Gute Selbsteinschätzung ist gefragt

Senioren: Besser als ihr Ruf

Ratgeber - 07.09. 14:37

Senioren crashen sich durchs Verkehrsgeschehen, tütteln am Steuer vor sich hin und sollten am besten gleich den Führerschein abgeben: So lauten gängige Vorurteile, die aber durch keinerlei Zahlenmaterial zu belegen sind. Fahrtüchtigkeit ist keine Frage des Alters. Sinnvoll ist es freilich, wenn ältere Menschen Schlüsselfunktionen immer wieder kritisch hinterfragen und überprüfen lassen.

Senioren im Auto: Ob jemand gut oder schlecht fährt, hängt nicht vom Alter ab. © ampnet/Aged Car Guide

Es ist ein Vorurteil, dass Senioren am Steuer ein besonders hoher Risikofaktor sind. Laut Statistischem Bundesamt waren 2016 insgesamt 75.552 Menschen über 65 Jahren in Unfälle mit Personenschäden verwickelt, was einem Anteil von etwa 13 Prozent an allen Unfallbeteiligten entspricht. Angesichts der Tatsache, dass der Bevölkerungsanteil der Senioren bei 20 Prozent liegt, sei die vorgenannte Quote aber "relativ gering", wie Volker Weicherding sagt, Koordinator der Verkehrsunfallprävention beim Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz.

Keine Frage der Lebensjahre

Niemand muss in Deutschland altersbedingt seinen Führerschein abgeben. Die Fahrtauglichkeit ist schließlich eine Frage der individuellen Konstitution und nicht der Lebensjahre. Gerade deshalb raten Experten aber zu einer gewissenhaften Selbsteinschätzung und außerdem zur regelmäßigen Kontrolle von Schlüsselfunktionen wie Seh-, Hör- und Reaktionsvermögen. "Gewissenhafte Selbstreflexion ist das Wichtigste, um im Alter ein Fahrzeug sicher bewegen zu können", erklärt Steffen Mißbach, Kraftfahrtexperte beim TÜV Rheinland. Dazu gehörten regelmäßige Untersuchungen beim Haus-, Ohren- und Augenarzt. Aber auch viel Bewegung und geistige Herausforderungen helfen, im Alter länger leistungsfähig und somit auch mobil zu bleiben.

Fahrtrainings für Senioren

Einen wertvollen Beitrag können auch spezielle Fahrtrainings für Senioren leisten, wie sie etwa von Automobilclubs angeboten werden. "Unabhängig vom Alter sind diese Trainings sinnvoll, um sein eigenes Verhalten und seine Fähigkeiten am Steuer zu verbessern“, sagt Mißbach. Berührungsängste – etwa aus der völlig unbegründeten Furcht heraus, dass bei möglichen Beeinträchtigungen der Führerschein abgenommen werden könnte – sind dabei fehl am Platz.

Daneben bieten die Autohersteller etliche Extras an, die auch Senioren helfen – Rückfahrkameras etwa oder Totwinkelassistenten. Und aufgrund ihrer erhöhten Sitzposition, des bequemen Einstiegs und der guten Übersicht eignen sich gerade die vielgescholtenen SUVs in besonderem Maße für ältere Autofahrer.

ule