Rund 650 km Reichweite - Emittiert nur Wasserdampf

Hyundai Nexo: Brennstoffzelle alltagstauglich

Neuheiten - 03.08. 23:10

Der Hyundai Nexo ist ein cooler Crossover, der mit Wasserstoff fährt - und das richtig gut. Zumindest in Europa steht der Brennstoffzellen-Stromer praktisch konkurrenzlos da. Ein Manko aber bleibt.

Hyundai Nexo: Ultraschmale Scheinwerfer, versenkte Türgriffe, Kühlergrill in Gitteroptik. © Hersteller

Gefühlt geistert die Brennstoffzellen-Technologie schon seit Jahrzehnten durch die Zukunftsszenarien der Automobilbranche. In aller Konsequenz herangetraut hat sich aber bislang noch kaum ein Hersteller. Zur Serienreife sind Fuel-Cell-Autos letztlich nur bei asiatischen Marken gelangt. Während der Honda Clarity in Europa aber überhaupt nicht erhältlich ist und das Toyota-Ungetüm Mirai nur handverlesen verkauft wird, macht Hyundai Nägel mit Köpfen. Als erstes wasserstoffbetriebenes Modell hat man den ix35 Fuel Cell vorgefahren, jetzt kommt dessen Nachfolger. Er heißt Nexo und steckt in einem spacig-schicken Crossover-Gewand, mit versenkbaren Türgriffen als coolen Eyecatchern.

Technologisch bedient sich der 4,67 Meter lange Koreaner eines deutlich weiterentwickelten Brennstoffzellenantriebs und ist ab August zu kaufen. Die Preise starten bei 69.000 Euro abzüglich Elektro-Prämie.

Elektroantrieb, nur anders

Bei der Brennstoffzellentechnologie handelt es sich um eine spezielle Form des Elektroantriebs. Vereinfacht gesagt, entsteht in den Brennstoffzellen ("Fuel Cells") aus Wasserstoff (H2) und Luft elektrische Energie für den Antrieb. Aus dem Auspuff quillt letztlich nur Wasserdampf.

An der Wasserstoff-Tankstelle: Die drei Tanks des Nexos fassen 6,3 kg, sie sind in zehn Minuten befüllt. © Hersteller

Die Vorteile gegenüber batterieelektrischem Antrieb liegen auf der Hand: Kurze Tankzeiten und hohe Reichweiten. Die drei Wasserstofftanks des Nexo (Fassungsvermögen 6,33 kg bei 700 bar Druck) sind binnen zehn Minuten befüllt, der Aktionsradius beträgt nach WLTP 666 Kilometer. Auf einer ersten Probefahrt nannte der Bordcomputer einen Verbrauchsschnitt von 1,2 kg H2/100 kg, daraus ergibt sich eine Praxisreichweite von etwa 530 Kilometern. Ein Kilo Wasserstoff kostet etwa neun bis zehn Euro, bei den Kraftstoffkosten ergibt sich also kein nennenswerter Vorteil gegenüber dem Benziner.

Es ist aber ein zweifelloses sehr cleanes, sehr modernes Fahrgefühl, das der Nexo mit seinen 120 kW/163 PS und 365 Nm Drehmoment vermittelt. Wie man es vom Elektroauto kennt, zoomt auch der 1,9 Tonnen schwere Koreaner hurtig von dannen, in lautloser Eleganz bewegt er sich durch den Verkehr und steht auf der Autobahn (Spitze 177 km/h) souverän seinen Mann. Man hat durchaus seinen Spaß mit dem Fronttriebler, zumal der – bedingt durch die Positionierung von Batterie und Tanks – niedrige Schwerpunkt auch sportliche Fahrmanöver gestattet.

Rekuperieren über Schaltpaddels

Über Schaltpaddels am Lenkrad lassen sich verschiedene Rekuperationsstufen einstellen, zwischengespeichert wird die so gewonnene elektrische Energie in einer 1,56-kWh-Hochvoltbatterie.

Kommandostand: Obwohl der Nexo keinen Kardantunnel braucht, leistet er sich eine wuchtige Mittelkonsole. © Hersteller

Wie es sich für einen Technologieträger gehört, ist der Nexo reichlich mit Assistenzsystemen bestückt. Der Fuel-Cell-Hyundai lässt sich ferngesteuert einparken, besonderes Highlight aber ist der Totwinkelassistent: Sobald der Blinker gesetzt wird, übertragen Außenspiegelkameras ihre Bilder auf eine großformatige Monitorlandschaft, die mehr als die Hälfte des Armaturenträgers vereinnahmt.

Zuckerrohr, Mais und Raps

Überraschenderweise verfolgt Hyundai beim Nexo aber nicht den inzwischen gängigen Weg, physische Bedienelemente weitestgehend aus dem Cockpit zu verbannen. Ganz im Gegenteil: Zwischen Fahrer und Beifahrer türmt sich eine opulente Konsole auf, die regelrecht vollgepflastert ist mit Tastern und Drehreglern. Das herstellerseitig bemühte Adjektiv "freischwebend" ist bestenfalls mit einem A 380 als Referenzgröße zu rechtfertigen.

Ansonsten geht es technoid-sachlich zu im Interieur, die umweltbewussten Passagiere erfreuen sich an einer ökologisch korrekten Materialauswahl, die auf Zuckerrohrfasern, Mais, Raps oder Soja zurückgreift.

Typisch Elektroauto: Der Brennstoffzellen-Crossover vermittelt ein lautlos-elegantes Fahrgefühl. © Hersteller

Hyundai sieht die Brennstoffzelle als seine Leuchtturm-Technologie. Nur sehr vereinzelt ragen freilich die Wasserstoffstationen aus der fossil dominierten Tankstellenlandschaft hervor. Bis Mitte 2019 sollen immerhin 100 H2-Stationen in Deutschland entstehen, installiert entlang der Hauptverkehrsadern. Um das einzuordnen: Der CNG-Technologie haben selbst 900 Tankstellen nicht zum Durchbruch verhelfen können. Noch betrüblicher stellt sich die H2-Situation aber im Ausland dar. Während man noch problemlos von Oslo nach Bozen komme, sagt Hyundai-Sprecher Bernhard Voß, werde es weiter südlich schon schwieriger.

Vollautonome Pläne

Als Automobilhersteller muss man sich aber auch mal was trauen. Der Nexo ist ein gelungener Pionier, den sich vor allem Technik-Fans mit grüner Lebenseinstellung leisten werden. 200 Vorbestellungen liegen schon vor. Und Hyundai hat mit seinem modernsten Crossover noch einiges vor: Er soll das erste vollautonom fahrende Modell der Marke werden.

Ulla Ellmer

Hyundai Nexo in Kürze:

Wann er kommt: Im August 2018

Wen er ins Visier nimmt: Toyota Mirai, Hyundai Clarity (nicht in Europa)

Was ihn antreibt: Elektromotor mit maximal 120 kW/163 PS

Was er kostet: Ab 69.000 Euro