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04.10.2017, 19:14

Eastern Conference: Die Titelkandidaten im kicker-Check

Ein dezimierter Meister und hungrige Verfolger

Dass Erfolg in Zeiten des Salary Caps eine Kehrseite hat, mussten Stanley-Cup-Champion Pittsburgh und Presidents' Trophy-Gewinner Washington im Sommer erfahren. Die hungrigen Herausforderer Columbus und Tampa Bay setzen dagegen auf noch mehr (verletzungsfreies) Offensivtalent, Toronto auf die Euphorie um eine Schar an hochtalentierten Jungstars. Die Titelkandidaten im Osten im kicker-Check...

Washington: Schließt sich das Titelfenster für Ovechkin & Co.?

Kommen & Gehen: Wohl keine Mannschaft musste im Sommer einen derartig großen Substanzverlust hinnehmen wie die Capitals. Mit Karl Alzner, Kevin Shattenkirk und Nate Schmidt verloren die US-Hauptstädter nicht nur die Hälfte der Stammabwehr, sondern auch zwei der besten sechs Scorer in Marcus Johansson und Justin Williams. Der aufstrebende Schmidt ging im Expansion Draft an Vegas verloren, Alzner (Montreal), Shattenkirk (Rangers) und Williams (Carolina) unterschrieben bei der Konkurrenz im Osten neue Verträge. Johansson tauschte General Manager Brian MacLellan nach New Jersey.

Alex Ovechkin
Neuer Anlauf mit etwas weniger Gewicht: Alex Ovechkin.
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Die Personalflucht hatte allerdings wenig mit dem erneuten vorzeitigen Play-off-Aus gegen Pittsburgh zu tun, sondern damit, dass MacLellan unter dem Salary Cap Freiräume schaffen musste, um mit Evgeny Kuznetsov (25; unterschrieb für acht Jahre), T.J. Oshie (30; acht Jahre) und Offensivverteidiger Dmitry Orlov (26; sechs Jahre) langfristig verlängern zu können. Für qualitativ hochwertigen Ersatz für die Abgänge war dementsprechend kein Platz. So kamen mit Devante Smith-Pelly (25) und Tyler Graovac (24) lediglich zwei Free Agents für die Tiefe im Sturm. Eigene Talente wie Stürmer Jakub Vrana (21) oder Verteidiger Christian Djoos (23) sollen in die entstandenen Lücken hineinwachsen.

Stärken & Schwächen: Mit 263 Treffern erzielte Washington im vergangenen Jahr die zweitmeisten Tore im Osten nach Champion Pittsburgh, nur 182 Gegentore waren die mit Abstand wenigsten in der NHL. Bei den Special Teams gehörte Washington ebenfalls zu den besten Teams. Auch nach dem personellen Aderlass verfügt Coach Barry Trotz, der als einer der besten seiner Zunft gilt, mit Alex Ovechkin, Oshie und zwei der besten Spielmacher der Liga in Nicklas Bäckström und Kuznetsov über herausragendes Spielermaterial im Angriff. Mit Braden Holtby steht eine Weltklassekeeper im Tor, dem der Deutsche Philipp Grubauer als Nummer zwei immer näherkommt. In der Defensive davor allerdings schmerzen die Abgänge sehr. Denn hinter Orlov, John Carlson und Matt Niskanen wird ein großer Qualitätsabfall ersichtlich: Djoos ist NHL-Neuling, Taylor Chorney (30) oder Aaron Ness (27) schafften nie den Sprung zu einer Stammkraft in der Liga.

kicker-Tipp: Nach dem vergeblichen Großangriff auf den Titel im Frühjahr ist zumindest der Druck vor der Saison 2017/18 nun geringer. Dabei sind die Capitals in einer ähnlichen Situation wie Pittsburgh vor zwei Jahren. Sollte der kleine personelle Umbruch gelingen, könnte Washington wieder vorne mitspielen; können Johansson, Alzner & Co. nicht adäquat ersetzt, könnte selbst die Play-off-Teilnahme in Gefahr geraten.

