Im vergangenen Jahr schrieb Sebastian Vettel Geschichte und avancierte zum jüngsten Grand-Prix-Sieger aller Zeiten. Mit 21 Jahren und 73 Tagen fuhr er im Toro Rosso bei vor allem anfänglich ganz schwierigen Bedingungen - das Rennwochenende war von heftigen Regenfällen begleitet - einen souveränen Start-Ziel-Sieg nach Hause. Der Jungspund lieferte einen Tag nach seiner nicht minder überraschend herausgefahrenen Pole Position sein Meisterstück und löste den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso als jüngsten Grand-Prix-Gewinner ab.
Unbekümmert und ohne Druck stahl er allen Favoriten die Show, niemand hatte Vettel im Toro Rosso auf der Rechnung. Doch diesmal geht es für den Red-Bull-Piloten in Monza fast schon um alles oder nichts. Vettel hilft wahrscheinlich nur ein Sieg, wenn er im Kampf um den WM-Titel noch ein Wort mitsprechen will.
Obwohl er als WM-Dritter bereits 19 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Jenson Button hat (53:72), seien seine WM-Chancen intakt, meint der Hesse. Und Button schwächelt, der einst so dominante Brite holt in seinem Brawn GP kaum noch Punkte oder scheidet wie zuletzt im belgischen Spa sogar aus.
Doch Vettel ist nicht Buttons einziger Rivale. Der schärfste Verfolger ist Teamkollege Rubens Barrichello mit einem Rückstand von 16 Zählern. Und Vettels Teamkollege Mark Webber (51,5 Punkte) sorgt dafür, dass das Titelrennen ein Vierkampf ist.
Die Favoritenrolle schiebt Vettel dennoch Button zu: "Er hat fünf Rennen vor Ende 19 Punkte mehr." Der Brite hat bereits sechs Rennen gewonnen, Vettel erst zwei (Shanghai und Silverstone). An seinem großen Ziel WM-Titel hält er dennoch unbeirrbar fest. Was Vettel Mut macht: Sein Auto sei nicht nur auf Augenhöhe mit den Brawns, sondern sogar einen Tick schneller.
Mercedes-Sportchef Norbert Haug dämpft Vettels Hoffnungen ein wenig, für ihn ist immer noch Barrichello der größte Rivale Buttons. "Vettel muss im Schnitt mindestens vier Punkte pro Rennen auf Button aufholen. Das ist nicht unmöglich, aber auch nicht gerade leicht", sagt Haug dem SID und rechnet vor: "Vettel muss alle ausstehenden fünf Rennen gewinnen, und Button darf nie mehr als Platz drei schaffen, dann klappt's für Sebastian."
Vettels Teamkollege geht nicht davon aus, dass in Monza schon eine Vorentscheidung fallen könnte. "Ich glaube, dass die WM bis zur letzten Minute spannend bleibt", sagte Webber der BBC und lästert über Button: "Er ist der Fahrer, der derzeit die größten Probleme hat."
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