Der Grund trat in den vergangenen Tagen offenkundig zu Tage: Den Verein plagt ein gewaltiges strukturelles Führungsproblem. Siehe den schon seit langem nicht mehr ins Tagesgeschäft involvierten Präsident Michael A. Roth, der wie so häufig in der Vergangenheit im Falle des Misserfolges zum Poltergeist mutiert und seinen Emotionen in der Öffentlichkeit gänzlich unbedacht freien Lauf lässt.
Sein Frust freilich ist so unverständlich nicht - die Bilanz seit dem Pokalsieg 2007 liest sich unterm Strich in der Tat katastrophal. Von Platz 6 in Liga 1, mit "Nebengeräuschen" wie UEFA-Pokal und einem bei jedem Heimspiel vollbesetzten Stadion, auf Rang 13 in Liga 2 lauten die Eckdaten eines brutalen Absturzes.
Gute, erfolgreiche Arbeit, wie sie dem eloquenten Sportdirektor Martin Bader im Frankenland nahezu uneingeschränkt bescheinigt wird, sieht anders aus. Unstrittig ist, dass der Sportdirektor große Verdienste besitzt, bei Spielertransfers wie Vittek oder Saenko viel, sehr viel, für den Verein herausgeholt hat. Anderseits hat der Club die mit Abstand beste Ausgangslage seit der Deutschen Meisterschaft 1968 total verspielt - und hier handelt es sich nicht um einen leicht korrigierbaren Betriebsunfall, sondern um einen kolossalen GAU, dessen Folgen den FCN noch etliche Jahre belasten werden.
Der Verein mag im Vergleich zu früheren Zeiten finanziell glänzend dastehen, noch sei angefügt, schließlich beruht das ganze auf den Erfolgen der jüngsten Vergangenheit. Und, der springende Punkt, wo könnte, ja müsste der Verein nun stehen, hätte er nicht so viele schwerwiegende Fehler begangen? Falsche Kaderzusammenstellung, falscher Zeitpunkt der Meyer-Entlassung, falsche Einschätzung bei von Heesen - die hervorstechendsten Punkte einer langen Mängelliste, die wahrlich nicht nur Martin Bader anzulasten ist, sondern dem kompletten Führungsgremium, bestehend aus Präsidium und Aufsichtsrat. Ein Gremium, das 12 Personen umfasst, die abgesehen von Woy und Bader nur ehrenamtlich tätig sind - womit wir inmitten des bereits erwähnten strukturellen Führungsproblems wären.
Diese Struktur könnte einen weiteren starken, hauptamtlichen Mann im sportlichen Bereich neben Martin Bader mehr als gut vertragen - einhergehend selbstredend damit, dass die hauptamtliche Fraktion auch die entsprechenden Befugnisse erhält, getreu der Devise "mehr Macht, mehr Verantwortung". Vorbei wären dann auch die Zeiten, indem sich die hauptamtlichen Führungsfiguren im Falles des Misserfolges darauf berufen, dass alle Entscheidungen einstimmig erfolgt seien.
Aus Nürnberg berichtet Chris Biechele
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