Columbus: Mit Panarin in Richtung Conference-Spitze

Artemi Panarin
Der neue Stürmerstar in Columbus: Artemi Panarin.
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Kommen & Gehen: Der wohl spektakulärste Tausch des Sommers brachte den Blue Jackets mit Artemi Panarin (25) einen hochtalentierten Stürmer ein, der in Chicago an der Seite von Patrick Kane brilliert hatte. Im Gegenzug ging Brandon Saad zurück zu den Blackhawks. Mit Sam Gagner, der in limitierter Rolle in der vierten Reihe auf satte 50 Scorerpunkte gekommen war, ging ein weiterer Stürmer nach Vancouver. Center William Karlsson wurde von Vegas im Expansion Draft ausgewählt. Neben Panarin sollen mit dem Dänen Oliver Bjorkstrand (22), Sonny Milano (21) und Pierre-Luc Dubois (19) gleich drei Youngster aus den eigenen Reihen in der Offensive Tempo und Durchschlagskraft erhöhen. Gabriel Carlsson (20) das nächste junge Projekt in einer ohnehin schon starken und mobilen Defensive. Mit Ausnahme der Reservestürmer Zac Dalpe (26) und Jordan Schroeder (27), die beide aus Minnesota kamen, verzichtete General Manager Jarmo Kekäläinen auf Neue vom Free-Agent-Markt. Zwei Tage vor dem Saisonstart endete der Vertragsstreit mit Josh Anderson (23) mit einem neuen Dreijahresvertrag für den robusten Angreifer.

Stärken & Schwächen: Als einziges NHL-Team neben Washington (182) kassierte Columbus 2016/17 mit nur 195 weniger als 200 Gegentore. Ein Verdienst nicht nur von Nummer eins Sergei Bobrovsky im Tor, sondern auch des Defensivsystems von Coach John Tortorella und der - obgleich noch recht jungen - hochkarätig besetzten Defensive um Zach Werenski und Seth Jones. In der Offensive, die dank ausgeglichener Besetzung immerhin 249-mal traf, fehlte es zuletzt an Spielern, die Spiele im Alleingang entscheiden können. Mit dem technisch hochveranlagten Russen Panarin steht indes nun Akteur in den Reihen der Blue Jackets, der das Zeug dazu hat, in Ohio endgültig zu einem Topstar in der Liga zu werden.

kicker-Tipp: Die Blue Jackets haben ihren Zenit noch längst nicht erreicht und in der Offensive noch einmal an Talent gewonnen. Finden sich Panarin oder auch Dubois schnell in Columbus zurecht, ist womöglich mehr als nur Play-offs drin.

Tampa Bay: Titelambitionen mit gesundem Stamkos

Nikita Kucherov (li.), Steven Stamkos
Mit Tampa auf dem Weg zurück an die Spitze? Nikita Kucherov (li.) und Steven Stamkos.
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Kommen & Gehen: Mit dem Tausch von Jonathan Drouin nach Montreal für Mikhail Sergachev (19) tätigte General Manager Steve Yzerman einen Transfer, der dem zwischen Columbus und Chicago nur wenig nachstand. Mit dem russischen Abwehrspieler erhielt Tampa eines der größten Abwehrtalente der Welt. Durch Routinier Dan Girardi (33), dessen Vertrag bei den Rangers aufgelöst worden war, stärkte Yzerman die Defensive weiter. Neben Drouin fielen auf der Seite der Abgänge einzig Brian Boyle (New Jersey) und Jason Garrison (im Expansion Draft nach Vegas) ins Gewicht. Auf den Abgang der beiden erfahrenen Akteure reagierte der Lightning mit der Verpflichtung des 38-jährigen Chris Kunitz, der der einzige noch aktive NHL-Spieler ist, der bereits viermal den Stanley Cup gewann. Vor seinen drei Titeln mit Pittsburgh (2009, 2016, 2017) hatte Kunitz bereits 2007 mit Anaheim triumphiert.

