DEL 2018/19, Vorschau: Die Außenseiter

Außenseiter im kicker-Check: Von Schwenningen bis Krefeld

Eishockey - 10.09. 09:40

Die Schwenninger Wild Wings hoffen nach Platz zehn erneut auf eine Überraschung, bei den Iserlohn Roosters und Krefeld Pinguinen wurde der Kader kräftig umgebaut, die Augsburger Panther verloren zwei Leistungsträger an die zahlungskräftigere Konkurrenz. Die Außenseiter im kicker-Check.

Schwenninger Wild Wings: Finnische Exklave wächst weiter

Schwenningen, Iserlohn, Augsburg, Krefeld: Welcher der Außenseiter kann in der kommenden Saison überraschen? © imago

Erstmals seit der DEL-Rückkehr 2013 gelang den Schwenninger Wild Wings in der vergangenen Saison der Sprung unter die besten Zehn, auch wenn in der Qualifikationsrunde das schnelle Aus in zwei Spielen gegen Wolfsburg kam. Bis auf wenige Ausnahmen konnte Manager Jürgen Rumrich den bislang erfolgreichsten Kader seiner Amtszeit zusammenhalten, ein Abgang allerdings wog besonders schwer: Mit Will Acton verließ der mit großen Abstand beste Scorer das Team vom Neckarursprung. Der Mittelstürmer wechselte trotz eigentlich noch bis 2019 datiertem Kontrakt nach Nürnberg. Daneben kehrte der französische Nationalspieler Damien Fleury in seine Heimat nach Grenoble zurück.

Während die drittbeste Defensive der DEL 2017/18 (nach München und Nürnberg) mit Ausnahme von Talent Tim Bender (ebenfalls nach Nürnberg) - inklusive Topkeeper Dustin Strahlmeier - in exakt gleicher Besetzung erhalten bleibt, hofft Rumrich, Actons Abgang mit noch mehr Tiefe im Angriff kompensieren zu können. Der aus Finnland in die DEL gewechselte Philip McRae (28) soll Acton auf der Center-Position zumindest annähernd ersetzen.

Der junge Lette Rihards Bukarts (22) machte zuletzt als Nachverpflichtung der Eisbären Berlin in den Play-offs auf sich aufmerksam und geht für Schwenningen nun in seine erste DEL-Saison. Der routinierte Zwei-Wege-Stürmer Ville Korhonen (31) vergrößert das finnische Lager in Schwenningen auf nunmehr vier Spieler, zuzüglich Co-Trainer Petteri Väkiparta und Torhütertrainer Ilpo Kauhanen.

kicker-Tipp: Die Eingespieltheit und defensive Stabilität dürfte aus dem Team von Ex-Bundestrainer Pat Cortina erneut einen unangenehmen Gegner machen. Mit Acton allerdings verlor die schwächste Offensive der vergangenen Saison ihre stärkste Waffe. Nur, falls McRae, Korhonen und Bukarts die Erwartungen erfüllen, oder vielleicht sogar übertreffen, ist eine Wiederholung des Vorjahreserfolgs möglich.

Iserlohn Roosters: Hoffnungsträger Matsumoto

Königstransfer: Jon Matsumoto (hier noch im Trikot von Red Bull München) soll die Iserlohn Roosters verstärken. © imago

Nur knapp verpassten die Iserlohn Roosters in der vergangenen Saison als Achter den direkten Play-off-Einzug. In der Qualifikationsrunde kam dann das Schnelle Aus gegen die Fischtown Pinguins. Das Gesicht des Teams hat sich im Sommer indes grundlegend verändert, denn mit Chris Brown (Nürnberg), Jason Jaspers (derzeit auf Tryout-Basis in Berlin), Blaine Down (Villach), Chad Costello (Krefeld) und Jack Combs (noch ohne neuen Verein) verließen die Sauerländer die fünf besten Scorer der Vorsaison. In der Defensive gingen mit dem norwegischen Nationalspieler Alexander Bonsaksen, der nach Finnland wechselte, und den beiden Schweden Johan Larsson und Oscar Eklund alle drei Importspieler.

Der Königstransfer des Sommers war zweifellos die Verpflichtung von Jon Matsumoto, der mit dem EHC Red Bull München zuletzt zweimal in Serie Meister wurde. Womöglich geht der 31-jährige Spielmacher aufgrund deutscher Vorfahren am Seilersee sogar schon bald mit einem deutschen Pass auf Punktejagd. Ebenfalls spielstark ist der aus Augsburg verpflichtete Center Evan Trupp.

