Teilautonom, sparsamer, voll vernetzt

Mercedes-Truck "Actros": Kameras statt Außenspiegel

Neuheiten - 08.09. 10:55

Was beim Pkw noch immer Zukunftsmusik ist, wird beim Lkw jetzt Realität: Die neue Generation des Mercedes-Trucks "Actros" verzichtet auf konventionelle Außenspiegel und blickt stattdessen mit Kamera-Augen zurück. Auch sonst gibt es etliche Innovationen, die nicht zuletzt die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer verbessern.

Neuer Mercedes Actros: Außenkameras ersetzen die Rückspiegel. Das dient der Sicherheit. © Hersteller

Diesen Arbeitsplatz werden Trucker gern erklimmen: Mercedes stellt die neue Generation seines Schwergewichts Actros vor und stattet ihn mit modernsten Technologien aus. Die vielleicht interessanteste ist eine, die man im Pkw-Bereich aus diversen Konzeptstudien kennt, die es aber bislang noch nirgends in die Serienwirklichkeit geschafft hat. Konventionelle Außenspiegel werden abgeschafft, stattdessen wachen beheizbare Kamera-Augen über das rückwärtige Geschehen. Was sich dort abspielt, wird auf ein zweigeteiltes 15-Zoll-Display übertragen, wobei der untere Bereich quasi als Weitwinkelspiegel dient. Das ist aber noch nicht alles. Einblendbare Hilfslinien zeigen beim Rangieren an, wo der Auflieger endet und informieren den Fahrer, sobald er nach einem Überholvorgang wieder sicher einscheren kann.

Außerdem ist die "Mirror Cam" als Überwachungskamera zu nutzen: Sie lässt sich im Stand für zwei Minuten aktivieren, während denen der Fahrer überprüfen kann, ob sich verdächtige Personen an seinem Truck zu schaffen machen.

Digitaler Rückblick: Die Bilder der Außenkameras werden auf ein Display an der A-Säule übertragen. © Hersteller

Volldigitales Cockpit

Schon aus 50 Metern Entfernung ist der Actros zu entriegeln, der Motor wird via Knopfdruck gestartet, und überhaupt sieht das volldigitale Cockpit mit den bis zu zwölf Zoll großen Bildschirmen nicht minder modern aus als das einer S-Klasse. Zwei USB-Anschlüsse stehen bereit, Android Auto und Apple CarPlay binden das Smartphone ein, nicht zuletzt lassen sich bis zu sechs Fahrerprofile speichern.

Teilautomatisiertes Fahren auf Level 2

Noch braucht der Actros einen Fahrer, Schritte zur automatisierten Fortbewegung sind aber bereits gemacht. Der Brummi beherrscht teilautomatisiertes Fahren, indem er exakt den Abstand zum Vordermann hält, die Spur hält (wobei vorzudefinieren ist, ob das mittig, eher rechts oder eher links geschehen soll) und beim unbeabsichtigten Queren einer Fahrbahnmarkierung warnt, bevor er sich selbstständig zurück in die Spur begibt. Eine knappe Minute lang fährt der Actros komplett autonom, bremst und beschleunigt also auch selbsttätig, dann muss der Fahrer wieder ran.

Vernetzt: Blick ins volldigitale Cockpit des Mercedes-Trucks mit großen Bildschirmen. © Hersteller

Viel ist zuletzt das über Thema "Abbiege-Assistent" für Lkws diskutiert worden. Beim Actros überwacht ein entsprechender elektronischer Helfer bis zu einer Geschwindigkeit von 36 km/h die Beifahrerseite, wobei das System Radfahrer und Fußgänger ebenso erkennt wie Ampeln oder Verkehrsschilder. Auch der Notbremsassistent "Active Brake Assist" identifiziert Fußgänger und bringt den Truck notfalls selbsttätig zum Stehen. Und ein intelligenter Tempomat passt mit Hilfe der Kartendaten die Geschwindigkeit an Steigungen, Gefällstrecken, Kurven, Ortsdurchfahrten und sogar Kreisverkehre an.

Ambientelicht und Lichtwecker

Währenddessen darf sich der Fahrer an LED-Ambientelicht und sanft blauem Nachtfahrlicht erfreuen, ein "Lichtwecker" simuliert den Sonnenaufgang.

Der neue Actros ist laut Mercedes fünf Prozent sparsamer als sein Vorgänger. Und auch eine Erdgasvariante namens "NGT" wird es geben.

ule