Auf viel Verständnis darf Bauermann allerdings nicht hoffen. "Das Nationalteam hat sich bei der EM sehr gut geschlagen. Das gibt einen positiven Ausblick auf die Zukunft. Der sogenannten '4+1'-Regel stehe ich allerdings skeptisch gegenüber", sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer dem Sportinformationsdienst (SID) mit Blick auf den 3. Oktober.
Die Vereine sehen es übrigens ganz ähnlich. Am Tag der deutschen Einheit werden Vertreter der 18 BBL-Klubs in Oldenburg mit der Liga-Spitze und Bauermann über die "Deutschen-Quote" in der Profiliga diskutieren. Zwar wird zur kommenden Saison die Pflicht-Anzahl der deutschen Spieler auf dem Spielberichtsbogen immerhin auf vier erhöht, der Beschluss garantierter Einsatzzeiten für einheimische Basketballer, wie beispielsweise in der Liga von Europameister Russland üblich, ist aber nicht in Sicht.
Zu eindeutig äußern sich die Verantwortlichen der Bundesliga-Klubs. "Eine '4+1'-Regelung halte ich für sehr unglücklich. Da würde dem Coach einiges aufgebürdet. Zudem würde es den Wettbewerb verzerren", sagte Hermann Schüller, Geschäftsführer vom deutschen Meister EWE Baskets Oldenburg. Beim deutschen Pokalsieger Alba Berlin sieht man es ähnlich. "Das tut dem Sport nicht gut", sagte Alba-Manager Marco Baldi. Schüller und Baldi plädieren stattdessen dafür, die Anzahl der deutschen Profis auf dem zwölf Spieler umfassenden Spielberichtsbogen "Schritt für Schritt" zu erhöhen. "Wir streben hier die Regelung '6+6' an", sagte Baldi.
Ganz abgeneigt wäre Bauermann dieser Regelung wohl nicht. "Das wäre auch schon eine deutliche Verbesserung. Aber ich bin überzeugt, dass es für die Entwicklung der Talente am besten wäre, wenn immer ein Deutscher in der BBL auf dem Feld stehen müsste", sagte Bundestrainer. Der 51-Jährige griff bei der EM in Robin Benzing, Lucca Staiger und Elias Harris notgedrungen gleich auf drei Spieler zurück, die noch keine Bundesliga-Erfahrung besitzen.
Harris spielte zuletzt sogar beim drittklassigen Klub BIS Speyer. Da er in der Bundesliga "nicht auf der Bank verrotten will", zog der 20-Jährige nun einen Wechsel in die US-College-Liga NCAA zum Team der Gonzaga University vor.
Trotz aller Einwände von Bauermann sieht Pommer in der 4+1-Regelung ein "Administrationshindernis". "Der Trainer bräuchte einen Adjutanten, der ständig darauf achtet, ob ein Deutscher auf dem Feld steht. Über Situationen, wenn einige Spieler wegen Fouls oder Verletzungen nicht mehr zur Verfügung stehen, will ich gar nicht erst reden", sagte der BBL-Chef.
Zudem sieht Pommer bereits erste Verbesserungen. So wurde vor einem Jahr der Ausbildungsfonds eingerichtet, der die Klubs für den Einsatz von Spielern unter 24 Jahren mit Geldprämien belohnt. Und seit dessen Einführung haben die die unter 24-Jährigen rund 30 Prozent mehr Spielzeit.
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