
Der Führerschein ist ein hohes Gut. Wenn er weg ist, dann herrscht im Allgemeinen Heulen und Zähneklappern - nicht nur bei denen, die ihre Fahrerlaubnis aus beruflichen Gründen dringend benötigen. Besonders übel sind diejenigen dran, die nicht nur von einem vorübergehenden "Fahrverbot" heimgesucht werden, sondern von einem "Entzug der Fahrerlaubnis". In diesem Fall gibt es den Führerschein nicht automatisch und unbürokratisch wieder zurück - sondern er muss ganz neu beantragt werden.
Und da kann es vorkommen, dass die Behörde zunächst einmal ein Stop-Schild setzt: Eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) wird angeordnet, die klären soll, ob der Bewerber körperlich, geistig und moralisch überhaupt dazu geeignet ist, ein Kraftfahrzeug zu führen. "Hauptanlass für eine MPU", so heißt es bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), seien Alkoholdelikte. Entweder ist der Sünder mit einem Promillespiegel von 1,6 und mehr erwischt worden, oder innerhalb von zehn Jahren mehrfach bei einer Trunkenheitsfahrt. In letzterem Fall spielt es keine Rolle, wieviel an Alkoholischem getankt worden ist. Hochprozentigen Ursachen für die MPU folgt Drogen- und/oder Medikamentenmissbrauch: Der Fahrer stand bei einer Kontrolle unter dem Einfluss solcher Substanzen, oder er ist einschlägig bekannt als Konsument harter Mittel. Schließlich sind da noch die Punktesünder: Auch wer in Flensburg 18 Zähler und mehr auf seinem Konto versammelt hat, ist dran mit der MPU.
Die MPU gliedert sich in einen medizinischen und in eine psychologischen Check. Ein Arzt überprüft beispielsweise, ob körperliche Einschränkungen vorliegen beziehungsweise ob etwa Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch die Fahreignung beeinträchtigen. Dazu gehört auch die Entnahme von Urin- und Blutproben. Entgegen der Befürchtungen vieler muss niemand einen "Intelligenztest" befürchten. Bei Tests am Gerät geht es vielmehr darum, die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit zu überprüfen - jahrelanger schwerer Missbrauch bzw. schwere Abhängigkeit kann diese schließlich beeinflusst haben. Von entscheidender Bedeutung ist schließlich das Gespräch mit einem Verkehrspsychologen. Er versucht unter anderem herauszufinden, ob der Bewerber seinen Umgang mit Substanzen in den Griff bekommen hat, ob er Selbstkritik und Einsicht in sein Fehlverhalten zeigt und ob er bereit ist, alles zu tun, damit sich solches in Zukunft nicht mehr wiederholt. Alles in allem dauert das etwa drei bis vier Stunden. Das Ergebnis kann schließlich auf "geeignet" lauten (2011 erhielten rund 55 Prozent der Bewerber dieses Resultat), auf "nachschulungsfähig" (sieben Prozent) oder auf "ungeeignet" (37,5 Prozent). Wichtig: Der Bewerber, so rät der ADAC, sollte sich das Ergebnis in jedem Fall persönlich zustellen lassen - ein negatives MPU-Gutachten muss nämlich nicht an die Führerscheinstelle weitergeleitet werden.

Ein Vergnügen ist die MPU also nicht, und ein billiges schon gar nicht. Grob gerechnet, muss mit Kosten zwischen 350 und 750 Euro gerechnet werden, wobei der Anlass zur Begutachtung eine Rolle spielt. Gutachten zu Punkten, so der ADAC, kämen weniger teuer als solche, die wegen Alkohol- oder Medikamentendelikten angeordnet wurden. Damit ist es in aller Regel aber nicht getan. Unvorbereitet sollte man nämlich nicht in die MPU gehen. Doch auch die entsprechende Präparierung durch Fachleute kostet! Hier gilt es, nicht auf Scharlatane hereinzufallen. Abzocker, die gegen saftiges Geld das Blaue vom Himmel versprechen, gibt es nämlich zuhauf im Internet. Sie zeigen Wege auf, "den Gutachter auszutricksen" oder geben "Erfolgsgarantien", die letztlich keiner einhalten kann. Für gestresste Manager in Zeitnöten lassen sich spezielle VIP-Seminare buchen, und wer die MPU-Vorbereitung in entspannter Urlaubsatmosphäre absolvieren möchte, kann dies gar auf Mallorca tun.
Sinnvoll ist es in jedem Fall, sich an seriöse Fachleute zu wenden, etwa vom TÜV oder der DEKRA, oder an einen Fachmann, der Mitglied in einem Berufsverband wie dem Bundesverband Niedergelassener Verkehrspsychologen ist. Je nachdem, ob man Gruppenkurse oder Einzelgespräche bucht, kommen aber erkleckliche Summen zusammen, die durchaus eine Spanne zwischen 350 und 1000 Euro umfassen können.

"Mit einer frühzeitigen und professionell begleiteten Vorbereitung", so sagen Experten des TÜV Süd, "steigt die Erfolgsquote bei der MPU auf über 80 Prozent an." Und man nennt auch gleich die schlimmsten Fehler, die das Projekt "Zurück zum Führerschein" torpedieren können: Zu lange in "Schock und Selbstvorwürfen" zu verharren, anstelle frühzeitig Hilfe zu suchen. Die MPU als "Bestrafung anzusehen", statt sie als Chance zu betrachten, kritische Verhaltensweisen zu ändern und das Leben insgesamt besser in den Griff zu kriegen. Die Schuld bei anderen oder bei den Umständen zu suchen. Auf - siehe oben - reißerische Angebote zur Vorbereitung einzugehen. Völlig unvorbereitet zur MPU anzutreten, wozu auch gehört, dass man beispielsweise seine Trinkgewohnheiten nicht geändert hat. Ferner bei der MPU zu schauspielern, Gelerntes und vermeintlich Gewünschtes vortragen - die geschulten Verkehrspsychologen durchschauen solche Trickserei mit scharfem Auge, und feste Fragenkataloge gibt es schon gar nicht. Und schließlich sich durch die "Gerüchteküche" verunsichern zu lassen - Unkerei wie "beim ersten Mal fallen sowieso alle durch" ist nämlich durch nichts begründet.
Ulla Ellmer
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