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10.10.2017, 15:06

Trainer Ralph Junge zum Themenspektrum Euroleague bis Talentförderung

Final Four? "Bamberg an Grenzen, Bayern wird's schaffen"

Die BBL hat ihre ersten Spieltage absolviert, am Donnerstag legt auch die Euroleague wieder los. Meister Bamberg vertritt den deutschen Basketball einmal mehr auf höchster Ebene, doch zeichnet sich hierzulande derzeit ein Machtwechsel ab? Ralph Junge, seit vielen Jahren prägende Trainerfigur insbesondere in der Arbeit mit jungen deutschen Talenten, rechnet im Interview mit dem kicker vor allem mit den Bayern.

Ralph Junge
Fachmann, Visionär, Projektleiter: Ralph Junge kennt sich im deutschen Basketball aus.
© imagoZoomansicht

Junge (48) ist aktuell Trainer des ProA-Ligisten Nürnberg Falcons BC - und nach dem Ausstieg des alleinigen Gesellschafters auch Geschäftsführer der Franken. 1998 hatte er die Basketball-Akademie an der Urspringschule ins Leben gerufen und das Team Ehingen Urspring als Trainer bis in die zweithöchste deutsche Spielklasse geführt. Junge förderte zahlreiche deutsche Talente, darunter Nationalspieler wie Lucca Staiger oder Akeem Vargas.

kicker: Ralph Junge, erleben wir im deutschen Basketball gerade einen Machtwechsel, weil Uli Hoeneß sein Engagement noch einmal signifikant erhöht?

Ralph Junge (48): Die Bayern machen schon einen richtig guten Eindruck. Das wird natürlich schwierig für Bamberg, da dauerhaft dagegenzuhalten. Zumal die Euroleague eigentlich Bayern München will. Oder bestenfalls Alba Berlin, weil Bamberg in Istanbul oder Moskau als Gegner schwer zu vermarkten ist. Der Standort hat zwar Charme und hat Tolles geleistet, aber es geht in der Spitze vorrangig ums Geld. Und da liegt Bayern vorn. Bamberg wird auf Dauer an Grenzen stoßen, an denen Bayern einfach weitergehen kann.

Alba? "Früher konnten sie die Liga leerkaufen"

kicker: Was fehlt, um ein deutsches Team auf absehbare Zeit in den Final Four zu sehen?

Junge: Manchmal nur ein Tick Glück. Aber ich denke, Bayern wird es schaffen, weil sie als Verein gesund sind, weil bald die Red-Bull-Arena kommt. Das sind alles Schritte in diese Richtung. Bamberg hat diese Halle mit einer Kapazität von 10.000 nicht, die stoßen an Grenzen. Die Frage ist, ob irgendwann konstant ein zweites deutsches Team in die Liga rein darf. Aber da sind wir wohl eher wieder bei Berlin als Standort.

kicker: Was macht Alba falsch?

Junge: Ich weiß nicht, was sie falsch machen. Sie hängen seit Jahren finanziell irgendwie auf dem selben Niveau, haben da vielleicht den Anschluss zur Spitze verloren. Früher haben sie die Liga leerkaufen können. Inzwischen konnten Teams wie Oldenburg und Ulm aufschließen. Und man darf nicht vergessen: In manchen Städten zahlen die Vereine für die Halle nichts, die Mercedes-Benz-Arena in Berlin kostet Geld. Aber sie haben auch viel richtig gemacht, locken beständig über 10.000 Zuschauer an.

kicker: Also schließen die Traditionsstandorte wieder auf...

Junge: Du brauchst ja auch Storys, du willst auch mal Entenhausen, Bamberg oder Ulm sehen. Das macht die Sache spannend. Und in Deutschland gibt es viele Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern mit einer Leuchtturmsportart - sei es im Eishockey, Handball oder Basketball. Welche Stadt hat mehr als eine Sportart, die erfolgreich ist. Ausnahme Berlin vielleicht? In Hamburg sind Handball und Eishockey pleite gegangen, in München haben es andere Sportarten als Fußball seit Jahrzehnten schwer. In Frankfurt auch. Die mittelgroßen Städte haben oft ein Leuchtturmprojekt, das von allen gefördert wird.

