer zu sagen. In den vergangenen Jahren gab es immer mal Mannschaften, die mit 35 Punkten in der Rückrunde durchgestartet sind. Am Ende werden die drei Teams vorne stehen, die es verdient haben. Dass meine Mannschaft das Potenzial dazu besitzt, hat sie in der Hinrunde ja bewiesen.

kicker: Auch für Sie persönlich war 2009 ein Erfolg. Geht's noch besser?

Stanislawski: Für mich war es mit dem Lehrgang zum Fußballlehrer sehr intensiv. Aber wir haben das vernünftig geschafft, die Entwicklung der Mannschaft trotz Doppelbelastung fortgeführt. Hinter mir und meiner Mannschaft liegt ein sehr erfolgreiches Jahr. Diese Leistungen gilt es jetzt zu bestätigen und zu verbessern.

kicker: An welchen Stellschrauben können Sie noch drehen?

Stanislawski: Wir sind in manchen Phasen noch zu verspielt. Das Stichwort für die Rückrunde lautet Zielstrebigkeit. Ansonsten gibt es viele Kleinigkeiten, die wir optimieren wollen.

kicker: Wo liegen die Gründe für die bisher so eindrucksvolle Saison?

Stanislawski: An erster Stelle steht das Kollektiv, die Gemeinschaft. Es funktioniert, vieles passt. Hinzu kommt, dass wir sehr gute Transfers getätigt haben. Insbesondere Matthias Lehmann spielt extrem stark, aber auch die Jungen haben gestochen: Kruse, Naki, Daube. Und sie geben den Alten einen Schub: Marius Ebbers und Fabio Morena spielen eine hervorragende Saison.

Marius Ebbers (li.) und Matthias Lehmann (FC St. Pauli)
Spielten eine starke Hinrunde: Marius Ebbers (l.) und Matthias Lehmann.
© imago

kicker: Mit Richard Sukuta-Pasu und Bastian Oczipka hat St. Pauli den Kader im Winter mit zwei weiteren U-19-Europameistern von 2008 verstärkt und sein Profil als Ausbildungsverein damit weiter geschärft.

Stanislawski: Wir hatten beide schon lange für die kommende Saison auf dem Zettel, mussten aber jetzt handeln, um sie zu bekommen. Beide sind hochqualifizierte Perspektivspieler. Sie passen voll in unser Profil.

kicker: Sportchef Helmut Schulte hatte stets betont, den Kader im Sommer nur minimal verändern zu wollen. Gilt das auch für einen möglichen Aufstieg?

Stanislawski: Ja. Eine Mannschaft, die aufsteigt, hat es sich auch verdient, in der Bundesliga zu spielen. Für den einen oder anderen mag das zu hoch sein, aber wir würden insgesamt nur wenig verändern. Zwei Neue sind jetzt schon da, ein oder zwei Neuzugänge würden noch dazustoßen. Eigentlich sind wir schon jetzt vernünftig für die kommende Serie aufgestellt, egal wo wir diese spielen werden.

Ich habe hier bis 2012 unterschrieben und bin hier noch nicht fertig. Sofern nichts Außergewöhnliches passiert, bleibe ich bei St. Pauli. Es macht riesigen Spaß.Holger Stanislawski

kicker: Bleibt auch der Trainer? Im vergangenen Jahr lehnten Sie Anfragen aus Mönchengladbach und Bochum noch ab.

Stanislawski: Ich habe hier bis 2012 unterschrieben und bin hier noch nicht fertig. Sofern nichts Außergewöhnliches passiert, bleibe ich bei St. Pauli. Es macht riesigen Spaß.

kicker: Reiben Sie sich eigentlich manchmal die Augen, wenn Sie sehen, was aus Ihrem ehemaligen Chaos-Klub geworden ist?

Stanislawski: Wir haben bewegte Jahre hinter uns. Nach dem tiefen Fall in die Regionalliga standen wir vor dem Exitus. Mit viel Akribie und Kontinuität haben wir uns da herausgearbeitet, sind seit 2006 durchgestartet. Hier entsteht etwas. Sportlich ging es aufwärts, im Stadion werden neue Tribünen gebaut, und der Verein ist relativ unabhängig von seinen handelnden Personen.

kicker: Auch vom Trainer?

Stanislawski: Von allen Funktionsträgern, und da gehört der Trainer mit dazu.

Interview: Lutz Wöckener

08.01.10
 
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