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08.11.2018, 12:54

Erstmals seit 1969 hat Brasilien in Interlagos keinen Stammfahrer im Feld

Fittipaldi, Piquet, Senna: Brasiliens schweres F1-Erbe

Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet, Ayrton Senna: Brasilien hat früher regelmäßig Formel-1-Weltmeister hervorgebracht. Es fehlen längst nicht nur solche Ausnahmeerscheinungen. "Die ganze Welt will einen Brasilianer sehen und ihm auch zujubeln", behauptet Felipe Massa.

Dreimaliger Weltmeister und unvergessen: Der 1994 verstorbene Brasilianer Ayrton Senna.
Dreimaliger Weltmeister und unvergessen: Der 1994 verstorbene Brasilianer Ayrton Senna.
© imagoZoomansicht

Völlig entkräftet und von Krämpfen geplagt stieg Ayrton Senna auf das Podium von Interlagos und entrollte mit größter Mühe die brasilianische Flagge. Von einem Getriebeschaden heimgesucht hatte sich die Formel-1-Ikone im sechsten Gang in einem Grand Prix für die Ewigkeit im März 1991 zu seinem erlösenden ersten Heimsieg gezittert. "Ich bin erst wieder in der Wirklichkeit angekommen, als ich die Ziellinie gesehen habe", erinnerte sich der 1994 ums Leben gekommene Senna einmal. "Es war nicht der größte Sieg meines Lebens, aber einer, für den ich einfach alles geben musste. Ich werde ihn auf ewig in meinem Gedächtnis behalten."

Für die Ewigkeit sind die Bilder Sennas, wie er mit geschlossenen Augen den Moment des Triumphs auszukosten versucht oder wie er von tausenden Landsleuten frenetisch gefeiert wird. Sie lösen immer noch Gänsehaut aus. Und diese Bilder des dreimaligen Weltmeisters sind Zeitdokumente für die Formel-1-Begeisterung in Brasilien.

Das war eine glanzvolle Epoche. Die Gegenwart sieht anders aus. Erstmals seit 1969 hat Brasilien, dieses Riesenland mit riesiger Motorsporthistorie, in diesem Jahr keinen Stammfahrer in der Formel 1. Vor dem Grand Prix am Sonntag in Interlagos mussten sich die Fans mit Felipe Massa begnügen. Im Stadtteil Botafogo von Rio de Janeiro steuerte der Ende 2017 zurückgetretene Formel-1-Fahrer als Vorgeschmack einen Vorführwagen von Williams.

"Es ist schade, dass derzeit kein Brasilianer fährt", sagte Massa dem TV-Sender Globo als vorerst letzter seiner Spezies. "Die ganze Welt will einen Brasilianer sehen und ihm auch zujubeln."

Massa - Weltmeister für Sekunden

Nicht die ganze Welt, aber sicher ein beträchtlicher Teil der brasilianischen Formel-1-Welt litt zumindest mit Massa 2008. An jenem 2. November 2008 gewann der damalige Ferrari-Pilot den Großen Preis von Brasilien und durfte sich sogar als Weltmeister fühlen - aber nur für einige Sekunden. Ein Überholmanöver von Lewis Hamilton gegen Timo Glock zerstörte wenige hundert Meter vor der Ziellinie die Erfüllung des sportlichen Lebenstraums von Massa.

Dann flossen Tränen. Viele Tränen. Massa hätte sich fast zum ersten brasilianischen Weltmeister seit Senna 1991 gekürt und in seiner Heimat Legendenstatus erhalten. Wie auch Emerson Fittipaldi (1972, 1974). Wie auch Nelson Piquet (1981, 1983, 1987). Und eben wie auch Senna (1988, 1990, 1991).

McLarens starke Rolle in Brasilien

McLaren spielt bei dieser WM-Sammlung eine nicht unerhebliche Rolle. Alleine Senna holte seine drei Titel in einem Wagen des englischen Traditionsteams. Da verwundert es auch nicht, dass Petrobras mit diesem Erbe in Verbindung gebracht werden will. Anfang dieses Jahres schloss Brasiliens staatliches Mineralölunternehmen mit McLaren einen Vertrag über eine Technologiepartnerschaft.

Sergio Sette Camara als Ersatzfahrer bei McLaren

Und es verwundert weiter nicht, dass diese Verbindung auch eine Fahrerentscheidung begünstigt hat. Hinter den 2019er Stammpiloten Carlos Sainz jr. aus Spanien und dem Briten Lando Norris wird Sergio Sette Camara als Ersatzfahrer Erfahrung sammeln dürfen. Kurz vor diesem Rennwochenende verkündete McLaren zum Wohlwollen der brasilianischen Fans die Beförderung des 20 Jahre alten Formel-2-Piloten.

"Alle brasilianischen Piloten haben mich inspiriert", sagte der aus Belo Horizonte stammende Camara. "Wir werden als ein Land anerkannt, das Piloten hervorbringt, auch wenn Brasiliens Wirtschaft nicht so stark ist wie die europäische." Zumindest haben die Südamerikaner wieder einen Fahrer, auf den sie ihre Hoffnungen projizieren können.

dpa

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© imago/Getty Images

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