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01.01.2019, 14:17

Der "PistenBully 600 E+" fährt teilelektrifiziert

Grüne Katze für die weißen Berge

Nicht nur im Pkw-Bereich hält die Elektrifizierung Einzug. Auch schweres Einsatzgerät wird allmählich unter Strom gesetzt. Kässbohrer beispielsweise hat mit der Hybrid-Pistenraupe 600 E+ eine Schneekatze entwickelt, die deutlich sparsamer mit Sprit umgeht als ihre konventionellen Geschwister.

PistenBully 600 E+
Grün statt rot: Kässbohrer schickt den Hybrid-"PistenBully 600" E+ in den Einsatz.
© Hersteller

Der erste Schnee ist längst gefallen, und am Südtiroler Kronplatz herrscht wieder buntes Treiben. Nur wenige Wochen im Jahr ist es im Ski- und Wandergebiet am Rande der Do-lomiten ruhig; dann, wenn die Herbst-Bergsteiger ab- und die Schneehaserl noch nicht angereist sind. Zeit, welche die Lift- und Pistenbetreiber nutzen, um sich auf die neue Saison vorzubereiten - schließlich wollen die Wintersportler immer perfekte Pisten vorfinden. Damit die weiße Pracht ordentlich verteilt und gut präpariert werden kann, ist am Kronplatz eine ganze Flotte von Pistenraupen unterwegs. Sobald die Nacht hereinbricht, schwärmen die vielen strahlend rot lackierten Pistenbullys aus - und darunter ein leuchtend-grüner: der 600E+.

Die Farbe deutet es schon an, bei dieser Kässbohrer-Pistenraupe ist etwas anders! Und wie im Automobilbau weist Grün auch bei den Schneekatzen auf eine besonders um-weltfreundliche Version hin: Der 600E+ ist die erste Hybrid-Pistenraupe, die dank umfangreicher Elektrifizierung jede Menge Sprit einspart. Vater des fortschrittlichen Schneemobils ist Kässbohrer-Entwicklungsvorstand Michael Kuhn, der einen ersten Prototypen schon 1997 in den Schnee geschickt hat. Doch serienreif wurde der Bully erst 2012.

Elektromaschinen sorgen für Schub

Kässbohrer PistenBully 600 E+
Elektrifiziert: Angetrieben vom 400-PS-Motor erzeugen zwei Generatoren zusammen 280 Kilowatt Strom.
© HerstellerZoomansicht

Was den E+ so besonders macht, versteht man erst, wenn man weiß, wie eine herkömmliche Pistenraupe funktioniert: Ein Motor, im Falle der 600er-Baureihe ein knapp 13 Liter großer Mercedes-Diesel, treibt Hydraulikpumpen an. Mit dem erzeugten Öldruck werden Hydraulikmotoren an den Ketten in Bewegung gesetzt, die schließlich die gut neun Tonnen schwere Schneekatze bewegen. Beim E+ nehmen den Platz der Pumpen zwei Generatoren ein, die, angetrieben vom 400-PS-Motor, zusammen 280 Kilowatt Strom erzeugen. Die Antriebsräder werden also nicht mehr von Hydraulikmotoren angeschoben, sondern von E-Maschinen.

Der eigentliche Vorteil aber, so Kuhn, steckt - wie bei jedem Hybrid-Fahrzeug - in der Rekuperation. Wenn die Pistenraupe bergab fährt, was in einem Skigebiet häufig vor-kommt, arbeiten auch die E-Motoren an den Ketten als Generatoren und machen Strom. Bei den meisten Hybrid-Pkw wird diese Energie in einer Batterie zwischengespeichert, der Pistenbully aber braucht keinen Akku - schließlich ist mindestens ein Verbraucher immer an, nämlich die Schneefräse. Diese Kombination aus Häcksler und Rechen, die die Pistenraupe hinter sich herzieht und damit die Fahrbahn schön glatt macht, ist beim E+ nämlich ebenfalls elektrisch und nicht wie sonst hydraulisch betrieben. Dass die Fräse den zurückgewonnenen Strom nutzt, entlastet wiederum den Dieselmotor und trägt maßgeblich zur versprochenen Verbrauchsreduzierung von rund 20 Prozent bei.

Kässbohrer Pistenbully 600 E+
Imageträger: Aus ökologischer Sicht sind Skigebiete nicht unumstritten, den Betreibern kommt ein Hybrid-Pistengerät deshalb gerade recht.
© Hersteller

3000 Liter Treibstoff pro Saison gespart

Im Idealfall macht das etwa fünf eingesparte Liter pro Betriebsstunde. In der Praxis sei es zwar etwas weniger, verrät Andrea Del Frari, der Manager des Skigebiets Kronplatz. Doch bei rund 1000 Stunden, die so ein Pistenbully pro Saison läuft, kommt trotzdem einiges zusammen. "Wir sparen pro Saison ungefähr 3000 Liter Sprit", rechnet del Frari vor. Das deckt den höheren Anschaffungspreis, den so ein 600E+ gegenüber herkömmlichen Pistenbullys hat, nicht ganz. Schließlich kostet die grüne Schneekatze rund 360.000 Euro und damit mehr als ihre normalen Brüder. Wirtschaftlich ist der E+ also noch nicht, ökologisch sinnvoll aber allemal. Schließlich sind die Schneekatzen inmitten der Alpen unterwegs und gerade hier lohnt sich jede Investition in den Umweltschutz - für die Natur, und für das Image. Das erkennen immer mehr Skigebiete.

Vor allem aber bietet der 600E+ noch einen Vorteil: Er fährt sich viel angenehmer als andere Pistenraupen - wovon wir uns am Kronplatz zusammen mit Dolorico Maschi selbst überzeugt haben. Der studierte Jurist hat seine Kanzlei gegen den Berg getauscht und steuert nun allabendlich den "PistenBully 600 E+" über die Hänge. Er hat die Öko-Schneekatze schon aus der Garage geholt und wir dürfen gleich auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Gemütlich wie auf einem Lkw-Sessel thront man gut anderthalb Meter über der Schneedecke. Die vielen Schalter, Tasten und Hebel, die um den beheizten Fahrersitz angeordnet sind, erinnern zwar an ein Rauschiff, doch "viele davon brauchen wir gar nicht", beruhigt uns der Experte. "Die meisten steuern Schneepflug und die Fräse".

Kässbohrer PistenBully 600 E+
Durfte ans Steuer: kicker-Autor Michael Gebhardt im Cockpit des Hybrid-Pistengeräts.
© Helmuth RierZoomansicht

Pirouetten im Schnee

Das Fahren selbst ist tatsächlich überraschend einfach: Vorwärtsgang wählen und Gas geben, schon marschiert der Pistenbully los. Gesteuert wird mit einem kleinen Lenkrad, das das Attribut "direkt" mehr als verdient. Nur eine halbe Umdrehung reicht, schon dreht die Schneekatze Pirouetten auf der Stelle. Und eine Bremse gibt es gar nicht: Wenn man das Gaspedal loslässt, bleibt der Bully stehen. "Gegenüber den herkömmlichen Pistenraupen fährt sich der E+ viel geschmeidiger", schwärmt Dolorico, "und er ist um einiges leiser". Nach ein paar ruppigen Lenkmanövern haben auch wir den Dreh raus und steuern den E+ mit sanften Handgriffen über den Berg. Von Meter zu Meter macht es mehr Spaß, mit dem leichtfüßigen Schwergewicht die Pisten zu erobern. Elektromobilität überzeugt eben nicht nur auf der Straße.

Michael Gebhardt

 

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