Spitzenspiel bot 90 Minuten Power-Fußball
Nach dem 1:1 bei TuS Koblenz stellte KSC-Trainer Edmund Becker seine Anfangself auf drei Positionen um: Miller stand nach auskurierter Viruserkrankung wieder im Tor für Kornetzky, Stoll musste für Franz weichen und Mutzel saß auf der Bank, weil auch Freis seine Grippe auskuriert hatte.
Rostocks Coach Frank Pagelsdorf baute nach dem 4:0 über Braunschweig seine erste Elf nur auf einer Position um: Shapourzadeh, der Pagelsdorf im Training überzeugen konnte, erhielt den Vorzug vor Schied.
Das Spiel stand sofort unter Strom. Beide Teams versuchten von Beginn weg, dem Gegner Respekt einzuflößen - in den Zweikämpfen, aber auch in der Art und Weise, wie sie nach vorne spielten. Der Ball lief meist über wenige Stationen Richtung Stürmer, doch nachdem Eggimann Rahns Linksschuss gerade noch zur Ecke abfälschen konnten (5.), schlugen die Badener im Gegenzug zu. Über rechts zog Federico Dick mit nach vorne, der messerscharf auf Mittelstürmer Kapllani flankte. Langen und Sebastian waren sich uneinig und Karlsruhes Nummer 9 nickte den Ball aus acht Metern mustergültig in die Maschen.
Rostock zeigte sich nicht geschockt, sondern spielte weiter Richtung KSC-Tor, allerdings war die Defensive um Eggimann und Franz stets auf dem Posten. Nach einem harmlosen Foul rund 35 Meter vor dem Hansa-Tor schnappte sich Porcello die Kugel, nahm zehn Meter Anlauf und hämmerte das Leder mit voller Wucht ins linke Eck. Rostocks Keeper Schober hatte entweder mit einem Fernschuss aus dieser Distanz nicht gerechnet oder er hat das Geschoss einfach nicht gesehen.
Der Becker-Elf war dies egal, sie spielte sich nach dem 2:0 in einen wahren Rausch und stürzte die bis dato beste Abwehr der Liga (nur sechs Gegentore) von einer Verlegenheit in die nächste. Vor allem auf der rechten Defensivseite hatte die Pagelsdorf-Elf mit Dexter Langen eine Schwachstelle, so dass Kapllani, Freis oder auch Carnell immer wieder gefährlich vorstießen. Der Südafrikaner machte auch das 3:0. Federico hatte zuvor Freis freigespielt, der Schober aus der Drehung prüfte, wobei der Schlussmann das Leder nur abklatschen konnte und Carnell abstaubte. Danach hätte Kapllani mit einem Super-Kopfball beinahe weiter erhöhen können, doch diesmal war Schober mit einer Glanztat zur Stelle.
Mit 3:0 ging es in die Kabinen. Rostock spielte trotz des klaren Rückstands nicht schlecht, doch die Karlsruher waren im Abschluss enorm effektiv. Den zweiten Abschnitt begann Rostock mit veränderter Abwehrriege: Madsen ersetzte Sebastian, doch die Karlsruher drängten sofort auf den vierten Treffer.

Als dieser nicht fiel, kam Rostock zum plötzlichen Anschlusstreffer. Eigentlich schien der Angriff der Hanseaten schon gestoppt, doch dann reagierte Linksverteidiger Eichner zu schlafmützig, Shapourzadeh spritzte dazwischen und spitzelte den Ball aus sieben Metern in den Kasten vorbei am verdutzten Miller - 1:3 aus Sicht der Rostocker.
Doch wer nun gedacht hätte, die Rostocker würden zur Aufholjagd blasen, sah sich getäuscht. Sofort schaltete die Becker-Elf wieder einen Gang hoch. Aduobe zerstörte die Angriffsversuche der Rostocker im Ansatz und Federico verteilte die Bälle klug und effektiv. So legte der von der rechten Halbposition in die Zentrale gerückte Mittelfeldmann das 4:1 durch Freis mit einem Zuckerpass auf. Freis ließ sich nicht lange bitten und drosch das Leder aus zehn Metern flach in Schobers Kasten.
Jetzt glaubte der KSC fest an den Dreier und unterschätzte Rostock. Die nimmermüden Hanseaten kamen binnen drei Minuten auf 4:3 ran. Erst schoss Shapourzadeh sein zweites Tor - ein Flachschuss aus 20 Metern ins lange Eck (78.) -, dann drosch Rahn die Kugel mit links in die Maschen (81.). Die Fans im Wildpark, die zuvor die Becker-Elf frenetisch feierten, wurden immer stiller, da die Rostocker in den letzten Minuten energisch auf den Ausgleich drängten.
Diesen schafften sie auch: Rahn kam über links durch, legte die Kugel mustergültig in den Lauf von Cetkovic und der Joker drückte den Ball zum 4:4 in die Maschen. Kurz darauf pfiff Schiedsrichter Kinhöfer ab.
Das Spiel hatte keinen Sieger verdient. 70 Minuten war der KSC die bessere Mannschaft und bot klasse Offensiv-Fußball. Doch auch die Aufholjagd der Rostocker hatte es in sich, so dass beide Teams einen Punkt mitnehmen.
|
2:0
Porcello (16., direkter Freistoß, Rechtsschuss)
3:1
Shapourzadeh (54., Rechtsschuss)
4:2
Shapourzadeh (78., Linksschuss)
|
Gelbe Karten |

