Die FIA wird klären, ob es bei der vergleichsweise milden Geldbuße von 100 000 Dollar bleibt oder ob das italienische Formel-1-Team wegen der dubiosen Vorfahrt nicht wesentlich härter bestraft wird. Für die beiden Verkehrssünder Fernando Alonso und Felipe Massa könnte ein Punktabzug den vorzeitigen K.o. im WM-Kampf bedeuten.
Der Weltrat könnte im günstigsten Fall die Entscheidung der vier Rennkommissare bestätigen. Aber auch eine drastische Erhöhung der Geldbuße und im - für Ferrari und die Fahrer - schlimmsten Fall die Streichung des Doppelerfolges beim Großen Preis von Deutschland am 25. Juli oder sogar ein Ausschluss von einigen Rennen sind möglich.
Weil das delikate Verfahren unmittelbar vor dem Großen Preis von Italien stattfindet, bekommt es zusätzliche Brisanz. Egal wie die Juroren entscheiden, das Urteil wird beim 13. Saisonlauf in Monza auf jeden Fall ein beherrschendes Thema sein.
Allerdings befasst sich das FIA-Gremium mit dem heiklen Top-Thema erst am Schluss seiner Sitzung. Deshalb ist frühestens am späten Nachmittag mit der Bekanntgabe des Schiedsspruchs zu rechnen. Ferrari ist bei der Anhörung am FIA-Sitz in Paris durch Teamchef Stefano Domenicali vertreten. Alonso und Massa werden wohl per Videokonferenz zugeschaltet.
Geführt wird die morgige Sitzung nicht vom FIA-Präsidenten und ehemaligen Ferrari-Teamchef Jean Todt, sondern von einem seiner Stellvertreter.
Teamorder ist seit 2002 offiziell verboten. Pikanterweise hatte der damalige Ferrari-Teamchef Todt mit seiner Anweisung an Rubens Barrichello, Michael Schumacher beim Großen Preis von Österreich passieren zu lassen, die Regelverschärfung ausgelöst.
Ferrari wird ein Vergehen gegen Paragraf 39.1 des Sportreglements vorgeworfen. Dieser untersagt jegliche Teamorder, die Einfluss auf das Rennergebnis hat. Des Weiteren soll Ferrari gegen den Artikel 151 c) des International Sporting Codes verstoßen haben, der Verstöße gegen das Interesse des Motorsports generell ahndet.
Auf dem Hockenheimring hatte Scuderia-Pilot Felipe Massa seinen Teamkollegen Fernando Alonso beim Rennen am 25. Juli offensichtlich ohne Gegenwehr an sich vorbeiziehen lassen. Der in der WM-Wertung besser platzierte zweimalige Titelträger aus Spanien gewann anschließend das Rennen vor seinem brasilianischen Rennstallrivalen.
Die Teamverantwortlichen bestritten, eine Stallorder ausgegeben zu haben und auch Massa beteuerte damals: "Das war definitiv meine Entscheidung." Aber offensichtlich hatten die Verantwortlichen den sichtlich frustrierten Fahrer vorher auf Linie gebracht.
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