Red-Bull-Pilot Vettel, der im vorigen Jahr beim über vierstündigen GP den Erfolg erst in der letzten Runde aus der Hand gegeben hatte, war diesmal trotz seiner Pole Position chancenlos und musste sich nach einer aufregenden Schlussphase mit dem vierten Platz zufrieden geben.
Hamilton feierte seinen ersten Sieg seit dem 13. November 2011 in Abu Dhabi ausgiebig und winkte schon aus dem Auto mit einem Union Jack. "Das war eines meiner schönsten Rennen. Als ich über die Ziellinie gefahren bin, sind die Gefühle förmlich explodiert. Das war einfach überwältigend", sagte der britische McLaren-Pilot.
Mit dem 18. Sieg seiner Karriere meldete er nachdrücklich seine Ansprüche auf den WM-Titel an. Zudem sorgte er beim 300. Auftritt von McLaren mit Mercedes-Power im Heck für das passende Jubiläums-Resultat.
Hamilton baute auch den Formel-1-Rekord als siebter Sieger im siebten Rennen aus. So etwas hat die Königsklasse seit ihrer Gründung 1950 noch nie erlebt. Montreal bleibt damit ein gutes Pflaster für den 27-Jährigen. 2007 hatte er auf dem Circuit Gilles Villeneuve auf einer Insel im St.-Lorenz-Strom in seinem damals erst siebten Grand Prix den ersten Sieg seiner Karriere gefeiert. Auch 2010 war er nicht zu schlagen.
In der WM-Gesamtwertung übernahm Hamilton mit jetzt 88 Punkten die Führung vor dem bisherigen Spitzenreiter Fernando Alonso (86), der mit nachlassenden Reifen in den letzten Runden vom ersten auf den fünften Platz zurückfiel. Vettel hatte im Gegensatz zu dem Spanier noch Reifen gewechselt und war danach doch noch wieder an dem Ferrari-Piloten vorbeigekommen. Mit 85 Zählern ist Vettel jetzt WM-Dritter.
"Es war ein gutes Wochenende für uns, wir haben wichtige Punkte geholt und viel gelernt. Es war richtig, noch einmal die Reifen zu holen. Meine Reifen hatten nicht mehr das gehalten, wonach es vorher aussah. Es kam schleichend", sagte Vettel. Überraschend aufs Podium fuhren in der Schlussphase der Franzose Romain Grosjean im Lotus und der Mexikaner Sergio Perez im Sauber, deren Ein-Stopp-Strategien aufgingen. Perez fuhr sogar von Startplatz 15 zum zweiten Mal in seiner Karriere aufs Podium.
Für Rekordweltmeister Michael Schumacher setzte sich dagegen die Pechsträhne fort. Schon zum fünften Mal in dieser Saison war für den 43-Jährigen vorzeitig Feierabend, wieder war ein technischer Defekt schuld. Weil der verstellbare Heckflügel seines Mercedes in der offenen Stellung steckengeblieben war und sich von den Mechanikern trotz aller Bemühungen nicht mehr schließen ließ, musste der Kerpener in der 44. Runde aufgeben. Zu diesem Zeitpunkt lag er bereits außerhalb der Top 10.
"Ich schätze, es ist ein ähnlicher Defekt wie in Bahrain, eine Mischung aus Hydraulik und Elektronik. Wahrscheinlich hat sich ein Kabel verklemmt", meinte Schumacher, der seinem Team aber keinen Vorwurf machte: "Meine Jungs haben mein absolutes Vertrauen, zu hundert Prozent. Sie probieren alles. Aber man muss verstehen, dass unsere Autos Prototypen sind, da kann immer mal was vorfallen."
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