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21.05.2018, 10:53

Neue Technologien machen den Selbstzünder zukunftsfähig

Na bitte: Geht doch mit dem Diesel

Seit das Damoklesschwert des Untergangs über dem Diesel schwebt, laufen die Automobilhersteller plötzlich zur Hochform auf, was kreative Überlebenstechnologien für jene Antriebsform betrifft, die sie zum Erreichen der CO2-Flottengrenzwerte dringend brauchen. Den Besitzern von Alt-Dieseln hilft das zwar wenig. Nicht wenige Fachleute glauben aber an eine Renaissance des Selbstzünders in moderner Form. Diese D-Saubermänner könnten in wenigen Jahren sogar zu gefragten Gebrauchten avancieren.

Golf-Prototyp
Bosch-Verfahren: Nur 13 mg/km NOx emittierte dieser Prototyp eines VW Golf im Realbetrieb.
© Bosch

Wer schon die Diskussionen um bleifreies Benzin, Katalysator, Rußpartikelfilter und verschärfte Abgasgrenzwerte verfolgen durfte, der hat es bereits geahnt: Sobald nur genügend Druck aufgebaut wird, tun sich plötzlich technologische Entwicklungen auf, die vorher noch als völlig unrealistisch abgetan und als kausal verantwortlich für den Untergang des Abendlands gemacht wurden.

Auch beim Diesel greift der wohlbekannte Mechanismus. Kaum geht es dem Selbstzünder - den die Hersteller unbedingt brauchen, um die CO2-Flottengrenzwerte zu erfüllen - an den Kragen, da wird das Unmögliche möglich. Schon jetzt hat ein Mercedes E 220 d im Straßentest des Fachmagazins auto, motor und sport nur 41 Milligramm NOx pro Kilometer emittiert, ein BMW 520d beließ es sogar bei 28 mg. Das liegt ganz erheblich unter den derzeit gültigen und vor gar nicht langer Zeit als unerreichbar gegeißelten Grenzwerten, die 80 mg auf dem Prüfstand und 168 mg im Realbetrieb vorschreiben.

Aktuell hat Mercedes neue Dieselmotoren vorgestellt, die auf der Straße 40 bzw. 60 mg/km ausstoßen. Dazu nutzen die jüngste Generation an Vier- und Sechszylindern (OM 654 und OM 656) sowie die 1,6-l-Maschine OM 608 etwa ein anderes Gemischbildungsverfahren, eine mehrstufige Abgasrückführung sowie einen motornah installierten SCR-Kat. Der Aufwand ist also hoch, das ja, dramatisch ist er aber keineswegs. Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius hat als Ziel ausgegeben, bis 2020 einen Flottenmittelwert von 30 mg/km zu erreichen, später sogar von 20 mg/km.

Golf-Prototyp mit Rekordwert in Sachen NOx

Einen noch weitergehenden Erfolg vermeldet Bosch. Der Stuttgarter Zulieferer muss sich im Zusammenhang mit dem Dieselskandal mehreren Ermittlungsverfahren stellen. Jetzt kündigt man die reinigende Katharsis eines "Diesel-Durchbruchs" an: Ein mit optimierter Abgasreinigung ausgestatteter Golf-Prototyp konnte im Realbetrieb einen Rekordwert von 13 mg NOx pro Kilometer erreichen. Das ist nur rund ein Zehntel jenes Grenzwerts, den ab 2020 die Abgasnorm Euro 6d (120 mg/km) festzurrt. 100 Entwickler, so heißt es, hätten zweieinhalb Jahre lang an der Technologie gearbeitet, die vor allem Abgasnachbehandlung und Thermomanagement optimiert hat. Der Einsatz neuer Komponenten ist dazu nicht nötig gewesen. In zwei bis drei Jahren könne das System Standard sein, heißt es, die Kosten seien mit dem eines Dieselantriebs vergleichbar, der ein SCR-AdBlue-System an Bord hat. Der AdBlue-Verbrauch liegt laut Bosch bei etwa einem bis 1,5 Litern pro 1000 Kilometer. Nachrüstbar ist das System wohl nicht, von dem Bosch-Chef Volkmar Denner sagt, dass es den Diesel "emissionsarm" mache und gleichzeitig "bezahlbar" halte.

Diesel-Rückgang lässt CO2 ansteigen

Toyota will in Europa komplett aus dem Diesel aussteigen, auch Volvo wird die zum Jahresende angekündigte Mittelklasse-Limousine S60 nicht mehr dieseln lassen. Das Kombi-Pendant V60 behält seinen Selbstzünder aber sehr wohl; kein Wunder, denn im Gegensatz zum S60 ist es auf den klassischen europäischen D-Märkten besonders nachgefragt. Auch die meisten anderen Hersteller setzen mit großer Selbstverständlichkeit weiterhin auf den Diesel. Kia beispielsweise macht ihn mit 48-Volt-Mildhybrid-Technologie zukunftsfähig, auch VW hat unlängst auf dem Wiener Motorensymposium den neu entwickelten Zweiliter-TDI "EA 288 evo" vorgestellt, der mit einem Mildhybridsystem verbandelt wird. Mercedes setzt in C-, E- und S-Klasse gar auf einen Diesel-Plug-in-Hybriden. "Die Welt hat letztlich kein NOx-, sondern ein CO2-Problem", sagt Michael Kelz, der bei Mercedes als Entwicklungschef unter anderem für die E-Klasse verantwortlich ist. Tatsächlich steigt mit den rückläufigen Diesel-Verkaufszahlen erstmals seit Jahren der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen wieder an, im April etwa um 1,6 Prozent auf nunmehr 130,4 g/km.

Nicht wenige Fachleute glauben, dass der sparsame Diesel - hinkünftig mit weißer Weste - eine Renaissance erleben wird. Weil derzeit wenige D-Autos gekauft werden, könnten sie sich - sofern Euro 6d Temp konform - in ein paar Jahren sogar zu raren und daher umso gefragteren Objekten auf dem Gebrauchtwagenmarkt entwickeln.

Ulla Ellmer

 

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