Basketball-Superstar zu Besuch in Deutschland

Beleidigter James "möchte eine Generation anführen"

Basketball - 04.09. 16:54

Sein (Werbe-)Auftritt in Berlin sorgte bei vielen deutschen Basketball-Fans für helle Begeisterung; dass er sich gerne zu problematischen Themen der Öffentlichkeit äußert, gefällt in den USA längst nicht allen. Doch das ist NBA-Aushängeschild LeBron James, besonders nach einer öffentlichen Beleidigung, egal - er möchte nicht schweigen, sondern mehr sein als nur ein Athlet.

Ein Superstar zum Anfassen: LeBron James will andere Menschen inspirieren, es ihm gleichzutun. © imago

Es bedurfte nur vierer (sehr zwielichtiger) Worte, um das Feuer von James' selbsterklärtem "Streben", nur noch mehr zu entfachen. "Shut up and dribble", richtete "Fox"-Nachrichtensprecherin Laura Ingraham im Februar an die neue Attraktion der Los Angeles Lakers, die diese verbale Entgleisung für Positives nutzen will.

Auslöser war eine James-Kritik an US-Präsident Donald Trump, dem der konservative Sender "Fox" nahesteht, nannte Ingraham die Worte des Small Forward ignorant, zudem solle sich ein Großverdiener wie der 33-Jährige lieber nicht zu politischen Themen äußern. Wohlhabende Basketballstars sollten einfach schweigen und den Ball dribbeln, befand Ingraham, die sich danach selbst mit öffentlicher Kritik auseinandersetzen musste.

Eine Schule für benachteiligte Kinder

Dass seine Beliebtheit wegen seines Aktivismus sinken könnte, sei ihm egal, so der dreimalige NBA-Champion. Seine Antwort auf "shut up and dribble" lautet "more than an athlete", was James in einem Interiew mit Spox wie folgt erklärt: "Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich nicht in eine bestimmte Rolle oder Schublade zwängen zu lassen, sondern zu realisieren, dass man mehr sein kann. Aber das gilt für jede Person, egal ob Athlet oder nicht." Zuletzt hatte der Neu-Laker in seiner Heimatstadt Akron eine Grundschule für benachteiligte Kinder eröffnet. Im US-Wahlkampf sprach sich der 33-Jährige zudem für die Demokratin Hillary Clinton aus, regelmäßig kritisiert er den umstrittenen Trump: "Ich möchte inspirieren und eine Generation anführen."

"Glaube an etwas, auch wenn das heißen sollte, alles andere zu opfern"

Nike-Kampagne mit NFL-Spieler Colin Kaepernick

In seinem Kampf gegen Themen wie Polizeigewalt oder Gleichberechtigung von weißen und schwarzen Amerikanern ist James auch auf Athletenebene nicht allein. Auf seinem Instagram-Kanal teilte er zuletzt erfreut die Nachricht, dass der mehr oder weniger wegen seiner Hymnen-Protestbewegung ausgebootete American-Football-Spieler Colin Kaepernick das Gesicht der neuen Werbekampagne von Nike ist. "Glaube an etwas, auch wenn das heißen sollte, alles andere zu opfern", steht über Kaepernicks Konterfei, was darauf anspielt, dass der einst talentierte Quarterback seit seinen Protesten von NFL-Franchises gemieden wird. Auch von Trump musste sich der aktuelle Free Agent über die Jahre einige beleidigende Worte anhören.

Mit Schröder und Boateng für einen guten Zweck

Überlebensgroß: "King James inszeniert sich gerne selbst, will seine Bekanntheit aber auch für Andere nutzen. © imago

Die Vorbildfunktion, die er wegen seiner globalen Bekanntheit unweigerlich hat, nimmt "King James" gerne an: "Es freut mich, und es ist eine riesige Ehre, wenn einige Kollegen und Jugendliche mich als diese Figur sehen, an der sie sich orientieren können." Als diese Figur sahen LeBron auch einige deutsche Basketball-Fans bei seinem Besuch in Berlin. Mit dem deutschen NBA-Profi Dennis Schröder und Fußballnationalspielern um Jerome Boateng warf James am Sonntag unter anderem Körbe für einen guten Zweck. Zuvor hatte er Robert Hartings letztem Karriereauftritt im Olympiastadion beigewohnt. Seine Welttournee im Auftrag seines Ausrüsters Nike wird, mit Stationen wie Shanghai, Paris oder New York, in den nächsten Tagen fortgesetzt. Auf der James aber nicht nur seine persönlichen Interessen vertreten will.

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