
Die Bobcats hatten Miami am Rand der Niederlage. Einer der heißesten Kandidaten für den letzten Platz der Eastern Conference. Mit einer 15-Punkte-Führung ging die Franchise von Michael "Air" Jordan in die Halbzeitpause, erstmals waren Erik Spoelstras Heat gefordert, nachdem zuvor Champion Dallas Mavericks und die Altstars aus Boston nur Spielbälle gewesen waren.
Miami raffte sich ab dem dritten Viertel zur Aufholjagd auf, gewann dieses mit 24:10. Danach entwickelte sich ein Krimi, in dem die Bobcats dank eines Dreiers von Gerald Henderseon zwölf Sekunden vor Schluss mit 95:94 führten. Was tun, Miami? Spoelstra entschied sich für Dwyane Wade als Mann für spezielle Aufgaben. "Ich war zunächst schockiert", gestand dieser und hatte mit LeBron James gerechnet. "Der andere Kerl war doch richtig heiß", so D-Wade über seinen Teamkollegen. "Ich hatte meinen Rhythmus noch nicht gefunden." Doch dann dachte sich Wade: "Weißt du was, ich schaff das." Gesagt, getan. Wade dribbelte mit dem Ball auf den linken Flügel und verwandelte aus gut drei Metern per Sprungwurf über den ausgetreckten Arm von Henderson hinweg zur 96:95-Führung!
Wade dreht ab und imitierte den Superman-Jubel des in Reihe eins sitzenden NFL-Quarterback-Stars der Carolina Panthers, Cam Newton, tat so, als würde er sein Trikot in der Mitte zerreißen. Newton nahm's mit Humor.
Doch das Spiel war noch nicht aus, die Bobcats hatten 2,9 Sekunden vor Schluss noch ein, zwei Patronen im Gürtel. D.J. Augustin versuchte es "von draußen", traf aber nur das Brett, der Tip-in-Versuch von D.J. White rollte vom Ring wieder raus. Aus.
Der Sieger hieß Miami. Und Wade, obwohl sich dieser wegen einer Fußverletzung zuvor zurückgehalten und nur vier seiner zwölf Würfe verwandelt hatte. Sein fünfter Korb reichte, um Schlagzeilen zu schreiben. "King" James führte das Feld mit 35 Zählern an, "Big-Three"-Kompagnon Chris Bosh ließ sich diesmal auch nicht lumpen (25). Henderson war bester Bobcat (21), Augustin folgte dahinter (20), auch Center Boris Diaw zeigte eine vorzügliche Leistung: 16 Zähler, ebensoviele Rebounds und acht Assists.
Ähnlich wie Wade in Charlotte hatte auch der NBA-Topscorer Kevin Durant einen zähen Start beim 98:95-Erfolg seiner Oklahoma City Thunder beim West-Rivalen Memphis Grizzlies. Doch auch Durant zeigte sich geduldig, nachdem er sechs seiner ersten sieben Versuche verworfen hatte. "Ich glaube, ich bin gereift", sagte der "Fast-Bayreuther" nach einer am Ende noch satten Punktzahl von 32. "Letzte Saison hätte mich sowas noch beeindruckt."

Tat es an diesem Abend nicht, nach dem Fehlstart brachte Durant neun seiner folgenden zehn Versuche unter. Und während Memphis Aufbauspieler Mike Conley früh mit einer Sprunggelenk-Verletzung verlor, waren es vor allem Durant und Grizzlies-Akteur Zach Randolph (24 Punkte, zwölf Rebounds), die zu einem Thriller beitrugen.
Durant war vor allem gefordert, weil sein Co-Star Russell Westbrook eine erschreckend schwache Vorstellung bot (vier Punkte, alle per Freiwurf, NULL von 13 aus dem Feld!). Edelreservist James Harden (20) sprang in die Bresche. Die Leistungs-Schieflage bei Durant und Westbrook führte sogar zu einem Wortgefecht zwischen beiden im zweiten Viertel. Während einer Auszeit mussten sie von Teamkollegen getrennt und beruhigt werden. Immerhin: Westbrook behielt vier Sekunden vor Schluss von der Linie die Ruhe und erhöhte auf 96:92. Randolph konterte mit einem Dreier - 96:95. Wieder musste Memphis das Foul wählen, schickte diesmal Durant an die Linie. Zwei Treffer, 98:95. Der finale Verzweiflungswurf von Randolph geriet deutlich zu kurz. "Was für ein Spiel", schwärmte Thunder-Coach Scott Brooks. "Beide Mannschaften haben alles gegeben." Für die ambitionierten Grizzlies war es die zweite Niederlage im zweiten Spiel.
Bemerkenswertes aus anderen Spielen: Der deutsche Nationalspieler Chris Kaman sammelte zwölf Punkte beim klaren 97:78-Erfolg der neuformierten New Orleans Hornets über die Boston Celtics, die die dritte Niederlage im dritten Spiel kassierten und weiter ohne Paul Pierce auskommen mussten. Die Hornissen spielten ohne Top-Neuzugang Eric Gordon.

Der war u.a. im Tausch gegen Superstar Chris Paul aus Los Angeles gekommen. Paul wechselte zu den Clippers und schürte die Hoffnungen auf eine Wachablösung am Sunset Boulevard. Am Mittwoch landeten die Kalifornier in San Antonio auf dem harten Boden der Tatsachen. Routinier Manu Ginobili führte seine Farben zum 115:90-Kantersieg über L.A., für das Griffon wie gewohnt abräumte (28), Paul (10) eher moderat agierte.
Rookie-Top-Pick Kyrie Irving feierte mit den Cleveland Cavaliers nach einer schwachen Auftaktvorstellung bei der Heimschlappe gegen Toronto seinen ersten Sieg. Der 19-jährige Point Guard führte die Cavs zu einem deutlichen Sieg in Detroit und sammelte nebenbei 14 Zähler sowie sieben Assists. Vor allem vor der Pause spielte der von der Duke University abgegangene Irving glänzend.
Toronto Raptors - Indiana Pacers 85:90
DeRozan 22 - Granger 21
Charlotte Bobcats - Miami Heat 95:96
Henderson 21 - James 35
Atlanta Hawks - Washington Wizards 101:83
Johnson 18 - Young 21
Detroit Pistons - Cleveland Cavaliers 89:105
Gordon 25 - Samuels 17, Irving 14
Memphis Grizzlies - Oklahoma City Thunder 95:98
Randolph 24/12 Reb. - Durant 32
New Orleans Hornets - Boston Celtics 97:78
Jack 21, Landry 20/11 Reb., Kaman 12 - Allen 15
San Antonio Spurs - Los Angeles Clippers 115:90
Ginobili 24 - Griffin 28, Paul 10/9 Ass.
Denver Nuggets - Utah Jazz 117:100
Nene 25 - Jefferson 19
Phoenix Suns - Philadelphia 76ers 83:103
Price 16 - Holiday, Iguodala, Young je 15
Golden State Warriors - New York Knicks 92:78
Ellis 22 - Stoudemire 16/10 Reb.





























