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28.08.2012, 09:55

GP von Belgien: Alles rund um die Strecke

Die Eau Rouge ruft wieder!

Grand Prix von Belgien, Spa-Franchorchamps - Auf dieser Strecke hat Michael Schumacher vor 21 Jahren sein erstes Rennen bestritten, hier feierte er 1992 seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Auf der Traditionsstrecke in den Ardennen konnten fast nur die ganz Großen der Formel 1 gewinnen. Die malerische Strecke in Belgien zählt für viele Fahrer zu ihren Lieblingspisten!

Berühmt und berüchtigt: Die "Eau Rouge" auf dem Ardennenkurs in Spa-Francorchamps.
Berühmt und berüchtigt: Die "Eau Rouge" auf dem Ardennenkurs in Spa-Francorchamps.
© picture allianceZoomansicht

Der 12. Grand Prix der Formel-1-Saison 2012 wird am Sonntag, 2. September 2012, um 14 Uhr (LIVE!-Ticker ab 13.45 Uhr) in Belgien auf dem Kurs in Spa-Francorchamps gestartet. Die Fahrer müssen auf dem 7,004 km langen Kurs insgesamt 44 Runden drehen, die Renndistanz beträgt rund 308 Kilometer.

Am Freitag ab 10 Uhr geht es los mit der ersten freien Trainingssession. Am Samstag ab 11 Uhr beginnt der zweite Trainingstag, ehe ab 14 Uhr das dreiteilige Qualifying ansteht.

Historischer Rückblick

Auf dem Kurs in Spa-Franchorchamps werden schon seit 1924 Motorsport-Events veranstaltet. Das erste Formel-1-Rennen auf dem ursprünglich 14 Kilometer langen Kurs wurde 1950 durchgeführt. Als sich die Piloten 1969 aber weigerten, auf der gefährlichen Strecke zu fahren, wurde Spa aus dem Rennkalender genommen. Der Große Preis von Belgien wurde fortan in Zolder und Nivelles ausgetragen.

Erst als die Strecke modifiziert und verkürzt wurde, kehrte die Königsklasse 1983 auf die "Ardennenachterbahn" zurück. Seit 1985 machte die Formel 1 wieder regelmäßig in Spa-Francorchamps Station. Die Traditionsstrecke wurde bei dem radikalen Umbau zwar auf sieben Kilometer gekürzt, dennoch ist die Berg- und Talbahn der längste Grand-Prix-Kurs, auf dem noch Formel-1-Rennen gestartet werden.

Für die Piloten ist der Ardennen-Kurs die ultimative Herausforderung. Nicht umsonst ist die Liste der Fahrer, die dort in der jüngeren Vergangenheit gewinnen konnten, relativ kurz: Seit 1988 durften nur Senna, Hill, Häkkinen, Coulthard, Michael Schumacher, Räikkönen, Massa, Hamilton und zuletzt Sebastian Vettel die Siegestrophäe entgegennehmen. Nur die ganz großen Fahrer waren auf diesem Kurs erfolgreich. Ayrton Senna war mit fünf Siegen alleiniger Rekordhalter in Spa, doch Rekord-Weltmeister Michael Schumacher übertrumpfte den unvergessenen Brasilianer mit seinem sechsten Sieg im Jahr 2002 auch in Belgien.

Bilder aus Spa-Franchorchamps
GP von Belgien 2011
Sebastian Vettel erfüllte sich selbst einen großen Wunsch und reihte sich in die namhafte Siegerliste des Ardennen-Klassikers ein.
Ein Küsschen

Sebastian Vettel erfüllte sich selbst einen großen Wunsch und reihte sich in die namhafte Siegerliste des Ardennen-Klassikers ein.
© Getty Images

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Das Verrückteste in Spa sind jedoch die ständig wechselnden Wetterbedingungen. Von einer Sekunde auf die andere kann es zu heftigen Regenschauern kommen, die das Klassement stets ordentlich durcheinander wirbeln. Wegen der Länge des Kurses regnet es häufig auch nur auf einem Teil der Strecke, während auf der anderen Seite die Sonne scheint.

