Das beste Hauptrundenteam der NBA steht in der ersten Runde der Play-offs bereits mit dem Rücken zur Wand. Dabei sah es zu Beginn des Schlussviertels noch so aus, als ob sich Chicago das zuhause verlorene Spiel beim Auftritt in Philadelphia zurückholen würde. Auch ohne den verletzten Rose (Kreuzbandriss) lagen die Bulls mit 14 Punkten vorne. Zu diesem Zeitpunkt mussten die Gäste allerdings schon auf Joakim Noah verzichten, der im dritten Viertel umgeknickt war. Mit heftigen Schmerzen versuchte es der Center noch einmal, musste im Schlussabschnitt jedoch schnell wieder vom Parkett und verließ die Halle auf Krücken. Bange erwarten die Bulls nun das Ergebnis einer Röntgenuntersuchung, die Aufschluss über die Schwere der Verletzung bringen soll.
Ein Ausfall Noahs für das vierte Duell mit den Sixers, erneut in Philadelphia, am Sonntag wäre für die Bulls fatal. Denn in der Schlussphase verspielte der Ligaprimus seinen Vorsprung ohne Noah am Freitag noch und liegt nach dem 74:79 nun mit 1:2 im Hintertreffen. Nicht von ungefähr war es Spencer Hawes, der die erfolgreiche Aufholjagd der Sixers anführte. Der Center drehte nach dem Ausfall von Gegenspieler Noah groß auf und brachte es am Ende auf 21 Punkte und neun Rebounds. Die Bulls, bei den Carlos Boozer mit 18 Punkten und zehn Rebounds am auffälligsten agierte, begünstigten das Comeback der Hausherren, indem sie über fünf Minuten lang nicht trafen und zehn Würfe in Serie danebensetzten.
"Wir spielen gegen ein Team, das einige Verletzungen zu beklagen hat", sagte Sixers-Coach Doug Collins: "Und wir werden sehen, ob wir das ausnutzen können." Sein Gegenüber Tom Thibodeau bleibt vor Spiel vier optimistisch: "Wir werden bereit sein. Wir müssen bereit sein. Für Selbstmitleid ist kein Platz."
Rondo ist zurück, die Celtics siegen wieder. So lautete die Gleichung im dritten Spiel der Serie zwischen Boston und Atlanta. Der Point Guard hatte in Spiel zwei wegen eines Remplers gegen einen Schiedsrichter gesperrt zuschauen müssen. Zum ersten Auftritt vor heimischer Kulisse kehrte Rondo zurück - und wie! Auf dem Weg zum 90:84 nach Verlängerung, durch das die Celtics mit 2:1 in Führung gingen, verbuchte er mit 17 Punkten, 14 Rebounds und zwölf Assists ein Triple-Double. Es war bereits das siebte Mal in seiner Karriere, dass dem 26-Jährigen in den Play-offs dieses Kunststück gelang - und das, obwohl Rondo in der ersten Halbzeit ohne jeglichen Korberfolg geblieben war.

Auch auf Scharfschütze Ray Allen konnten die Celtics nach fast einmonatiger Verletzungspause wieder bauen. Von der Bank kommend streute der Guard 13 Punkte ein. Kevin Garnett (20 Punkte/13 Rebounds) und Paul Pierce (21 Punkte) lieferten starke Vorstellungen ab. Bei den Hawks, die nach den Ausfällen ihrer Center Al Horford und Zaza Pachulia auch noch auf Power Forward Josh Smith verzichten mussten, hielten Joe Johnson (29) und Jeff Teague (23) dagegen.
Im Westen verkürzte Denver in der Serie gegen die Los Angeles Lakers auf 1:2. Die Nuggets legten los wie die Feuerwehr und führten früh mit 24 Punkten. Auf dem Weg zum klaren 99:84-Erfolg war Ty Lawson mit 25 Punkten bester Punktesammler. Die entscheidenden Impulse setzten jedoch die beiden jungen "Big Men" JaVale McGee (16 Punkte/15 Rebounds) und Kenneth Faried (12/15), die Lakers-Allstar Andrew Bynum (18/12) über weite Strecken aus dem Spiel nahmen und so erst den furiosen 28:2-Zwischenspurt im zweiten Viertel ermöglichten. Nuggets-Coach George Karl jubilierte: "Ich kann mich nicht erinnern, einen Sieg so genossen zu haben wie diesen."
Im ersten Samstagsspiel unterlagen die Orlando Magic den Indiana Pacers nach grandioser Aufholjagd am Ende knapp in der Verlängerung. George Hill stellt den 101:99-Erfolg der Pacers 2,2 Sekunden vor Schluss der Overtime von der Freiwurflinie sicher. Indiana hatte im vierten Viertel einen 19-Punkte-Vorsprung verspielt, konnte am Ende aber doch den dritten Erfolg in Reihe feiern.
David West sammelte 26 Punkte beim Sieger, zwölf davon im dritten Viertel und vier in der Overtime. Danny Granger fügte 21 Punkte hinzu. Orlando, das nach Hills Freiwürfen durch Glen Davis den finalen Wurf vergab, hatte in Jason Richardson (25) seinen besten Schützen. Davis (24/11) holte ein Double-Double. Am Dienstag könnte in Indianapolis schon die Entscheidung fallen.
Boston Celtics - Atlanta Hawks 90:84 n.V.
Play-off-Stand: 2:1
Philadelphia 76ers - Chicago Bulls 79:74
Play-off-Stand: 2:1
Denver Nuggets - Los Angeles Lakers 99:84
Play-off-Stand: 1:2
Orlando Magic - Indiana Pacers 99:101 n.V.
Play-off-Stand: 1:3