In Deutschland noch unbeschriebene Blätter ist der Deutsch-Kanadier Michael Clark, aber auch Außenstürmer Jordan Smotherman. Letzter hatte den Roosters schon im vergangenen Jahr zugesagt, dann aber aufgrund Problemen mit dem Herzen passen müssen, ehe er die Saison in der ECHL beendete. In der Abwehr holte Manager Karsten Mende mit Dylan Yeo einen torgefährlichen Abwehrspieler aus Straubing, der zweite Importspieler Daine Todd spielte in den vergangenen vier Jahren in den besser als die DEL einzuschätzenden SHL und KHL.

kicker-Tipp: Trotz ein paar kleinen Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt (Matsumoto, Yeo) - vor allen Dingen in der Breite fehlt es den Roosters an Qualität, um mit den etatmäßig besser aufgestellten Mannschaften der DEL zu konkurrieren. Iserlohn verpasst die Qualifikationsrunde für die Play-offs diesmal knapp.

Augsburger Panther: Kadertiefe als Problem

Topscorer: Augsburgs Drew LeBlanc. © imago

Nach Platz sechs in der Saison 2016/17 stürzten die Augsburger Panther in der vergangenen Spielzeit 2017/18 mit 22 weniger geholten Punkten auf Platz zwölf ab und verpassten damit selbst die Qualifikationsrunde für die Play-offs deutlich. Im Sommer musste der AEV nun auch noch ein paar schmerzhafte Abgänge verkraften: So wechselte Torjäger Trevor Parkes zu Serienmeister München, Offensivverteidiger Mark Cundari unterschrieb bei Vize-Meister Eisbären Berlin. Immerhin gelang es Sportdirektor Duanne Moeser, Topscorer Drew LeBlanc und mit Matt White, Brady Lamb und Scott Valentine weitere Schlüsselspieler zu halten.

Bei den Neuzugängen stechen drei Namen heraus: Patrick McNeill, Matt Fraser und Christoph Ullmann. Verteidiger McNeill (31), der 2015/16 noch auf 39 Punkte gekommen war, wurde nach einer durchwachsenen letzten Saison vom ERC Ingolstadt trotz noch laufendem Vertrag ziehen gelassen. Außenstürmer Matt Fraser (28) verfügt über die Erfahrung von fast 100 NHL-Spielen, Ex-Nationalspieler Ullmann (35) möchte wieder bei den Panthern wieder mehr Verantwortung übernehmen als er es zuletzt in Mannheim durfte. Für die aus der AHL verpflichteten Sahir Gill (26) und Adam Payerl (27) ist Augsburg die erste Europastation.

kicker-Tipp: Die Fragezeichen im AEV-Kader sind aufgrund der prominenten Abgänge nicht kleiner geworden. Vor allem in punkto Kadertiefe sind die Panther sehr dünn aufgestellt. Platz zehn wird daher erneut verpasst.

Krefeld Pinguine: Problemfeld Defensive

Neu in Krefeld: Brandon Reid geht in seine erste DEL-Saison als Coach. © imago

Stehen die Krefeld Pinguine vor einem größeren Umbruch hin zu größeren Investitionen in den Kader? Zumindest lassen Äußerungen des KEV-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Schulz, die dieser vor wenigen Tagen anlässlich des Einstiegs von Mikhail Ponomarev als Gesellschafter getätigt hatte, darauf schließen. Denn Schulz hatte in der Pressemitteilung des deutschen Meisters von 2003 davon gesprochen, künftig gemeinsam mit dem russischen Geschäftsmann "vergangene Erfolge wiederholen" zu wollen. Die jüngere Vergangenheit indes hieß Platz 14, die Gegenwart ist ein Kader, in dem von den besten neun Scorern 2017/18 einzig Nationalspieler Daniel Pietta in Krefeld blieb. Insbesondere der Wechsel von Marcel Müller (Köln) hinterließ eine große Lücke.

Der ehemalige DEL-Stürmer Brandon Reid, der zuletzt in Dänemark coachte, geht in seine erste DEL-Saison als Trainer. Unerfahrenheit in der DEL herrscht auch in der Defensive vor, zumal die drei verpflichteten Importspieler Phillip Bruggisser (27), Martin Lefebvre (26) und Garrett Noonan (27) in ihrer Karriere allesamt in unterklassigen Ligen spielten.

Im Angriff hofft man darauf, dass Jacob Berglund und Chad Costello bei ihren zweiten DEL-Stationen durchstarten. Der Russe Kirill Kabanov (26), der einst als NHL-Kandidat galt, spielte schon in Aalborg unter Reid. Ebenfalls eins im Draft der NHL ausgewählt wurden der Deutsch-Kanadier Travis Ewanyk (25) und der Deutsch-Amerikaner Vinny Saponari (28), die jeweils in ihr erstes Jahr in Deutschland gehen.

kicker-Tipp: Zumindest die Offensive des KEV verfügt auf dem Papier über einiges Talent und Spielstärke. Die Defensive allerdings, die schon in der vergangenen Saison mit 177 Gegentoren (gemeinsam mit Straubing) die schwächte der DEL gewesen war, erscheint erneut als die große Schwachstelle. Daher bleibt Platz zehn vorerst außer Reichweite.

jom

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