Mit Applaus und großem Jubel, aber auch mit Buhrufen wurde Lin in seiner alten Heimat empfangen. Das mag ihn noch mehr zu Höchstleistungen angespornt haben. Denn der Aufbauspieler der Rockets, die ihn mit einem gut dotierten Vertrag von der Ostküste nach Texas gelotst hatten, führte sein Team zu einem 109:96-Auswärtssieg, steuerte 22 Punkte und acht Assists bei und war auch nicht durch ein Flagrant Foul seines ehemaligen Teamkameraden Tyson Chandler vom Kurs abzubringen. "Das hat heute viel Spaß gemacht und wir haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht", sagte Lin, nachdem die Zehn-Siege-Serie der Knicks gerissen war. Schon zweieinhalb Minuten vor Schluss hatte Lin nach getaner Arbeit bei 16 Punkten Vorsprung Platz auf der Bank genommen; der Rest war "Garbage Time" und da war Lin nicht mehr gefordert.
An Lins Seite avancierte Houstons Topstar James Harden mit 28 Zählern und zehn Brettern zum Topscorer der Gäste, die mehr und mehr zum Angstgegner der Knicks werden. Sieben Siege in Folge, zuletzt ein 131:103 in Houston am 23. November. Da konnte auch eine beachtliche Leistung von Rookie Chris Copeland (29 Punkte, Karrierebestwert, "Bester des Tages" - siehe unten) keine Abhilfe schaffen. New York, das ohne seinen besten Schützen Carmelo Anthony (Knöchelverletzung) angetreten war, fiel auf 18:6-Siege ab.
Die Franchise aus dem "Big Apple" mag den Weggang Lins am Montag bereut haben. Dennoch: Ihr Backcourt um Raymond Felton, Jason Kidd und Pablo Prigioni hatte diesmal zwar das Nachsehen, zählt ansonsten aber zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Die drei sorgten bislang dafür, dass die Knicks die wenigsten Turnover produzieren. "Er hat ein gutes Spiel gemacht", zollte Felton (14 Punkte) seinem Kontrahenten Lob.
Und das Chandler-Foul? War hinterher kein Thema mehr. Beide umarmten sich nach dem Spiel. "Er ist ein guter Junge", sagte der bullige Chandler. "Aber wir hätten heute einige seiner Körbe verhindern müssen."
Im Westen trafen die beiden Topteams Oklahoma City und San Antonio aufeinander. Dabei ging es einerseits um eine möglichst gute Platzierung in der Conference-Tabelle, andererseits aber auch um das Duell Serge Ibaka gegen Stephen Jackson. Was würde passieren, wenn der lange OKC-Mann und der Spurs-Routinier aufeinandertreffen würden. Jackson hatte Ibaka jüngst via Twitter attackiert und war dafür von der Liga bestraft worden. Der Tweed war eine Reaktion auf ein Gerangel zwischen Ibaka und dem Lakers-Rüpel und Jackson-Kumpel Metta World Peace.
Wer einen weiteren "Brawl" erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Gemüter blieben ruhig, und Ibaka räumte sportlich mächtig ab. Der spanische Nationalspieler egalisierte seine Karrierebestmarke mit 25 Punkten und schnappte sich 17 Rebounds! Am Ende stand ein 107:93 der Thunder, die ihren elften Sieg in Folge feierten. "Ich will über den Vorfall nicht sprechen", sagte Ibaka nach dem Spiel. "Es geht um den Sieg der Mannschaft." Auch Jackson, der nach einem Fingerbruch zurückkehrte, wollte nicht nachkarteln. "Es geht um Basketball. Und was immer auf dem Feld gesagt, wird bleibt auf dem Feld. Ich wünsche Serge nur das Beste." Vorweihnachtlicher Friede in der National Basketball Association.
Orlando Magic - Minnesota Timberwolves 102:93, New York Knicks - Houston Rockets 96:109, Detroit Pistons - Los Angeles Clippers 76:88, Memphis Grizzlies - Chicago Bulls 80:71, Oklahoma City Thunder - San Antonio Spurs 107:93, Phoenix Suns - Sacramento Kings 101:90
Punkte: Chris Copeland (New York) 29, James Harden (Houston), Glen Davis (Orlando) je 28, Serge Ibaka (OKC) 25, Kevin Love (Minnesota) 23; Rebounds: Tyson Chandler (New York) 18, Ibaka 17, Love, Zach Randolph (Memphis) je 15, Marcin Gortat (Phoenix), Carlos Boozer (Chicago) je 13; Assists: Jameer Nelson (Orlando) 12, Luis Scola (Phoenix) 10, Russell Westbrook (OKC) 9; Dreier: Carlos Delfino (Houston) 4/7, Jared Dudley (Phoenix) 4/8, Wayne Ellington (Memphis) 3/4; Steals: Chandler Parsons (Houston) 5; Blocks: Gortat 6; Freiwürfe: Westbrook 9/11, Harden 8/9, Kevin Durant (OKC) 7/7; Einsatzminuten: Joakim Noah (Chicago) 42