"Schaffen wir es, eine weitere starke Generation folgen zu lassen?"

kicker: Zur Nationalmannschaft. Macht sich der DBB zu sehr abhängig von Dennis Schröder? Kann die Mannschaft auch ohne ihn erfolgreich sein?

Junge: Wir haben in Deutschland Glück. Erst gab es Schrempf, als der in Rente ging, kam Nowitzki. Jetzt ist Schröder da. Schaffen wir es jetzt, wo wir eine gute Generation haben - die Jahrgänge 1988 bis 1993 in etwa -, weiterzumachen und eine weitere starke Generation folgen zu lassen, Leistungsträger heranzuführen?

kicker: Wie gelingt das?

Junge: Nimmst du Schröder weg, fehlt das Zugpferd, der Ausnahmespieler. Wir müssen noch mehr Kreativspieler entwickeln, damit Deutschland ohne Schröder und Nowitzki viertelfinaltauglich ist. Was auffällt ist: Es sind zu wenige Spieler auf der Position eins oder zwei dabei (Point Guard und Shooting Guard, d. Red,). Da sind wir sehr dünn besetzt. Die Top-Jugendteams haben auf den Schlüsselstellen schon Ausländer, auch auf den Guard-Positionen. Die großen Positionen haben wir gut hingekriegt. Dennis Schröder ist uns in den Schoß gefallen. Aber wir müssen kontinuierlich Guards herausbringen. Da ist die Lücke zu groß. Andere Länder wie Litauen sind jedes Jahr in jeder Jugend vorne mit dabei. Das ist Wahnsinn, was dieses kleine Land produziert, da haben wir Nachholbedarf.

Die Jungs, die später die Nationalmannschaft führen sollen, müssten mit 19 schon ProA spielen und da auch auf den Korb werfen.Ralph Junge

kicker: Hängt es an Ausbildung, Sichtung und Förderung?

Junge: Das Problem ist, dass auf einem gewissen Level auf den Guard-Positionen die Ausländer dominieren. Wir haben in Nürnberg auch drei US-amerikanische Guards, ich hätte gerne noch einen Deutschen gehabt, aber den haben wir nicht bekommen. Das geht runter bis in die Regionalliga und in den Jugendbereich. Die entscheidenden Phasen im Spiel hat meist kein deutscher Guard in der Hand. Die Jungs, die später eine A-Nationalmannschaft führen sollen, müssten mit 19 schon in der ProA spielen und da auch auf den Korb werfen - und nicht nur in der Ecke stehen und einen freien Dreier nehmen. Da haben wir in der Masse noch Nachholbedarf. Da müssen wir vielleicht auch durch Regularien und Eigenverantwortung für Besserung sorgen. Viele Trainer- oder Sportdirektoren-Posten in Deutschland sind durch Ausländer besetzt, die vielleicht auch nicht diese Verbundenheit zum deutschen Basketball spüren. Nicht falsch zu verstehen, manchmal würde uns der Blick auf uns ganz gut tun.

aho/dak

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Ralph Junge: BBL-Aufstieg - "das ist die Ambition"
Ralph Junge hat einst die Basketball-Akademie an der Urspringschule ins Leben gerufen, Talente wie Lucca Staiger geformt und das Herrenteam in die 2. Liga geführt. Seit drei Jahren ist er dabei, den Standort Nürnberg nach vorn zu bringen. Auch hier wird Talentförderung groß geschrieben. Wichtige Themen wie Trainings- und Spielhalle oder Sponsoren-Akquise sind hingegen längst nicht abgeschlossen. Das große Ziel ist der Aufstieg in die BBL.
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