Zwei Leistungsstufen - Bis 482 km Reichweite - Ab 34.600 Euro

Hyundai: Der Kona fährt elektrisch

Neuheiten - 09.08. 18:47

Hyundai setzt sich gehörig unter Strom. Jetzt wird das elektrische Portfolio auch noch um eine entsprechende Variante des Kompakt-Crossovers Kona erweitert. Den Kona Elektro gibt es mit alltagstauglicher Reichweite und zum vernünftigen Preis. Nur in einer Hinsicht könnten Kunden enttäuscht werden.

Hyundai Kona Elektro: Der Anschluss fürs Stromfassen verbirgt sich in einer Klappe an der Front. © Hersteller

Man hat Hyundai schon so einiges nachgesagt. Zuerst galt die Marke als Korea-Discounter. Dann wurden die Billigheimer zum Preis-Leistungs-Champ befördert. An diesem Augusttag 2018 aber erklärt Hyundai-Sprecher Bernhard Voß den Anbieter zur "Elektromarke". Das ist nicht unberechtigt. Bei keinem anderen Hersteller ist das Angebot elektrifizierter Modelle so breitgefächert. Es reicht vom Ioniq (als Mildhybrid und Plug-in) über die Batterieelektriker Ioniq Elektro und Kona Elektro bis hin zum Brennstoffzellenfahrzeug Nexo.

Am Beispiel des Kona Elektro zeigt es sich, dass Elektromobilität allmählich im Alltag ankommt. Alltagstauglich – das heißt im Falle eines Stromers immer auch "Reichweite". Laut WLTP-Zyklus schafft der 4,17 Meter lange Kompakt-Crossover mit einer Akkuladung bis zu 482 Kilometer. Im realen Leben relativiert sich das zwar. Doch auch 350 Kilometer sind eine Hausnummer, mit der sich was anfangen lässt - und mit der Reichweitenängste wirksam zu besänftigen sind.

Wahlweise 136 oder 204 PS

Aber der Reihe nach. Den Kona Elektro gibt es in zwei Leistungsstufen. Die kleinere kombiniert eine 39,2-kWh-Batterie mit einem 100 kW/136 PS starken Elektromotor, die WLTP-Reichweite beträgt 312 Kilometer. Die stärkere Variante nutzt einen 64-kWh-Akku und eine E-Maschine mit 150 kW/204 PS, von den hier verfügbaren 482 Kilometern Reichweite ist bereits die Rede gewesen.

Wahlmöglichkeit: Den Kona Elektro gibt es mit 39,2-kWh-Akku und 136 PS sowie mit 64 kWh und 204 PS. © Hersteller

Die Preise von 34.600 Euro – kleinere Variante, niedrigste Ausstattungsstufe "Trend" – bzw. 39.000 Euro lassen zunächst schlucken. Allerdings nur solange, bis man einen Blick auf die Konkurrenz wirft. Der vergleichbare Opel Ampera-e ( 60 kWh, 150 kW) kostet mindestens 42.990 Euro, ein knapp zwanzig Zentimeter kürzerer BMW i3 (33,2 kWh, 125 kW/170 PS) ab 37.550 Euro. Von hochpreisigen Luxus-Stromern wie dem fast 80.000 Euro teuren Jaguar i-Pace ganz zu schweigen. Immerhin darf der Kunde auch noch den Umweltbonus von 4.000 Euro abziehen. Und wenn das Gesetzesvorhaben zur Besteuerung elektrischer Dienstwagen durchgeht, das eine Halbierung des geldwerten Vorteils auf 0,5 Prozent vom Listenpreis vorsieht, dann wird einer wie der Kona Elektro auch für die gewerbliche Nutzung interessant.

Viel Ausstattung an Bord

Zudem unterfüttert Hyundai den Preis mit wertiger Inneneinrichtung und üppiger Ausstattung. Adaptiver Abstandstempomat, Spurhalte-, Aufmerksamkeits- und Notbremsassistent, 17-Zoll-Alus, Klimaautomatik, Sitzheizung, Radio-Navi mit Bluetooth, DAB+, Android Auto/Apple CarPlay, Digitalinstrumentierung und Rückfahrkamera sind schon beim Basismodell "Trend" obligatorisch, ebenso wie eine Batterieheizung. Optional bzw. in den höheren Ausstattungsvarianten sind auch Head-up-Display, Leder, Stauassistent, Voll-LEDs oder Sitzbelüftung verfügbar.

Vieles ist Serie: Radio-Navi, Digitalinstrumentierung und Rückfahrkamera sind schon im "Trend" obligatorisch. © Hersteller

Man kriegt also was für sein Geld. Auch das, was elektrisches Fahren so erfreulich macht – vom Fleck weg blitzschnelle Sprints, lokal emissionsfreier Betrieb, ordentliche Fahrleistungen (Spitze 155 bzw. 167 km/h, 0 – 100 m/h in 9,7 bzw. 7,6 Sekunden). Ganz lautlos cruist der Kona Elektro allerdings nicht durch die Lande, Abrollgeräusche lassen durchaus von sich hören. Die unbedarfte Umgebung wird sicherheitshalber via Soundgenerator übers Herannahen des Stomers informiert.

Der Kona Elektro rekuperiert mehrstufig, die Dosierung erfolgt über zwei Schaltwippen links und rechts am Lenkrad. In vierter und höchster Stufe kommt der Wagen allein dadurch zum Stehen, dass der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt, "One Pedal Driving" nennt das der Fachmann, weil das Bremspedal in diesem Fall nicht mehr bemüht werden muss.

Laden unter einer Stunde

Blick in den Kofferraum: Mit 332 Litern ist er ca. 30 Liter kleiner als beim konventionellen Kona. © Hersteller

Die Frage der Ladezeit beantwortet Hyundai im Falle des stärkeren Kona Elektro mit "54 Minuten", dann auf 80 Prozent. Klingt gut, bezieht sich aber auf das Optimum in Gestalt einer 100-kW-Schnellladestation, von der es deutschlandweit noch nicht allzu viele gibt. Für zuhause sollte man sich zumindest eine Wallbox leisten, hier ist der 100-kW-Kona in sechs Stunden und zehn Minuten wieder fit, das 150-kW-Modell benötigt neun Stunden und 35 Minuten. Mit der ganz normalen Haushaltssteckdose ist wie bei allen neueren Elektroautos mit ihren großen Batterien nicht mehr viel Staat zu machen.

Im Schnitt verbraucht der "kleine" Kona Elektro 13,9 kWh/100 km, der stärkere 14,3 kWh/100 km.

Dass die Ladebuchse vorne sitzt, fällt als praktische Lösung auf - in aller Regel wird man die Ladestation schließlich frontal ansteuern.

Für dieses Jahr meldet Hyundai den Kona Elektro in Deutschland schon als ausverkauft. 2019 sollen weitere 2.000 bis 3.000 Einheiten geliefert werden, Kunden müssen mit etwa einem Jahr Wartezeit rechnen. Den Kona gibt es übrigens auch konventionell motorisiert, dann ab 17.500 Euro. Hyundai ist eine Elektromarke, aber nicht nur.

Ulla Ellmer

Hyundai Kona in Kürze:

Wann er kommt: Im August 2018

Wen er ins Visier nimmt: Opel Ampera-e, BMW i3

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 136 oder 204 PS

Was er kostet: Ab 34.600 Euro