Weitere Informationen

Unvergessen bleibt das Rennen 1998. Wegen einer Massenkarambolage kurz nach dem Start verschob sich der Neustart um fast eine Stunde, weil die Aufräumarbeiten so viel Zeit in Anspruch nahmen. Anschließend dominierte "Regenkönig" Michael Schumacher das Renngeschehen und deklassierte die gesamte Konkurrenz mit fulminanten Rundenzeiten. Als sich der Kerpener aufmachte, David Coulthard im Silberpfeil zu überrunden, krachte er dem viel langsameren Schotten ungebremst ins Heck. Aus der Traum vom Sieg, Schumacher rollte mit den verbliebenen drei Rädern in die Box! Unklar blieb: Bummelte Coulthard absichtlich auf der Ideallinie und ließ den Ferrari auflaufen? Oder fuhr Schumacher bei den schlechten Wetterverhältnissen vielleicht doch zu aggressiv? Bis heute ist der wahre Unfallgrund nicht geklärt, die Teams hüllen sich in Schweigen.

Die Rennstrecke

Grand Prix von Belgien, Circuit de Spa-Francorchamps
Grand Prix von Belgien, Circuit de Spa-Francorchamps

Der Kurs in Spa-Francorchamp ist wohl die größte Herausforderung in der Formel 1. Es geht bergauf und bergab, es gibt viele mittelschnelle und schnelle Kurven, zum Teil nicht einsehbar. Fast in jeder Streckenpassage gibt es eine Schlüsselstelle, die den Fahrern höchste Konzentration abverlangt. Gleich nach dem Start geht es auf die enge Haarnadelkurve La Source, die mit ca. 70 km/h durchfahren wird. Dann folgt die Abfahrt auf eine der faszinierendsten Kurven im PS-Zirkus, die Eau Rouge. Mit rund 280 km/h rasen die Boliden den Berg hinunter in einen Linksknick, gleich darauf folgt eine Rechtskurve, wobei es gleichzeitig wieder bergauf geht. Mit den derzeitigen V8-Motoren geht die Eau Rouge, die vielleicht berüchtigste Kurve überhaupt in der Formel 1, jedoch problemlos voll. Stimmt das Set-Up des Wagens in dieser Senke aber nicht hundertprozentig, ist der Abflug vorprogrammiert. Oder der Fahrer lupft vor dem Einlenken das Gaspedal und lässt wertvolle Zehntel liegen.

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Mutprobe Blanchimont

Doch auch die anderen Streckenabschnitte haben ihre Tücken. Der lange Linksbogen "Blanchimont" wird mit über 300 km/h gefahren und ist ebenfalls eine Mutprobe für die Fahrer, weil der lange Knick nicht eingesehen werden kann. Ohne irgendwelche Auslaufzonen rasen die Piloten über eine Passage, die normalerweise als Landstraße genutzt wird.

Eine sehr positive Änderung gibt es bei "Bus Stop". Es wurde völlig umgebaut, und nach dem Murks, den es in den Rennen davor gab, scheint nun eine endgültige Lösung gefunden.

Sebastian Vettels Lieblingsstelle aber ist "Pouhon". "Die Doppel-Links verträgt über 270 km/h - faszinierend", sagt der Weltmeister, der sich nun auch endlich in die Liste der berühmten Spa-Sieger eingetragen hat.

"Spa ist rundum genial", sagt Ex-Pilot Alexander Wurz, "nicht nur wegen Eau Rouge und des extremen Wetter. Die Strecke ist eine der größten Herausforderungen der modernen Formel 1. Wenn sich Streckenarchitekt Hermann Tilke heute in den Kopf setzen würde, so eine Strecke zu bauen, hätte er Pech gehabt - die FIA lässt beispielsweise solche Kompressionen gar nicht mehr zu."

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