DEL-Vorschau 2018/19: Die Adler im kicker-Check

Auf Titeljagd: Gross' Ära in Mannheim beginnt

Eishockey - 11.09. 11:56

Seit zwei Jahrzehnten gehören die Adler Mannheim zu den finanziell am besten aufgestellten DEL-Klubs. Doch während Berlin und zuletzt München in dieser Zeit Titel in Serie gewannen, deckten sich Anspruch und sportliche Realität in der Kurpfalz nur phasenweise. Nun starten die Adler mit dem langjährigen Wolfsburger Coach Pavel Gross einen neuen Angriff auf die Meisterschaft. Die Adler im kicker-Check . . .

Peilt mit Mannheim seinen ersten DEL-Titel an: Der neue Adler-Coach Pavel Gross. © picture alliance

Zu- & Abgänge: Der neue Star ist der Trainer. Gross schaffte es mit erstaunlicher Konstanz, die in Sachen Etat nicht auf ähnlichem Niveau wie die Kurpfälzer operierenden Grizzlys Wolfsburg siebenmal in den letzten acht Jahren unter die besten Vier zu bringen - und davon dreimal sogar bis ins Finale (2011, 2016, 2017). An seiner alten Wirkungsstätte als Spieler (1993-1999) peilt Gross in Mannheim nun unter ganz anderen Voraussetzungen seinen ersten DEL-Titel als Coach an.

Vor allem in der Abwehr wird die Handschrift des neuen Coaches bereits sichtbar. In Joonas Lehtivuori (30), Brendan Mikkelson (31) und dem einstigen deutschen Meister mit den Eisbären Berlin (2013), Mark Katic (29), verpflichteten Gross und der neue Manager Jan-Axel Alavaara, der einst noch unter Gross in Wolfsburg spielte, drei für DEL-Verhältnisse äußerst namhafte Spieler. Obwohl erst 17 Jahre alt, könnte auch der hochveranlagte und für den Draft 2019 bereits im Fokus der NHL stehende Moritz Seider schon in seinem ersten DEL-Jahr für Furore sorgen.

Auch, weil viele Spieler noch über eine längere Vertragslaufzeit verfügten, fiel der Umbruch im Angriff etwas kleiner aus. Mit Ben Smith (30), der zuletzt als Kapitän mit den Toronto Marlies (AHL) den Calder Cup gewann, Neu-Nationalspieler und Nordamerika-Rückkehrer Markus Eisenschmid (23), aber auch Power Forward Tommi Huhtala (30) aus Finnland hieß dennoch auch im Sturm das Motto: klotzen statt kleckern.

Stärken & Schwächen: Schwächen? Zumindest auf dem Papier ist der Mannheimer Kader in Sachen Qualität und Tiefe exzellent aufgestellt. Aufgrund der neuen U-23-Regelung, die es verlangt, dass für die volle Ausschöpfung der Kaderstärke von 19 Feldspielern, einer dieser Akteure Jahrgang 1996 oder jünger sein muss, steht Gross bei gesundem Kader indes vor einem Luxusproblem: Denn Spieler wie die Neuzugänge Nico Krämmer oder Eisenschmid, Routinier Brent Raedeke oder sogar Kapitän Marcus Kink drohen zwei Plätze auf der Tribüne. Gleiches gilt für Nationalspieler Sinan Akdag oder Neuzugang Cody Lampl in der Abwehr.

Tatsächlich gibt es dennoch ein Manko im Kader: Denn die Torhüterposition fällt ab, auf der Dennis Endras (33) zuletzt längst nicht mehr die Sicherheit ausstrahlte wie zu seinen besten Zeiten Anfang und Mitte der 2010er Jahre. Und auch Nummer zwei Chet Pickard (28) sorgte in seinem ersten Jahr bei den Adlern nicht für mehr Stabilität.

kicker-Tipp: Noch sind die Adler nicht zu 100 Prozent Gross' Team. Wenn sich die Spieler jedoch, ähnlich wie in Wolfsburg, voll auf den auf Disziplin und Kompaktheit setzenden Kurs des neuen Coaches einlassen, sind die Adler schon 2018/19 neben München der heißeste Titelkandidat.

Joachim Meyer

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