
Coach Messina, in Europa haben sie viele nationale Titel und die Euroleague-Krone gewonnen, waren zwei Mal Coach des Jahres und hatten alle großen Spieler unter sich. Ist es dann nur logisch, in die NBA zu gehen?
Ich persönlich sehe es so, dass nicht nur europäische Spieler die Chance immer wahrnehmen sollten, Erfahrungen in der NBA zu sammeln, sondern auch Trainer. Mein guter Freund Mike Brown, der Coach der LA Lakers, hatte mich mehrmals eingeladen und immer war ich in einem Verein eingespannt. Irgendwann kommt man auch in das Alter, in dem man es machen muss, bevor es zu spät ist. Es ist immer gut, über den Tellerrand hinauszugucken, um sich noch besser zu machen.
Auch Mike Brown wollte über den Tellerrand schauen als er nach Ihren Diensten fragte - wobei sollten Sie ihm helfen?
Mike interessiert sich sehr für europäischen Basketball. Auch wenn die Systeme sehr unterschiedlich sind, gibt es Wege neues Wissen einfließen zu lassen. Was Mike am europäischen Basketball mag, ist die Balance zwischen dem inside und outside game, wie man in einem Spiel Räume schafft, das Zusammenspielen der Mannschaft. Darüber haben wir viel geredet.
Und andersherum gefragt, was nehmen Sie aus der Zeit bei den Lakers jetzt mit zu ZSKA?
Da gibt es viele taktische Sachen, zum Beispiel in kritischen end-of-game-Situationen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Das kann man auf jeden Fall ins Coaching einfließen lassen.
Die Lakers wollten gerne noch ein Jahr dranhängen, warum wollten Sie wieder zurück?
Es war natürlich eine unglaubliche Erfahrung, ich habe mit großen Persönlichkeiten gearbeitet. Aber meine Familie war auschlaggebend, ich wollte wieder näher bei meinen Lieben sein. Und ich wollte wieder coachen. Alles fügte sich, so dass es mit der Rückkehr zu ZSKA geklappt hat.
Mit ZSKA Moskau feierten Sie ganz große Erfolge, dann gingen Sie zu Real Madrid. Was hat sich bei Ihrer "alten Liebe" in den Jahren verändert?
Ich würde sagen, dass der Verein in allen Bereichen sehr viel besser geworden ist.
Letzte Woche bei Partizan Belgrad tat sich Ihre Mannschaft schwer, konnte nur knapp in der Overtime gewinnen. Wo steht das Team jetzt?
Im speziellen Fall von Partizan muss man sagen, dass das eines der schwersten Auswärtsspiele in Europa ist. Das ist eine Basketballhochburg und die Stimmung kocht immer im Pionir über, das treibt die Mannschaft voran. Viele große Klubs haben bei Partizan schon verloren. Generell ist es so, dass wir jetzt ein ganz anderes Team sind im Gegensatz zum Vorjahr, drei Topscorer sind weg, das muss erstmal kompensiert werden und die Neuen müssen sich noch anpassen.
Andrei Kirilenko zum Beispiel ging zurück in die NBA, dafür kam Sonny Weems. Ein ebenbürtiger Ersatz?
Sonny und Andrei kann man nicht miteinander vergleichen. Andrei hat viele NBA-Jahre auf den Schultern, war Euroleague-MVP und hat viel erreicht, Sonny muss erst noch dahin kommen wo Andrei ist. Er hat NBA-Erfahrung, spielte eine gute Saison bei Kaunas und ich bin sehr glücklich, dass er sich für ZSKA entschieden hat. Sonny arbeitet hart, jeden Tag. Zum Saisonstart hat er schon eine gute Leistung gezeigt, wenn er das bis Saisonende hält bin ich zufrieden.

Am Donnerstag empfangen Sie die Brose Baskets Bamberg. Eine klare Sache?
Auf keinen Fall. Wir haben gesehen, wie schwer es in Belgrad war, gegen Bamberg erwarte ich genauso ein hartes Spiel. Gerade weil es ein Heimspiel für uns ist. Man lehnt sich vielleicht ein bisschen zurück und denkt, man kennt die Arena, die Fans. Und dann kommt man plötzlich ins Stolpern und verliert das Spiel. Bamberg hat zwar die ersten beiden Spiele verloren, aber das sagt nichts. Sie können jeden Moment eine Serie starten. Wir müssen es ihnen richtig schwer machen.
Was denken Sie über die Mannschaft?
Sie haben auch einige ihrer Topscorer verloren, so ist das im Basketball. Das Team ist neu zusammengestellt, das muss aber kein Nachteil sein. Irgendwann greift das Zahnrad und dann geht's los. Letztes Jahr ist Bamberg nur knapp am Top16 gescheitert, aber sie besitzen die Qualität weiterzukommen, deshalb sind sie ja in der Euroleague.
Kennen Sie Coach Fleming?
Na klar. Und ich freue mich sehr auf Chris Fleming und auf seine Spielphilosophie. Als Trainer von Real Madrid habe ich damals in Bamberg verloren, die Arena dort ist auch so ein Hexenkessel. So dass wir für das Rückspiel in Deutschland schon mal gewarnt sind.
ZSKA verlor das Euroleague-Finale in Istanbul ganz knapp gegen Olympiakos Piräus. Muss dieses Jahr der Titel kommen?
ZSKA will natürlich immer gewinnen, aber ich kann das mit dem Titel so nicht sagen. Wenn die Euroleague-Krone in einer Play-off-Serie ausgespielt werden würde, würde ich sicher ein konkretes Ziel formulieren. Aber im Final Four gibt es nur do-or-die Spiele, so dass immer alles passieren kann. Das ist ja gerade das Schöne daran ...
Aufgezeichnet von Danijela Sasic
Ettore Messina, geboren am 30. September 1959 im sizilianischen Catania, ist einer der erfolgreichsten Basketballtrainer in Europa. Viermal gewann der Italiener den höchsten Vereinswettbewerb auf dem Kontinent, neunmal stand er im Finale. Zahlreiche nationale Titelgewinne feierte er auf seinen Stationen Virtus Bologna, Benetton Treviso, ZSKA Moskau und Real Madrid. In der Vorsaison war er Co-Trainer der Los Angeles Lakers in der NBA. Messina war 1998 bester Trainer Europas, 2006 und 2008 bester Coach der Euroleague. 1997 stand er als Nationaltrainer seines Heimatlandes im EM-Finale.
| Heim | Gast | Erg. | ||
|---|---|---|---|---|
ZSKA Moskau | - | BB Bamberg | 76:67 | |
Lietuvos Rytas | - | Partizan Belgrad | 69:61 | |
Barcelona | - | Besiktas Istanbul | 72:60 | |
| Pl. | Verein | Körbe | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Regal FC Barcelona | 211:169 | 6 |
| 2 | ![]() | ZSKA Moskau | 227:211 | 6 |
| 3 | ![]() | Besiktas Istanbul | 227:208 | 5 |
| 4 | ![]() | Lietuvos Rytas Vilnius | 191:203 | 4 |
| 5 | ![]() | Partizan Belgrad | 197:226 | 3 |
| 6 | ![]() | Brose Baskets Bamberg | 198:234 | 3 |