Als nicht gerade auswärtsstark geltend waren die Milwaukee Bucks am Sonntag an den South Beach gekommen. Nach acht Pleiten in Folge hatten sie jedoch schon durch einen Sieg bei den kriselnden New York Knicks aufhorchen lassen. Und in Miami führte die Truppe von Coach Scott Skiles ihren Trend fort. Gegen die angeschlagene und wohl auch überspielte Heat führten Brandon Jennings mit 23 Punkten und Ersan Ilyasova mit 16 von der Bank den Außenseiter trotz nur 35 Prozent Trefferquote aus dem Feld zum sechsten Sieg im 15. Spiel. Das 91:82 beendete zugleich eine Drei-Siege-Serie des Vizemeisters.
Auch die Heat traf nicht berauschend (37 Prozent), LeBron James lieferte mit 28 Punkten und 13 Rebounds ein Double-Double ab, konnte die fünfte Niederlage im 16. Match aber ebenso wenig abwenden wie Chris Bosh (23). 22 Turnovers waren einfach zuviel. Nach Siegen gegen San Antonio, die Lakers und Philadelphia war der Tank offensichtlich auf Reserve.
"Wir haben keine Ausreden, keiner hatte von Beginn an die nötige Energie", gestand James. Nach sieben Siegen in sieben Spielen ohne Wade riss diese bemerkenswerte Serie. D-Wade fehlt nach wie vor wegen einer Knöchelverletzung.

Die Indiana Pacers sind in dieser Saison offensichtlich weitaus mehr als nur eines der Teams im Osten, die sich mit einer knapp negativen Bilanz um Rang acht streiten. Der 98:96-Erfolg am Sonntag bei den heimstarken Los Angeles Lakers unterstrich dies einmal mehr. Mit 11:5-Siegen können die Pacers auf den besten Start seit 2003/04 verweisen, als sie 14 der ersten 16 Partien gewonnen hatten und bis ins Halbfinale der Play-offs vordrangen.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch was Roy Hibbert & Co. im Staples Center ablieferten, war schon beeindruckend. Allen voran Hibbert ließ sich in der Höhle des Löwen nicht irritieren, selbst von einem Nasenbeinbruch nicht.
Im ersten Viertel prallte der Gäste-Center, der gegen die "Twin Towers" Pau Gasol und Andrew Bynum schon genug zu tun hatte, gegen den zum Korb ziehenden Kobe Bryant. Bryant bekam das Foul zugesprochen, und Hibbert hatte das Nasenbein durch! Der zweitbeste Scorer der Pacers musste vorübergehend in die Katakomben, sein Vertreter Tyler Hansbrough traf überhaupt nichts.
Also beeilten sich die Mediziner in der Kabine mit der Behandlung. Hibbert kehrte rechtzeitig zurück und übernahm wieder das Ruder. Acht seiner 18 Zähler sammelte der Lange im Schlussviertel und trug entscheidend zum Coup bei.
"Kobe drehte sich auf der Grundlinie, ich sprang hoch und bekam seinen Ellbogen ins Gesicht - unabsichtlich", sagte Hibbert, einer von sechs Gästeakteuren mit zweistelliger Punkteausbeute. "Es war erst kein Arzt da, der das ganze zurechtrücken konnte." Doch ein Betreuer versorgte die Nase mit Watte, sodass es im zweiten Viertel weitergehen konnte.
"Sie wollten erst nicht, dass ich weiterspiele, aber ich sagte, ich gehe, egal was passiert", zeigte sich Hibbert unerschütterlich. Auch nach dem Duschen blutete der Center noch aus der Nase - und gab den Komiker. "Das kann ich nach der Saison doch wieder mit einer Schönheitsoperation richten lassen."
Sechs Minuten vor Schluss drückte Hibbert einen weiteren Wurf unterm Korb rein und verkürzte auf eins. Guard Darren Collison glich wenig später per Dreier zum 86:86 aus.
Und die "Black Mamba"? Kobe Bryant war mit 33 Punkten zwar bester Lakers-Korbjäger, doch er vergab in den Schlusssekunden den entscheidenden Dreier.
Die Nummer eins in L.A. sind nach der Niederlage der Lakers (10:8) die Clippers (9:5), die die Toronto Raptors mit 103:91 bezwangen. Mo Williams, exzellenter Vertreter des verletzten Starzugangs Chris Paul, legte mit einem starken vierten Viertel den Grundstein und kam auf insgesamt 26 Zähler. Im Osten wendeten die Boston Celtics (6:9) durch ein 100:94 bei den Washington Wizards das Blatt nach zuvor sechs Niederlagen in sieben Spielen. Wermutstropfen: Routinier Ray Allen fiel nach einem Foul von Jan Vesely im zweiten Viertel mit einer Knöchelverletzung aus. Dafür kehrte der wiedergenesene Paul Pierce mit 34 Punkten und zehn Assists in Topform zurück.
Washington Wizards - Boston Celtics 94:100, L.A. Clippers - Toronto Raptors 103:91, Miami Heat - Milwaukee Bucks 82:91, New Jersey Nets - Charlotte Bobcats 97:87, L.A. Lakers - Indiana Pacers 96:98
Punkte: Paul Pierce (Boston) 34, Kobe Bryant (Lakers) 33, LeBron James (Miami) 28, John Wall (Washington) 27, Mo Williams (Clippers) 26; Rebounds: DeAndre Jordan (Clippers) 16, John Wall (Washington) 10, Blake Griffin (Clippers), Brandon Bass (Boston), Andrey Blatche (Washington) je 9; Assists: Chauncey Billups (Clippers) 14, Paul Pierce (Boston), Deron Williams (New Jersey), Pau Gasol (Lakers) je 10