So urteilt das deutsche Fahrertrio Nick Heidfeld, Nico Rosberg und Timo Glock übereinstimmend: "Button ist klarer WM-Favorit." Heidfeld bezeichnete die Entscheidung zugunsten des von BrawnGP sowie den Rennställen Toyota und Williams eingesetzten Bauteils als mögliche "Entscheidung des Jahres": "Für einige ist der WM-Zug abgefahren."
Spannend dürfte die Frage werden, wie schnell die anderen Teams den Lücke schließen und ihrerseits modifizierte Diffusoren einsetzen können. Angeblich wollen McLaren-Mercedes und Force India schon am Wochenende in Shanghai den Doppel-Diffusor einsetzen. Andere Topteams wie Ferrari oder auch BMW hoffen, beim Europa-Auftakt am 10. Mai in Barcelona mit dem neuen Bauteil aufwarten zu können. BMW-Sportdirektor Mario Theissen wies daraufhin, dass die nun bevorstehenden Nachrüstaktionen mit Millionenaufwand verbunden ist: "Das ist mit dem von der FIA angestrebten Ziel, Geld zu sparen, sicher nicht zu vereinbaren."
Über Geld soll daher auch beim nächsten Meeting der Teamvereinigung FOTA gesprochen werden. Eigentlich hatten die übrigen F1-Teams signalisiert, das Vorhaben von BrawnGP zu unterstützen, als offizieller Honda-Nachfolger Gelder aus dem Formel-1-Vermarktungstopf (etwa 30 Millionen Euro) zu bekommen. Renault-Teamboss Flavio Briatore will dies noch mal auf den Prüfstand stellen und ließ vor dem Großen Preis von China durchblicken, dass sich Brawn seiner Ansicht nach nicht an Absprachen unter den Formel-1-Teams gehalten habe, den Diffusor nicht einzusetzen. "Die WM ist entschieden. Brawn fährt mit einem Auto, das uns verboten wurde", sagte Briatore in Shanghai: "Es ist schon seltsam, dass Weltmeister wie McLaren-Mercedes, Ferrari, Renault oder auch BMW hinterherfahren."
Ein anderes Bauteil, dass zu Saisonbeginn als eigentlich große technische Innovation angesehen war, ist bei Ferrari noch einmal auf den Prüfstand gestellt worden: Das in dieser Saison noch punktlose Weltmeisterteam will in Shanghai aus Sicherheitsgründen auf den Einsatz von KERS verzichten. Das Energie-Rückgewinnungs-System bringt den Piloten pro Runde maximal 6,6 Sekunden 82 zusätzliche PS, auf die die Scuderia nun freiwillig verzichten will: "Wir müssen das System bezüglich der Sicherheit und Zuverlässigkeit noch besser verstehen. Natürlich bringt das System Vorteile, aber solange es nicht zu 100 Prozent sicher und stabil läuft, werden wir nichts riskieren", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.
Beim Großen Preis von Malaysia hatte es Zuverlässigkeitsprobleme mit dem sensiblen System gegeben. Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) hatte im Training eine Rauchwolke hinter sich hergezogen, dazu war beim Rennen Regen durch die defekte Isolation eingedrungen.
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