
Zieht man die bisherige Saisonbilanz und auch das Abschneiden in der vergangenen Spielzeit in Betracht, kommt der 114:108-Heimsieg des Vizemeisters und aktuellen Tabellenzweiten der Western Conference über die Los Angeles Lakers gar nicht so überraschend. Dennoch musste das erfahrene Starensemble aus Kalifornien um den 30.000-Punkte-Mann Kobe Bryant erst einmal bezwungen werden. Mit welcher Vehemenz die Oklahoma City Thunder das Spiel in der Chesapeake Energy Arena dann angingen und vor allem im zweiten Viertel dominierten, war aber dann doch absolut beeindruckend.
Vor allem Russell Westbrook war in der ersten Spielhälfte nicht zu stoppen, erzielte da schon allein 27 Zähler. Später nahm dann Kevin Durant Fahrt auf und überholte seinen Kompagnon noch knapp (36:33). In Hälfte eins drückte OKC die Lakers förmlich an die Wand und erspielte sich dank 41 Punkten im zweiten Viertel einen komfortablen Pausenvorsprung von 14 Punkten.
Hochmotiviert sei seine Mannschaft gewesen, verriet Westbrook im Anschluss. "Jeder mag die Lakers. Und als junge Mannschaft willst du die Besten eben immer schlagen." Mit bis zu 19 Punkten lagen die Thunder vorn, ehe Bryant & Co. sich doch aufrafften und ein "Ball Game" aus dem Ganzen machten. Bis auf vier kamen sie in der Schlussminute ran, konnten ihre elfte Saisonniederlage im 20. Spiel aber nicht mehr verhindern. Bryant führte seine Farben mit 35 Punkten an, verlor also auch das persönliche Duell mit Durant knapp.
Stark bei den Lila-Blauen, die abermals auf Steve Nash und Pau Gasol verzichten mussten: Center Dwight Howard, der sich von all den Diskussionen um seine Freiwurfschwäche (47 Prozent, diesmal 5 von 7) nicht irritieren ließ und gewohnte Zahlen ablieferte (23/18). Die Revanche für das Play-off-Aus in den vergangenen West-Semifinals gelang den Lakers dennoch nicht. Ob sie in der Conference-Tabelle noch an die Thunder herankommen?
"Es sind 82 Spiele und wir sind erst seit kurzer Zeit zusammen", sagte Howard. "Wir müssen noch lernen, aber wir werden besser", so der "Superman", nach dessen Meinung die Lakers voll im Plan liegen. Dass der Frust dennoch groß ist, kam am Ende des Spiels zum Ausdruck, als Metta World Peace seinem Namen nicht gerecht wurde und nach einem Freiwurf Serge Ibaka an den Kragen wollte. Die Teamkollegen gingen rechtzeitig dazwischen, beide bekamen ein "Technical".
Besser als OKC sind im Westen nur die Memphis Grizzlies. Das Team aus Tennessee gewann mit 96:89 bei den New Orleans Hornets, Rudy Gay war mit 28 Punkten bester Schütze der Gäste, die ihre Bilanz auf 14:3 ausbauten. OKC hat ebenso wie die San Antonio Spurs 16:4 auf dem Konto. Die Spurs bezwangen im Texas-Duell die Houston Rockets um James Harden (29 Punkte) klar mit 114:92. Sechs Spurs-Spieler schnitten zweistellig ab, angeführt von Tony Parker (17). "Vor allem zu Hause sind sie bärenstark", zollte "Beard" Harden Lob an den Gegner, der mit bis zu 33 Punkten geführt hatte.
Im Osten führen die New York Knicks (14:4), Stadtrivale Brooklyn geriet etwas aus dem Takt. Die siebte Niederlage im 18. Spiel kassierten die Nets zu Hause gegen die starken Golden State Warriors (12:7). David Lee war mit 30 Punkten und 15 Rebounds der große Dominator in diesem Duell, Stephen Curry kam auf 28. Lee sorgte mit sechs Punkten in Serie im vierten Viertel für die Entscheidung.
Um einen Platz in den Top 8 kämpfen die Boston Celtics, am Freitag ohne Erfolg bei den Philadelphia 76ers. Der Altmeister verlor in der Verlängerung mit 94:95. Evan Turner (26 P./10 R.) brachte die Hausherren in den finalen Sekunden entscheidend in Führung - weil im Gegenzug Rajon Rondo seinen letzten Wurf versemmelte. Der Point Guard, der wieder einmal ein Triple-Double ablieferte (16/13/14 - es war sein 14. in seiner Laufbahn), hatte eigentlich freie Bahn, strauchelte dann aber und fabrizierte einen Fade-Away-Air-Ball. "Ich hätte einen Korbleger machen sollen", sagte Rondo frustriert und humpelnd. "Aber das gute an der NBA ist: Morgen können wir alles wieder gutmachen." Beide Teams treffen sich am Samstag in Boston.
Joakim Noah erlebte einen legendären Abend. Der Center der Chicago Bulls erreichte Karrierebestwerte sowohl bei den Punkten (30) als auch den Rebounds (23) beim 108:104-Erfolg seiner Mannschaft bei den Detroit Pistons. Es war der 16. Sieg in Folge für die Bulls über die Pistons. Mit 10:8 führen sie die Central Division an und warten immer noch auf das Comeback von Derrick Rose.
Philadelphia 76ers - Boston Celtics 95:94 OT, Indiana Pacers - Denver Nuggets 89:92, Brooklyn Nets - Golden State Warriors 102:109, Atlanta Hawks - Washington Wizards 104:95, Detroit Pistons - Chicago Bulls 104:108, New Orleans Hornets - Memphis Grizzlies 89:96, Minnesota Timberwolves - Cleveland Cavaliers 91:73, Milwaukee Bucks - Charlotte Bobcats 108:93, San Antonio Spurs - Houston Rockets 114:92, Utah Jazz - Toronto Raptors 131:99, Oklahoma City Thunder - Los Angeles Lakers 114:108, Sacramento Kings - Orlando Magic 91:82
Punkte: Kevin Durant (OKC), Kevin Love (Minnesota) je 36, Kobe Bryant (Lakers) 35, Russell Westbrook (OKC) 33, Joe Johnson (Brooklyn) 32, David Lee (Golden State), Joakim Noah (Chicago) je 30; Rebounds: Noah 23, Dwight Howard (Lakers) 18, Lee, Andray Blatche (Brooklyn), Josh Smith (Atlanta) je 15; Assists: Rajon Rondo (Boston) 14, George Hill (Indiana), Mo Williams (Utah) je 10; Dreier: Westbrook 5/8, Stephen Curry (Golden State) 5/9, Quincy Pondexter (Memphis) 4/4; Blocks: Smith (Atlanta), Larry Sanders, Samuel Dalembert (beide Milwaukee) je 5; Steals: Mike Conley Jr. (Memphis), Jason Richardson (Philadelphia) je 5; Freiwürfe: Durant 14/16, Love 14/18, Bryant 9/10; Einsatzminuten: Thaddeus Young, Evan Turner (beide Philadelphia), Paul Pierce (Boston) 45