Auf Seiten der Canucks nahm Coach Alain Vigneault zwei Änderungen im Vergleich zum 1:0-Sieg in Spiel eins am Mittwoch vor. Verteidiger Dan Hamhuis, der sich bei einem Check gegen Bostons Milan Lucic selbst verletzt hatte, konnte nicht spielen und wurde durch Andrew Alberts ersetzt. Nach schwerer Augenverletzung kam zudem Center Manny Malhotra, der seit Mitte März nicht mehr gespielt hatte, zum Einsatz und ersetzte Alex Bolduc als Center der vierten Sturmreihe der Canucks. Bei den Bruins verzichtete Cheftrainer Claude Julien auf Umstellungen.
Zu Beginn der Partie hatte Boston etwas mehr vom Spiel und auch die etwas besseren Chancen. In der fünften Minute fiel der Puck plötzlich vor dem Tor der Canucks vor die Füße von David Krejci, der im Abschluss aber zu zögerlich war. Fünf Minuten später tauchte Michael Ryder halbrechts vor Roberto Luongo auf und schoss diesem die Maske vom Kopf, doch Vancouvers Schlussmann behielt trotzdem die Ruhe und die Scheibe fest (10.).
Kurz danach kassierte Bruins-Kapitän Zdeno Chara wegen Behinderung die erste Strafzeit von Spiel zwei, und die Canucks gingen prompt in Führung. Nach Ablage von Chris Higgins zog Alex Burrows von der linken Seite unvermittelt ab und überlistete damit Tim Thomas, dem die Scheibe unter der rechten Schulter durchrutschte (13.). In Spiel eins war Burrows noch durch einen Biss in den Handschuh an Patrice Bergeron negativ aufgefallen, die NHL verzichtete allerdings hinterher auf eine Sperre.
Im zweiten Abschnitt übernahm Boston zusehends die Kontrolle. Mark Recchi scheiterte im ersten Bruins-Powerplay der Partie noch an Luongo (23.), der wenig später auch gegen eine Direktabnahme von Krejci zur Stelle war (26.). Ausgerechnet der in Vancouver geborene und aufgewachsene Milan Lucic brach dann aber den Bann für die Neu-Engländer. Schön freigespielt vom agilen Krejci überwand der 22-Jährige Luongo flach durch die Schoner (30.). Und die Bruins blieben am Drücker. Nur zweieinhalb Minuten später fälschte Oldie Recchi in Überzahl einen Chara-Schlenzer ins rechte Toreck zur ersten Führung Bostons in der Finalserie ab (32.).
Erst jetzt erwachte Vancouver wieder. In der 34. Minute wollte Jannik Hansen schon jubeln, als er den Puck nach Querpass von Ryan Kesler aus kurzer Distanz einzuschießen versuchte, doch Thomas parierte mit einer sensationellen Parade geistesgegenwärtig. Zwei Minuten später war es Jeff Tambellini, der das leere Tor vor sich hatte, doch diesmal rettete Bruins-Kapitän Chara mit dem Stock gerade noch rechtzeitig (36.). Kurz vor Ende des zweiten Drittels klärte Thomas erneut stark gegen den durchgebrochenen Henrik Sedin, auf der Gegenseite schoss Chara nach dem anschließenden Break knapp über das Tor (38.).
Im dritten Durchgang präsentierten sich die Canucks wieder deutlich aktiver und machten viel Druck auf das Tor von Thomas. Zunächst musste Vancouver aber eine Schrecksekunde überstehen. Kevin Bieksa blieb in der 45. Minuten nach Rich Peverleys Stockschlag in die Beine des Abwehrspielers, der von Referees nicht bemerkt wurde, mit schmerzverzerrter Miene auf dem Eis liegen, konnte aber nach kurzer Pause weitermachen.
Die Canucks antworteten auf ihre Weise: Nachdem Sekunden zuvor noch Henrik Sedin an Thomas gescheitert war, traf Zwillingsbruder Daniel mit einem Abstauber noch in der gleichen Spielminute zum Ausgleich (50.). Die "Orcas" drückten weiter, vergaben jedoch eine Zwei-auf-Eins- und kurz darauf eine Drei-auf-Eins-Situationen recht leichtfertig (54., 55.). So ging es nach hart umkämpften 60 Minuten in die Overtime.
In der Verlängerung gelang es den Canucks, Boston ähnlich zu schocken wie schon in Spiel eins, als das entscheidende 1:0 durch Raffi Torres erst 19 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit gefallen war. Diesmal war es Burrows, der zum Helden wurde. Direkt nach dem Eröffnungsbully im Mitteldrittel von Alexander Edler und Daniel Sedin freigespielt, gewann der Außenstürmer zunächst ein Laufduell mit Chara, wurde aber von diesem und Keeper Thomas abgedrängt. Burrows blieb aber an der Scheibe. Und weil Thomas von seinem Kapitän leicht behindert wurde und so nicht rechtzeitig in sein Tor zurückkehren konnte, nutzte Burrows die Situation clever und schob den Puck - noch von fast hinter dem Gehäuse - zur 2:0-Serienführung für Vancouver über die Torlinie.
Nun geht es für die nächsten beiden Spiele nach Boston, wo Spiel drei in der Nacht von Montag auf Dienstag stattfinden wird (2 Uhr MESZ).
Tore: 1:0 Burrows (12:12), 1:1 Lucic (29:00), 1:2 Recchi (31:35), 2:2 D. Sedin (49:37), 3:2 Burrows (60:11)
Zuschauer: 18.860 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Dan O'Halloran, Kelly Sutherland
Strafminuten: Vancouver 6 - Boston 4
Vancouver:
Tor: Luongo
Abwehr: Edler, Salo; Rome, Bieksa; Alberts, Ehrhoff
Angriff: D. Sedin, H. Sedin, Burrows; Higgins, Kesler, Raymond; Torres, Lapierre, Hansen; Tambellini, Malhotra, Oreskovic
Trainer: Alain Vigneault
Boston:
Tor: Thomas
Abwehr: Chara, Seidenberg; Ference, Boychuk; Kaberle, McQuaid
Angriff: Lucic, Krejci, Horton; Marchand, Bergeron, Recchi; Ryder, Kelly, Seguin; Paille, Campbell, Peverley
Trainer: Claude Julien
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