
| Vorname: | Sebastian |
| Nachname: | Vettel |
| Nation: | Deutschland |
| Team: | Red Bull Racing |
| Rennen/Siege: | 87/22 |

18 Jahre Lebens- und 12 Jahre Formel-1-Erfahrung trennen Michael Schumacher und Sebastian Vettel. Es war das Bild einer verrückten Saison, als der 41-jährige Routinier und siebenmalige Weltmeister seinen guten Freund unter dem Abendhimmel von Abu Dhabi fest an die Brust drückte und ihm zum märchenhaften Abschluss eines turbulenten Motorsportjahres gratulierte.
Vettel hatte wenige Minuten zuvor im allerletzten Saisonrennen das Unmögliche möglich gemacht und sich nach einer Turbulenten Saison in allerletzter Sekunde den Weltmeistertitel gesichert - als jüngster Titelträger aller Zeiten. Schumacher hingegen fügte sich seinem Schicksal und dem muckenden Mercedes, der ihn schon in der ersten Runde ausscheiden ließ. Der einst nie aufgebende Branchenprimus hat 2010 früh abgehakt und konzentriert sich bereits auf das kommende Jahr. Dann soll er es sein, der am Ende oben steht und dem gratuliert wird.
Eine durchwachsene Saison liegt hinter dem Kerpener, nicht ein einziger Podiumsplatz sprang für ihn heraus. Zu schwach sein Auto im Vergleich zur Konkurrenz, der Mercedes ist eben kein Ferrari. Doch Schumacher scheint sowieso nicht mehr der Alte. Lange Zeit als überehrgeiziger Perfektionist verschrien, wandelte er sich zum Genusspiloten. Der Spaß am Motorsport steht neuerdings im Vordergrund.
Vettel hingegen gab sich lange Zeit ungewohnt verbissen, geriet ein ums andere Mal sogar mit seinem Teamkollegen Mark Webber aneinander. Der Australier hatte bis zum letzten Rennen die besseren Karten, für Red Bull den Titel zu holen. Vettels größter Gegner fuhr im eigenen Team. Der Rennstall des Brauseherstellers aus Salzburg verzichtete vom ersten Rennen des Jahres in Bahrain bis zum Schluss bewusst darauf, einen seiner Piloten mit dem Nummer-1-Status zu versehen, der Erfolg heiligte am Ende alle Mittel.
Negativer Höhepunkt der teaminternen Konkurrenzkämpfe war Istanbul, wo sich die beiden Red-Bull-Piloten gegenseitig von der Strecke rammten. Der Sieg war vergeben, Webber kam noch auf Rang drei ins Ziel, Vettel gar nicht. Und als wäre der Titelkampf an sich nicht aufreibend und nervtötend genug, kamen immer wieder Defekte am Auto zu Vettels Unglück. In Südkorea schienen die Titelhoffnungen schon geplatzt, als Vettels Bolide kurz vor Rennende in Führung liegend einen Motorschaden erlitt. "Das ist so ein bisschen die Story des Jahres", ahnte der damals niedergeschlagene Vettel noch nichts von seinem späteren Glück.
Dass er das Zeug zum Weltmeister hat, zeigte Vettel in Monza, wo er sich per Reifenwechsel in letzter Runde Platz vier und gleichzeitig wichtige Zähler im Kampf um die Krone sicherte - eine taktische Meisterleistung. Es war dieser Moment, der ihm das nötige Selbstbewusstsein und die erforderliche Kraft gab, die er für seine Punktlandung beim letzten Grand Prix des Jahres in Abu Dhabi benötigte - es war das erste Mal in seiner noch jungen Karriere, dass er auf Platz eins der Fahrerwertung lag.
Wie viel Anspannung und Druck auf den schmächtigen Schultern Vettels lastete, wurde nach der Zieleinfahrt beim Saisonfinale deutlich. Via Teamradio bedankte er sich hörbar berührt mit weinerlicher Stimme bei seinem Team, ließ seinen Emotionen freien Lauf. Ein Mann, der von Berufs wegen bei Wind und Wetter 750 Pferdestärken so kontrolliert, dass er gestandene Weltmeister wie Fernando Alonso, Jenson Button, Lewis Hamilton und natürlich Michael Schumacher hinter sich lässt, gab einem Millonenpublikum Einblick in seine Gefühlswelt.
Neben Schumacher drückten auch die anderen deutschen Piloten der Frohnatur ihre Anerkennung und Freude aus und sprachen nur Gutes über den neuen Champion. Vettel ist Sympathieträger, nicht nur im Fahrerfeld des Formel-1-Zirkus. "Ich bin immer noch einer von euch", rief er beim triumphalen Empfang in seiner Heimatstadt Heppenheim der johlenden Menge zu. Und man nimmt es ihm ab.
Nicht alle deutschen Fahrer stellten ihre Arbeitgeber so zufrieden wie es Vettel mit Red Bull tat. Adrian Sutil im Force India und Timo Glock im Nachzügler-Team Virgin schlugen sich tapfer und dürfen wohl auch im kommenden Jahr weiter für ihre Teams fahren.
Anders verhält sich die Lage bei Nick Heidfeld und Nico Hülkenberg, die beide keinen neuen Vertrag bekamen. Während Heidfeld als Mercedes-Ersatzfahrer und Pirelli-Reifentester zwischenzeitlich für fünf Rennen bei Sauber aushelfen durfte, konnte Hülkenberg im Williams sportlich durchaus auf sich aufmerksam machen. Doch trotz der sensationellen Pole-Position von Sao Paolo setzte ihn das englische Team vor die Tür, da er nicht genügend Sponsorengelder mitbringt.
Probleme, mit denen sich ein Sebastian Vettel nicht mehr herumschlagen muss.