Thomas (36), nur einer von zwei US-Amerikanern im Meisterteam, dem auch der Deutsche Dennis Seidenberg angehört, hatte sich gegen einen Besuch im Weißen Haus entschieden. Via Facebook ließ der Goalie wissen: "Die Dinge hier in diesem Land sind durch die Regierung des Landes außer Kontrolle geraten, Grundrechte wie die Freiheit der Menschen sind in Gefahr. Die Exekutive, Legislative und Judikative haben dies verursacht. Das entspricht nicht unserer Verfassung und der Vision unserer Gründerväter."
Thomas fuhr fort, dass er mit dem Verweigern des Besuchs beim Präsidenten seine Rechte als freier US-Bürger wahrnehme. "Mir geht es nicht um Politik oder Parteien - meiner Meinung nach sind beide Lager für die Zustände in diesem Land verantwortlich." Weitere Stellungnahmen werde der Schlussmann nicht abgeben.
Sein Klubchef Cam Neely nahm ihn in Schutz. "Jeder hat das Recht auf seine Meinung, er hat sich entschieden, nicht mit uns zu kommen. Wir hätten ihn gerne dabei gehabt." Der Besuch bei Präsident Obama sei dennoch aus Sicht der Bruins etwas Ehrenvolles gewesen. "Es war ein toller Tag und ein perfekter Weg, unser erreichtes Ziel der letzten Saison zu krönen. Wir werden das nie vergessen." Die Ansicht ihres Torhüters teilen die Bruins nicht, weitere Kommentare werden auch sie nicht abgeben.
Obama, der den Champion auch für seine Charity-Aktivitäten ehrte, richtete dennoch lobende Worte an den abwesenden Bruins-Star. "Der Stanley-Cup wurde durch die Abwehr gewonnen, Tim Thomas hat zwei Shutouts in den Play-offs geschafft. Er ist erst der zweite US-Amerikaner jemals, der Stanley-Cup-MVP wurde."
Der Titelgewinn der Bruins setzte eine Reihe von Meisterschaften von US-Profiteams aus Boston fort. Zuvor hatten schon die Celtics (NBA, 2008), die Red Sox (Major League Baseball, 2007) und die New England Patriots (NFL, 2005) große Titel gefeiert. Die Patriots können in zwei Wochen im Super Bowl gegen die New York Giants abermals triumphieren. Chicago-Bulls-Fan Obama süffisant: "Die Bruins, die Celtics, jetzt wieder die Patriots - genug jetzt, Boston!"

Während Ost-Spitzenreiter Boston also spielfrei war, feierte sein West-Pendant Detroit den 17. Heimsieg in Reihe - das ist die längste Serie in der NHL seit 36 Jahren. Die Red Wings bezwangen den West-Vierten St. Louis mit 3:1, begünstigt durch zwei Strafzeiten aus Sicht der Blues zur Unzeit.
Pavel Datsyuk glich im zweiten Abschnitt in Überzahl aus, Niklas Kronwall besiegelte den Sieg spät im dritten Drittel. "Wir sind ruhig geblieben", sagte Torwart Jimmy Howard, der dank 21 Saves seinen 30. Saisonsieg feiern konnte (NHL-Bestwert). Insgesamt hat Detroit sieben in Folge gewonnen und ist mit 67 Zählern bestes Team der Liga. "Gewinnen wird niemals langweilig werden", sagte Howard. Noch drei Heimsiege - und Detroit hält den Ligarekord von 20, den die Boston Bruins in der Saison 1929/30 aufstellten und den die Philadelphia Flyers 1976 egalisierten.
Aus deutscher Sicht gab es am Montag einen Verlierer. Torhüter Thomas Greiss unterlag mit den San Jose Sharks überraschend bei den Edmonton Oilers mit 1:2 nach Penaltyschießen. Oilers-Goalie Devan Dubnyk parierte 44 Schüsse, Greiss - zum elften Mal im Einsatz - gelangen 17 Saves. Der Deutsche kassierte im Shootout zwei Treffer. Die Haie bleiben trotz der Niederlage an der Spitze der Pacific Division, Edmonton ist nach wie vor zweitschlechtestes Team der Liga.
Toronto Maple Leafs - New York Islanders 3:0, Carolina Hurricanes - Winnipeg Jets 2:1, Detroit Red Wings - St. Louis Blues 3:1, Nashville Predators - Columbus Blue Jackets 4:1, Edmonton Oilers - San Jose Sharks 2:1 n.P., Los Angeles Kings - Ottawa Senators 4:1