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06.06.2018, 09:21

Stanley-Cup-Finale: Washington sieht Rot

"Sie machen Show, wir spielen Eishockey"

Die Washington Capitals haben bereits eine Hand am Stanley Cup. In der Final-Serie liegen die Caps mit 3:1 gegen die Vegas Golden Knights in Führung und benötigen nur noch einen Sieg zum ultimativen Ziel. Die ganze US-Hauptstadt sieht Rot und peitscht das Team geschlossen nach vorne. Die Straßen sind derart überfüllt, dass selbst so mancher Eishockey-Spieler mit der U-Bahn zum Spiel anreist.


Aus Washington berichtet Christian Rupp

Laut wie ein Presslufthammer: In der Capital One Arena sorgen Washingtons Fans für ordentlich Dezibel.
Laut wie ein Presslufthammer: In der Capital One Arena sorgen Washingtons Fans für ordentlich Dezibel.
© imagoZoomansicht

Die Capital One Arena ist in diesen Tagen das Herz der Hauptstadt. Schon Stunden vor dem Spiel zieht die 18.500 Zuschauer fassende Arena die Eishockey-Fans an wie ein Magnet. Der Komplex, der neben den Capitals auch noch NBA-Klub Washington Wizards und das Arena-Football-Team Washington Valor beheimatet, steht inmitten von anderen Hochhäusern in der Innenstadt, unweit des Capitols. Schon zwei Blocks vor dem Stadion nimmt die Fan-Dichte merklich zu. Dies ist leicht zu erkennen: Alle, die es mit Washington halten, sind in Rot gekleidet, tragen entweder das Heimtrikot oder entsprechende Shirts, Kappen und Ketten. Ein Junge mit Vereins-Sonnenbrille hat sich einen aufblasbaren Stanley-Cup unter den Arm geklemmt und skandiert immer wieder "We want the Cup" ("Wir wollen den Pokal"). Auf der anderen Straßenseite stimmt ein Mann direkt mit ein. Er leuchtet wie eine Glühbirne, denn er hat sich sein Gesicht samt Glatze rot angemalt.

Die Fan-Ströme treffen sich schließlich unmittelbar vor der Arena und münden dort in ein rotes Meer. Nicht alle haben ein Ticket für das Spiel, aber es gibt auch ein Public Viewing auf riesigen LED-Wänden, in Kneipen und auf Dächern. Vor dem Smithonian American Art Museum wurde zudem eine Bühne aufgebaut. Die Musiker Sting und Shaggy sorgen für Unterhaltung und präsentieren ihr brandneues Album live.

Oshie kommt mit der U-Bahn

Die Sehnsucht nach dem Stanley Cup ist groß. Erstmals seit 20 Jahren stehen die Capitals wieder im Finale. Damals gelang kein einziger Sieg (0:4 gegen die Detroit Red Wings). Das hatte sich durch einen Auswärtserfolg in Vegas bereits geändert. "Es ist viel Stolz in D.C. und der Umgebung. Wir haben es zusammen hierher geschafft", betont Caps-Coach Barry Trotz und verweist auf den Schulterschluss mit dem eigenen Anhang. "Es ist klasse, die Stadt so zu sehen. Die Fans sind phänomenal und geben uns so viel Energie", unterstreicht auch Goalie Braden Holtby. "Die ganze Stadt ist mit an Bord. Wir wollen Geschichte schreiben", ergänzt Stürmer T.J. Oshie.