Stärken & Schwächen: Ein Sieg fehlte Tampa im vergangenen Jahr zum Play-off-Einzug nach einer Saison, die vom Verletzungspech geprägt war. Kein einziger Spieler im Kader konnte alle 82 Hauptrundenspiele absolvieren. Kapitän Steven Stamkos kam nach schwerer Knieverletzung auf nur 17 Einsätze, Ryan Callahan lediglich auf ein Spiel mehr. In Bestform ist die Mannschaft von Coach Jon Cooper dank großer Laufstärke, Disziplin und einer ganzen Reihe von exzellenten Kreativkräften wie Topscorer Nikita Kucherov, Tyler Johnson oder Brayden Point dazu in der Lage, kaum zu stoppendes Offensiveishockey zu bieten. Mit Victor Hedman steht zudem ein Weltklasseverteidiger zur Verfügung. Im ersten vollen Jahr nach Ben Bishop (nun Dallas) lastet auf dem hochtalentierten erst 23-Jährigen Andrei Vasilevsky nun die volle Last einer Nummer eins.

kicker-Tipp: Bleibt dem Lightning eine ähnliche Verletzungsserie wie 2016/17 erspart, ist das Erreichen der Play-offs eine Selbstverständlichkeit - zu stark und tief ist der Kader besetzt. Selbst der erneute Gewinn der Eastern Conference - drei Jahre nach dem verlorenen Finale gegen Chicago - ist nicht ausgeschlossen.

Toronto: Generation Matthews weckt große Träume

Auston Matthews
Neuer Volksheld in Toronto: Auston Matthews.
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Kommen & Gehen: Die aufstrebenden Maple Leafs verloren im Sommer keinen einzigen Schlüsselspieler. Die einzigen Stammspieler, die den Klub verließen, waren Abwehrspieler Matt Hunwick (Pittsburgh) und der erst nachverpflichtete Brian Boyle (New Jersey). Die spektakulärste Neuverpflichtung ist zweifellos Patrick Marleau. Im Alter von 38 Jahren verließ der Stürmer San Jose nach 20 Jahren, um in Toronto das große Ziel Stanley-Cup-Sieg weiterzuverfolgen. Als frisch gebackener Meister kam Ron Hainsey (36) aus Pittsburgh als einer Art Mentor für die noch junge Abwehr.

Als Ersatz für Boyle als erfahrener Center der vierten Reihe kam Dominic Moore (37) aus Boston. Aber auch der aus der KHL verpflichtete Miro Aaltonen (24), der nach starkem Camp zunächst in der AHL startet, könnte auf dieser Position im Saisonverlauf zum Zug kommen. In der Defensive schaffte es mit Andreas Borgman (22) ein Schwede nach starker Vorbereitung in den Kader. Der erfahrene Tscheche Roman Polak (31), dessen Vertrag nach Verletzungspause noch nicht verlängert wurde, trainiert vorerst weiter in Toronto mit.

Stärken & Schwächen: Die "Ahornblätter" sind neben den Edmonton Oilers das wohl spektakulärste junge Team der NHL - dank dem angehenden Superstar Auston Matthews, der in seinem Rookie-Jahr 2016/17 40 Tore erzielte hatte, und weiterer hochkarätiger junger Spieler wie Willie Nylander (21) und Mitch Marner (20) im Sturm oder Morgan Reilly (23) oder Nikita Zaitsev (25) in der Defensive. Das Powerplay war mit einer Erfolgsquote von 23,8 Prozent das zweitbeste der NHL. Das Toreverhindern war in der vergangenen Saison indes noch ein großer Schwachpunkt. 242 Gegentore in der Hauptrunde waren die mit Abstand meisten aller 16 Play-off-Teams. Mit leicht veränderter Besetzung mit Hainsey und Borgman, einem erneut guten Keeper Frederik Andersen, vor allem aber einem Jahr mehr Erfahrung für Rielly & Co. soll die Stabilität nun deutlich verbessert werden.

kicker-Tipp: Die Euphorie um die Maple Leafs und Matthews ist nach Jahrzehnten der sportlichen Bedeutungslosigkeit ist riesengroß. Der Traum vom ersten Titelgewinn seit 1967 ist lebendiger denn je. Ob es schon 2017 - nach 50 Jahren - wieder soweit ist? Anders als der Sprung unter die besten Teams der Eastern Conference wäre dies zumindest eine kleine Überraschung.

Pittsburgh: Der "Fluch" der Titel als Hattrick-Hinderungsgrund?

