Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Bankkonto einen lässigen Überschuss von dreieinhalb Millionen Euro aufweist, könnte ein Besuch auf dem Genf-Stand von Lamborghini eine Möglichkeit zur Investition aufweisen: Dort steht der Veneno zur Schau, eine aggressiv-böse dreinblickende Flunder, die ihren Namen vom angeblich killerfreudigsten aller Kampfstiere entliehen hat. 750 PS knallt der Veneno auf die Straße, mit 355 km/h bricht er über Autobahn oder Rennpiste. Ein Stockwerk weiter unten drängen sich im Palexpo von Genf die Fotografen um "La Ferrari" - er heißt wirklich so! -, 6,2 l Hubraum hat sein V12 zu bieten, auf 800 PS und 900 Nm Drehmoment lauten die leistungstechnischen Eckdaten. McLaren fährt wiederum den P1 auf, 916 PS setzt er frei, gespeist immerhin aus einem Hybridsystem. Rolls Royce lanciert den Wraith, er basiert auf dem "Einstiegsmodell" Phantom, sein 6,6-l-Biturbo leistet heftige 632 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 880 Nm. Und dann ist da noch Porsche: Punktgenau zum 50. Geburtstag des 911ers fährt man den neuen GT3 auf, mit martialischem Heckflügel und einem 475 PS starken 3,8-l-Boxermotor.
So viel zu Glanz und Gloria in Genf. Der Rest ist vielfach Bodenständigkeit, keine elektrischen Blütenträume mehr, sondern Vernunft, und wahrscheinlich ist das auch gut so. Symptomatisch für diese Entwicklung steht, dass mit dem Golf ein Auto zum "Car of the Year" gewählt worden ist, das so pragmatisch für Mainstream steht wie kein anderes. In Genf ist nun auch sein Kombi-Ableger zu besichtigen, desgleichen die Combi-Variante des brandneuen Skoda Octavia und die "Touring Sports"-Version des Toyota Auris. Nissan zeigt den Note, Renault den schon etwas mutigeren Crossover Captur, Peugeot das Gegenstück 2008 und BMW den 3er GT, ein schickes Mittelding aus Limousine und Kombi. Der Vernunft frönt auch die neue chinesische Marke Qoros mit ihrem pragmatischen Sedan, der wohl ab 17000 Euro zu haben sein wird. Und Opel tut was für die Cabrio-Fans: Der bildschöne Cascada feiert seine Publikumspremiere, nur Studiencharakter besitzt dagegen der Adam Rocks mit seinem weit zurückfahrenden Faltdach a la Fiat 500 C oder Citroen DS3 Cabrio.
Wenn schon alternativ angetrieben, dann sieht das so aus wie bei Toyotas futuristischem Dreirad i-Road, das sich dank einer speziellen Technik ("Active Lean") spektakulär weit in die Kurve neigt und elektrisch bis zu 50 km weit kommt. Oder bei VW's designtechnisch wagemutiger Einliter-Flunder XL1. Audi hat zwar die Pläne für den elektrifizierten A2 vorerst eingefroren, setzt dafür aber auf Plug-in-Hybrid. Der entsprechend angetriebene A3 e-tron soll 2014 auf den Markt kommen, während der A3 g-tron bivalent zu betreiben ist - er fährt mit Benzin oder Erdgas, das Audi mithilfe von Strom herstellen lässt, das aus den Überschusskapazitäten von Windkraftwerken stammt.
Übrigens: Der Dreieinhalb-Millionen-Investition hat Lamborghini bereits Grenzen gesetzt. Nur drei Exemplare sollen vom Super-Sportler Veneno gebaut werden - und auch die sind, wie man hört, schon vergriffen.
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