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25.07.2009, 22:17

GP von Ungarn, Qualifying: Vettel wird Zweiter

Massas Crash überschattet Alonsos Pole Position

Felipe Massa ist am Samstag beim Qualifying zum Großen Preis von Ungarn in Budapest schwer verunglückt. Der Brasilianer wurde von einer umherfliegenden Metallfeder am Kopf getroffen und prallte danach offensichtlich bewusstlos mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel. Massa wurde mit dem Helikopter ins Krankenhaus gebracht, er wird nicht am Rennen teilnehmen. Der spanische Ex-Weltmeister Fernando Alonso holte sich die Pole Position vor Sebastian Vettel und Mark Webber.

Fernando Alonso
Seine Pole Position wurde überschattet vom schweren Massa-Unfall: Fernando Alonso.
© picture-allianceZoomansicht

Alonsos Erfolg am Samstag kommt überraschend, der derzeit Achte der Fahrerwertung und zweimalige Weltmeister hatte im bisherigen Saisonverlauf mit seinem Renault meist deutlichen Rückstand auf die Konkurrenz aus den Rennställen Brawn und Red Bull. Zwei fünfte Plätze waren bislang das Optimum für den Asturier.

Zumindest in der Zeitenjagd am Samstag war Alonso jedoch das Maß aller Dinge. Er verwies den deutschen Hoffnungsträger Sebastian Vettel aus Heppenheim im Red Bull auf den zweiten Platz. Dritter wurde dessen Teamkollege Mark Webber (Australien), zuletzt auf dem Nürburgring erstmals in seiner Karriere GP-Sieger. Bis der Sieger endgültig bekannt war, vergingen jedoch einige Minuten. Wegen eines technischen Defektes bei der Zeitmessung herrschte zunächst Ratlosigkeit darüber, wer welchen Platz belegt hatte. Dann wurden die drei Ersten vor die Kameras der wartenden Fotografen geholt.

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Auf den weiteren Plätzen finden sich der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) im McLaren-Mercedes als Vierter und Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) als Fünfter. Der Führende in der Fahrerwertung, Jenson Button (Großbritannien), musste sich im Brawn-Mercedes mit Platz acht zufrieden geben. Timo Glock (Wersau) wurde im Toyota 14., während Nick Heidfeld im BMW als 16. einmal mehr enttäuschte. Adrian Sutil (Gräfelfing)kam im Force India auf Rang 18.

Massa verunglückt schwer

Massas Ferrari
Schrott im Reifenstapel: Massas Ferrari raste ungebremst von der Strecke.
© imago

Alle Resultate standen im Schatten des schweren Unfalls von Felipe Massa im zweiten Abschnitt. Was war passiert? Der Brasilianer steuerte seinen Ferrari am Ende einer langen Gerade, als er von einer umherfliegenden Radfeder offensichtlich am Helm getroffen wurde. Das Teil war kurz zuvor aus bislang ungeklärter Ursache vom dritten Dämpfer an der Hinterradaufhängung des Brawn-Mercedes seines Landsmannes Rubens Barrichello herausgefallen. Die die Feder haltende Kappe war vorher abgebrochen.

Die Stahlfeder wiege zwischen 700 und 800 Gramm, zuvor habe es noch nie Probleme mit dieser Komponente gegeben. Brawn reagierte und ließ die Feder am Auto von Jenson Button austauschen. Die FIA hat eine Untersuchung eingeleitet.

Durch den schweren Aufprall verlor Massa allem Anschein nach das Bewusstsein, sein Ferrari steuerte daraufhin ungebremst in gerader Linie und mit etwa 200 Stundenkilometern in einen Reifenstapel. Helmschale und Visier bei Massas Kopfschutz wurden durch den Aufprall übrigens zerstört. Es dauerte einige Minuten, bis der Ferrari-Pilot aus seinem Fahrzeug befreit und mit dem Helikopter ins Krankenhaus geflogen werden konnte. Der Automobil-Weltverband FIA gab zu diesem Zeitpunkt die Erklärung ab, dass Massas Zustand stabil sei. Ferrari-Sprecher Luca Colajanni fügte später hinzu: "Er ist auf jeden Fall bei Bewusstsein. Das ist das Wichtigste."

Nach einer ersten Diagnose im AEK-Krankenhaus von Budapest zog sich der Vize-Weltmeister einen Knochenbruch am Schädel, eine Gehirnverletzung und einen Schnitt an der Stirn zu. Massa wurde in ein künstliches Koma versetzt, erfolgreich operiert und bleibt unter Beobachtung auf der Intensivstation. "Felipe war bei der Ankunft bei Bewusstsein und sein allgemeiner Zustand war stabil", hieß es in einer Pressemitteilung. Am Sonntag soll es weitere Mitteilungen zum Gesundheitszustand des Brasilianers geben. Ferrari wies Meldungen ins Reich der Fabel, wonach Massa in Lebensgefahr schwebe. Teamchef Stefano Domenicali sagte am Abend der dpa, dass Massa am Sonntag aus dem künstlichen Koma geholt werden soll.

Felipe Massa
Felipe Massa wird nach seinem Unfall abtransportiert.
© picture-alliance

Nur ein Ferrari geht somit am Sonntag an den Start, ein Ersatzfahrer darf nicht ran, dieser hätte schon an der Qualifikation teilnehmen müssen. Massas zehnter Startplatz im Feld wird verwaist sein.

Parallelen zum Fall Surtees

"Das ist ein sehr ungewöhnlicher Unfall", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in einer ersten Reaktion. Vor einer Woche war der Sohn von Formel-1- und Motorrad-Weltmeister John Surtees, Henry Surtees (18), auf ähnliche Weise verunglückt und verstorben.

Diesen schrecklichen Unfall hatten wohl viele Fahrer und Teamvertreter im Hinterkopf, die sich zum Fall Massa äußerten. "Das Allerwichtigste ist, dass es Felipe gut geht", sagte beispielsweise Sebastian Vettel erleichtert. Erste Entwarnung hatte Rubens Barrichello gegeben, aus dessen Fahrzeug die Radfeder herausgebrochen war. "Felipe redet, ist aber sehr aufgewühlt", sagte der brasilianische BrawnGP-Pilot, ehe er Massa ins Streckenhospital begleitete.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner und Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) forderten, nach diesen beiden gleichartigen Unfällen nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen. "Man muss sich Gedanken machen", sagte Horner, während Rosberg befand, dass man sich angesichts der schockierenden Ereignisse "echt was überlegen" müsse.

25.07.09
 
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