Ein Grund für die Brawn-Dominanz: Die Mercedes-Motoren liefen diese Saison wie geschmiert. Nach dem Ausstieg von Honda aus finanziellen Gründen musste auch ein Partner für den Antrieb gesucht werden. Fündig wurde Brawn in Stuttgart. Ein umfangreicheres Engagement des schwäbischen Automobilbauers ist von der kommenden Saison an denkbar. Und auch, dass der momentane Williams-Pilot Nico Rosberg dann in einem Brawn-Mercedes sitzen wird. Während Hobby-Triathlet Button trotz auslaufenden Vertrags wohl weiter für die Briten fahren wird, gilt es längst als sicher, dass Rubens Barrichello wechselt. Der einstige Wasserträger von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher könnte an der Seite des deutschen GP2-Champions Nico Hülkenberg in einem Williams starten.
Der Vater des Erfolgs aber ist "Superhirn" Ross Brawn. 2007 genehmigte sich der manchmal kauzig wirkende Brawn ein Sabbatjahr. Der Brite, dessen strategische Finesse und taktischer Esprit schon Michael Schumacher zum siebenmaligen Weltmeister mit Benetton und Ferrari machten, ging angeln. Diese Auszeit habe seine Sichtweise auf den Sport nicht verändert, sagte Brawn einmal, aber ihn daran erinnert, was ihn ausmache und was er vermisse: "Den Wettbewerb, Teil einer Gruppe zu sein, die etwas erreichen will."
Seine beiden Fahrer mussten vor einem Jahr noch lange zittern - nicht um Siege oder Punkte. Es ging um die Zukunft des Teams, ihres Arbeitgebers. Erst kurz vor dem Saisonstart war die Übernahme des Honda-Rennstalls durch den ehemaligen Ferrari-Strategen Brawn besiegelt, nachdem der japanische Hersteller aus der Formel 1 ausgestiegen war.
Zur Erinnerung: Honda war im vergangenen Jahr das zweitschlechteste Team, sammelte nur 14 Zähler. Noch erfolgloser war nur Force India, das neu in der Formel 1 war.
Und: Zum Testen blieb Brawn nur wenig Zeit. Es reichte aber, um die Konkurrenten mehr als nur zu beeindrucken. Brawn GP stellte - zusammen mit Sebastian Vettels Red-Bull-Team - die Hackordnung der Königsklasse auf den Kopf. Dem Doppelerfolg durch Button und Barrichello zum Auftakt in Australien folgten insgesamt sieben weitere BrawnGP-Siege.
Auch in der Fahrerwertung machte Brawn-GP-Pilot Jenson Button in Brasilien alles perfekt. Dass Brawn GP die Konstrukteurs-Krone verdient, daran gibt es keine Zweifel. Sie bringt dem Rennstall im Übrigen auch einiges an nötigem Geld ein.

Vor Argwohn waren die "Brawnies" aber auch nicht gefeit - Stichwort Doppel-Diffusor. Wegen dieses magischen Teils herrschte zu Saisonbeginn helle Aufregung. Die Instanzen des Internationalen Automobilverbandes FIA wurden angerufen - und entschieden: alles regelkonform. Die Rivalen versuchten, den Rückstand aufzuholen. Bis auf die "Roten Bullen" konnte unterm Strich nach 15 der 17 WM-Läufe aber keiner Anschluss zu dem Duo in den fast schneeweißen Boliden halten.
Ross Brawn, als Technischer Direktor von Benetton und Ferrari an sieben Fahrer-Weltmeisterschaften unmittelbar beteiligt und als Strategie-Genie geadelt, setzte seinem Schaffen nun als Teamchef die Krone auf.
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