
Das sind schon Spiele mit Play-off-Charakter. Manhattan gegen Brooklyn, Knicks gegen Nets. Zum zweiten Mal trafen sich die beiden Rivalen nun im brandneuen Barclays Center. Beim ersten Duell im November hatten die Nets in der Verlängerung triumphiert, nun drehten die Gäste den Spieß um. Doch auch diesmal war es spannend. Mit bis zu 17 Punkten führten die Hausherren bisweilen, ehe Carmelo Anthony & Co. das Ruder noch herumrissen.
"Melo" war angetrieben von zahlreichen Knicks-Anhängern ("MVP! MVP!"-Rufe schallten durch die Arena) wieder einmal bester Punktesammler. "Er hat Wurf um Wurf verwandelt", staunte Knicks-Coach Mike Woodson über seinen in Brooklyn geborenen Star-Forward, der über Denver den Weg zurück in den Big Apple gefunden hatte. 45 Punkte - Saisonbestwert für Anthony! "Das war wohl sein bestes Spiel unter meiner Leitung", so Woodson weiter.
Das Zünglein an der Waage ist indes 39 Jahre alt und heißt Jason Kidd. Der Meisterspieler der Dallas Mavericks hatte sich gegen ein Karriereende entschieden und zurück an der Ostküste noch einmal einen Neuanfang gewagt. Doch nicht bei seinem Ex-Klub New Jersey/Brooklyn Nets, sondern bei den Knicks. In der Schlussphase am Dienstag stand es 97:97, als Kidd 24 Sekunden vor Schluss "von draußen" abfeuerte und bedrängt von Jerry Stackhouse traf. 100:97 plus Freiwurf, Kidd jedoch vergab. Das richtete keinen Schaden an, denn die Nets wussten mit ihren finalen Chancen nichts mehr anzufangen.
„Ich bin ein Wettbewerbstyp und will immer gewinnen.“Jason Kidd (39) hat noch nicht genug
"Ich hasse ihn", flachste Nets-Guard Deron Williams über seinen Kumpel Kidd. Kidd kam auf 18 Punkte und sprang damit auch für den strauchelnden Guard-Kollegen Raymond Felton in die Bresche. "Ich bin ein Wettbewerbstyp und will immer gewinnen", sagte der kahlköpfige Haudegen nach immerhin 38 Minuten Einsatzzeit.
Bei den Hausherren, die mehr und mehr aus dem Tritt kommen (fünf Niederlagen in Folge), erreichte Andray Blatche 23 Zähler und vertrat damit den abermals verletzten Brook Lopez stark. Williams fügte 18 Punkte und zehn Assists hinzu, Reggie Evans schnappte sich 18 Bretter.
Die Knicks sind seit der Niederlage im Barclays Center im November kaum noch zu stoppen und haben seither sieben von acht Spielen gewonnen.
Mehr und mehr Hohn und Spott bekommen die Los Angeles Lakers ab. Nun verloren die Kalifornier sogar schon gegen die Cleveland Cavaliers. Beim 100:94 trieb der nach einem Fingerbruch wiedergenesene Kyrie Irving die Hausherren mit 28 Punkten und elf Assists zum fünften Saisonsieg, während die Lakers nun bei 9:13 stehen.
Chaos, Frust, Fragen - die drei Feinde des Titelanwärters aus Kalifornien prägten auch am Dienstag Spiel und Analyse danach. Dabei spielte Kobe Bryant wieder eine starke Partie, doch seine 42 Punkten waren abermals zu wenig.
Nun nehmen die Lakers auch kein Blatt mehr vor den Mund und beschreiben ihre Krise mit offenen Worten. Beispiele gefällig?
Kobe Bryant: "Das ist eine der größten Herausforderungen für mich in meiner 17-jährigen NBA-Zeit. Wir haben das Talent, um alles zu erreichen, aber wir schaffen es nicht. Das ist extrem frustrierend. Es ergibt keinen Sinn, wir finden immer einen Weg zu verlieren."
Dwight Howard (19 P./20 R.): "Wir müssen die Blutung stoppen - irgendwie. Wir dürfen dies nicht unsere Moral brechen lassen. Wir wollen siegen, wir haben das Verlieren satt."
Coach Mike D'Antoni: "Wir spielen sehr uninspiriert, offensiv wie defensiv. Wir spielen zu langsam, wir bringen es nicht. Egal, was der Grund ist: Es ist mein Job, das zu regeln. Und ich werde das schaffen."
Stichwort Tempoproblem. Bryant brachte es auf den Punkt - mit einem Seitenhieb auf die Kollegen: "Ich bin einer der schnellsten in der Mannschaft - und ich bin fast 50! Was sagt uns das?" Es war nicht die einzige Frage, die an diesem Abend unbeantwortet blieb ...

Während die Lakers unter dem ominösen Strich nach Platz acht der Western Conference taumeln, raffen sich die Clippers zu einem Höhenflug auf. Beim 94:89 im United Center von Chicago gelang dem Stadtrivalen der Lakers schon der siebte Sieg in Reihe. Power Forward Blake Griffin war mit einem Double Double (22 P./10 R.) Matchwinner, Chris Paul (18) nahm den Bulls mit einem Floater in der Schlussminute zum 91:87 alle Siegchancen. Danach behielt er bei seinen Freiwürfen bis zur Sirene die Nerven. Mit 15:6-Siegen sind die Clippers Vierter im Westen. Carlos Boozer konnte trotz 24 Punkten und 13 Rebounds die Niederlage der zuletzt starken Bulls (11:9) nicht verhindern.
Brooklyn Nets - New York Knicks 97:100, Cleveland Cavaliers - Los Angeles Lakers 100:94, Detroit Pistons - Denver Nuggets 94:101, New Orleans Hornets - Washington Wizards 70:77, Chicago Bulls - Los Angeles Clippers 89:94
Punkte: Carmelo Anthony (New York) 45, Kobe Bryant (Lakers) 42, Kyrie Irving, C.J. Miles (beide Cleveland) je 28; Rebounds: Dwight Howard (Lakers) 20, Reggie Evans (Brooklyn) 18, Carlos Boozer (Chicago) 13; Assists: Irving 11, Deron Williams (Brooklyn) 10; Dreier: Jason Kidd (New York) 6/8, Anthony 5/7; Steals: Ty Lawson (Denver) 4; Blocks: Jason Maxiell (Detroit) 6; Freiwürfe: Anthony 10/11; Einsatzminuten: Anthony 44