Tom Kühnhackl mit dem Stanley Cup in Landshut
Folgt für Tom Kühnhackl & Co. nach Cup-Sieg Nummer zwei auch Nummer drei?
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Kommen & Gehen: Wie bei Presidents' Trophy-Gewinner Washington war auch bei Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh der personelle Aderlass im Sommer enorm. Mit Nick Bonino (Nashville), Chris Kunitz (Tampa Bay), Matt Cullen (Minnesota), Ron Hainsey (Pittsburgh), Trevor Daley (Detroit) und nicht zuletzt Penguins-Urgestein Marc-André Fleury (Vegas) verlor Coach Mike Sullivan fast ein Drittel seines Meisterschaftsteams. Auch wenn der Kern an Starspieler um Sidney Crosby, Evgeni Malkin, Phil Kessel und Kristopher Letang erhalten blieb, verließ die Penguins viel Qualität und vor allem Erfahrung. Grund für die Verluste war vor allem der Sparzwang, um unter der Gehaltsobergrenze zu bleiben, weshalb nominell hochkarätiger Ersatz ebenfalls ausblieb.

Immerhin: Starverteidiger Letang ist nach verpasster zweiter Saisonhälfte 2016/17 beinahe wie ein Neuzugang einzustufen. Zudem konnte General Manager und Meistermacher Jim Rutherford aufgrund der Abgänge die Verträge der Abwehrstützen Justin Schultz und Brian Dumoulin verlängern. Im Tor kam mit dem ehemaligen Chicagoer Meisterkeeper Antti Niemi ein kostengünstiger Fleury-Ersatz. Im Sturm allerdings stehen als Neuzugänge lediglich Greg McKegg (25), der sich bislang noch nicht dauerhaft in der NHL durchsetzen konnte, sowie Rauhbein Ryan Reaves (30), den Rutherford für ein hohes Draft aus St. Louis verpflichtete, im Aufgebot. Die Suche nach einem Bonino-Ersatz verlief dagegen bislang im Sande.

Stärken & Schwächen: Wie kein anderes Team vermag es Pittsburgh seit der Amtsübernahme von Coach Sullivan, fast nach Belieben offensiven Druck zu erzeugen und Tore zu schießen, wenn es nötig ist. 282 erzielte Treffer distanzierten den zweitbesten Angriff der NHL, den der Minnesota Wild (266), im vergangenen Jahr deutlich. Die offensiven Abgänge um Bonino und Cullen, die die dritte und vierte Sturmformation als Center anführten, lassen die hinteren Reihen um Tom Kühnhackl nun allerdings sehr dünn aussehen. Zum Start fällt mit Patric Hörnqvist auch noch ein weiterer wichtiger Angreifer verletzungsbedingt aus. Schon besser sieht es dank dem wiedergenesenen Letang in der Verteidigung aus. Ein kleines Fragezeichen besteht nach dem Fleury-Abgang dagegen auch im Tor: Denn der erst 23-jährige Meistertorhüter Murray war in den beiden Titeljahren 2016 und 2017 jeweils phasenweise verletzt, Niemis Leistungen wiederum ließen in den letzten Jahren deutlich nach.

kicker-Tipp: Allen Unkenrufen zum Trotz schafften die Penguins dank Rutherfords Personalpolitik und Sullivans Offensivsystem den Cup-Sieg 2016 und - erstmals nach 20 Jahren in der NHL - im Frühsommer eine Titelverteidigung. Der Titelhattrick ist aufgrund der weiter vorhandenen Starpower zwar keineswegs ausgeschlossen, hängt aber wohl auch davon ab, ob Rutherford bei der Besetzung der noch vakanten Center-Position einmal mehr ein Coup gelingt.

Joachim Meyer

Sieben Legionäre in den USA auf dem Eis
Deutsche in der NHL: Ein Superstar, ein Doppelmeister, zwei Islanders
Tobias Rieder, Leon Draisaitl, Korbinian Holzer (v.li.)
Die Deutschen in der NHL

Sieben deutsche Spieler starten die Saison 2017/18 in der NHL. Neben Deutschlands Superstar Leon Draisaitl (Edmonton) gehört auch Korbinian Holzer mit Anaheim und natürlich Tom Kühnhackl mit Titelverteidiger Pittsburgh zum Kreis der Meisterschaftsanwärter. Ähnliches gilt für Philipp Grubauer in Washington. Dennis Seidenberg und Thomas Greiss hoffen auf eine Rückkehr in die Play-offs, Tobias Rieder ist beim jüngsten Team der Liga schon als Führungsspieler gefordert.
© picture alliance (2)/Getty Images

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