Leichtfüßig: T.J. Oshie geht ohne Probleme an Colin Miller vorbei.
Leichtfüßig: T.J. Oshie geht ohne Probleme an Colin Miller vorbei.
© imago

Oshie suchte wie kein anderer Spieler die Nähe zu den Fans. Vor beiden Heimspielen reiste er zusammen mit Verteidiger Matt Niskanen mit der U-Bahn an, um das Verkehrschaos zu umgehen. "Wir haben uns gedacht, dass es wohl schwer werden würde, mit dem Auto zu kommen und herausgefunden, dass es mit der Metro schneller geht und einfacher ist", erklärte Oshie, der im Anzug kaum zu übersehen war. "Wir sind einfach mit den Fans zur Arena marschiert. Es war cool und hat Spaß gemacht. Die Fans waren ganz aufgeregt, aber auch respektvoll und haben uns viel Glück gewünscht." Ein wenig Aufregung erlebte der Angreifer dann auch selbst. "Jemand, den ich nicht nennen möchte, hat mir seine Metro-Karte gegeben, es waren aber nur noch 23 Cent darauf", grinste Oshie schelmisch.

Wie ein Presslufthammer

Die Farbe Rot ist dann auch in der Arena omnipräsent: Auf allen Sitzen liegen rote Play-off-Handtücher und Styroporstangen bereit, die per Knopfdruck rot blinken. Insgesamt bieten die Capitals deutlich weniger Entertainment als der Kontrahent aus Las Vegas. Bei den Video-Einspielern setzt Washington eher auf Tradition, zeigte die jugendlichen Gesichter seiner Spieler beim Draft und blendete dann zu den kantigen und bärtigen Männer-Mienen über, die in den Play-offs für Furore gesorgt hatten. Die "Starting Six" werden von einem langjährigen Dauerkarten-Inhaber vorgelesen und nicht wie bei den Golden Knights vom legendären Box-Ringsprecher Michael Buffer. "Die machen ihre Show, wir spielen Eishockey", sagt der deutsche Backup-Goalie Philipp Grubauer süffisant.

Wir können die Zuschauer spüren.Center Evgeny Kuznetsov

Laut ist es aber auch in der Capital One Arena. Zwar ist das Geräusche-Level etwas niedriger als bei Vegas, doch in den Spitzen ist es sogar schriller und erreicht mit 113 Dezibel die Lautstärke eines Presslufthammers. "Wir können die Zuschauer spüren", sagt Center Evgeny Kuznetsov. Sein russischer Landsmann und Superstar Alex Ovechkin schließt sich an: "Die Atmosphäre war klasse. Die ganze Stadt und die Fans sind gespannt." Und die Spieler ebenso: "Wir waren gespannt, vor ihnen zu spielen", so Verteidiger Michal Kempny. "Die Fans waren unglaublich."

Entfesselte Euphorie

Was in Washington allerdings auffällt, ist, dass es nach Gegentoren plötzlich erstaunlich still wird und zumindest für kurze Zeit eine regelrecht gruselige Stimmung herrscht. "Es gab in den letzten Jahren einfach zu viele Enttäuschungen", erklärt Eric, der seit 13 Jahren zu den Capitals geht, die sofort wiederkehrenden Zweifel, die bei der Anhängerschaft verankert sind. Allerdings wissen die Spieler auf dem Eis diese immer wieder schnell zu zerstreuen: In beiden Final-Heimspielen ließen die Caps nur drei Gegentreffer zu und schossen vorne satte neun Tore. Das 3:1 in Spiel 3 sowie das 6:2 in Spiel 4 bedeuteten die ersten Stanley-Cup-Final-Heimsiege in der Franchise-Geschichte der Hauptstädter.

Statt Stille herrscht also vor allem grenzenloser Jubel. Statt Zweifel entfesselte Euphorie. Washington führt in der Final-Serie mit 3:1 und hat damit bereits eine Hand am Stanley Cup. Nach dem Doppelsieg stand nicht nur die Arena Kopf, sondern auch tausende Fans auf den Straßen in der Hauptstadt. Auch für die Zuschauer im Stadion war Letzteres ein eher ungewohntes Schauspiel. Viele Caps-Anhänger kämpften um einen Platz an der gläsernen Fassade, um ein Foto vom roten Treiben vor dem Stadion schießen zu können. Doch noch während der Auslöser gedrückt wird, stimmten sie schon wieder in einen nun pausenlos vorgetragenen Schlachtruf mit ein: "We want the cup!"

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