
Die Geschichte mit den Rückrufaktionen haftet Toyota an wie besonders klebriger Kaugummi auf einer Velours-Fußmatte. Trotzdem haben es die Japaner geschafft, beim diesjährigen TÜV-Report als beste Marke abzuschneiden. Das ist nun wahrlich kein Indiz für mangelnde Qualität. Und was den weltweiten Absatz betrifft, ist man mit Verve dabei, wieder die Pole Position zurückzuerobern.
Nicht ganz so glorios sieht es in Deutschland aus. Mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent (Januar bis Oktober 2012) liegt Toyota deutlich hinter Hyundai - die Koreaner halten 3,2 Prozent. Da ruht so einiges an Erwartung auf dem jetzt vorgestellten neuen Auris. Dass es mit ihm bislang nie so recht vorangegangen ist, mag zum einen daran liegen, dass Toyota seinerzeit den Namen des Vorgängers drangegeben hat: Der Corolla aber ist ein Stück Automobilgeschichte gewesen. Zum anderen hat es dem Auris ersichtlich an Aura gefehlt. Es braucht ja nicht gleich überbordende Emotionalität zu sein. Aber ein so klares, modernes Design, wie es die Deutschen Thomas Bürkle für Hyundai und Peter Schreyer für Kia zeichnen - ja, das wär' nicht schlecht.
Tatsächlich sieht der neue Auris besser aus als der Vorgänger mit seiner optisch eher sedierenden Wirkung. Mit pfeilförmigem Zuschnitt frisst sich die Frontpartie in den Fahrtwind, die Seitenlinie trägt eine dynamische Sicke - das macht was her. Am Heck korrespondiert indes eine solche Vielfalt an Linien, Kanten und Vorsprüngen, dass es schon wieder "too much" ist.
Mit dieser Erkenntnis steigt man ein, stellt fest, dass vorne wie hinten gut und geräumig sitzen ist und dass auch die Bedienergonomie bestens ausfällt. Praktisch, übersichtlich und funktionell heißt aber nicht gleich schön oder gar aufregend, und so blickt der Betrachter letztlich nicht wirklich erbaut auf den arg nüchtern gestalteten Armaturenträger. Etwas eleganter gestalten lässt sich der Innenraum durch einen - kostet allerdings extra - Lederbezug fürs Instrumentenbord.
Wo ist aber der Grund, einen Toyota Auris zu kaufen und nicht etwa einen Kia cee'd oder Hyundai i30? Hier: Als einziger seiner Klasse kann der Auris die Besonderheit eines Hybridantriebs aufbieten. Den gibt es - in "Life"-Ausstattung inklusive Klimaautomatik, Start-Stop-System, stufenloser Automatik, Multimedia-Audio mit Rückfahrkamera und Bluetooth-Freisprecheinrichtung - schon ab 22950 Euro. Aus der Kooperation eines 1,8-l-Benziners (99 PS) und eines 82-PS-Elektrotriebwerks ergibt sich eine Systemleistung von 136 PS. Zum Vergleich: Der ähnlich stark motorisierte 124-PS-Diesel kostet da mehr - 23150 Euro.
Das ist schon ein Wort, zumal die Hybridvariante durchaus zufriedenstellend bei Kräften ist. Ihre Stärke spielt sie, klar, in der Stadt aus; dort, wo's um flinkes Beschleunigen, aber letztlich niedrige Geschwindigkeiten geht. Außerhalb des Ortsschilds sinkt die Begeisterung dann etwas, beim Druck aufs Gaspedal gestattet sich der Hybrid-Auris jenes protestierende Heulen, das man schon vom Prius kennt, und an Steigungen geht ihm spürbar die Puste aus. Auch die stufenlose, ruckfrei arbeitende Automatik (Planetengetriebe) ist nicht wirklich ein Geniestreich. Trotzdem: Keine schlechte Wahl, dieser Kompakte mit Doppelherz, zumal er uns auch verbrauchstechnisch überzeugen konnte. Minimal zeigte der Bordcomputer auf ersten Probefahrten 5,6 l/100 km an, über die Sieben-Liter-Marke kamen wir nicht hinaus. Werksseitig gibt Toyota 3,8 l/100 km an, der CO2-Ausstoß liegt bei 87 g/km.
Fortschritt gegenüber dem Vorgänger: Die Batterie sitzt nun unter der Rücksitzbank, dadurch hat sich der Kofferraum auf 360 l erweitert, genauso viel also, wie die anderen Varianten aufzubieten haben.
Von der Gesamtcharakteristik her - kultiviert, durchzugsstark, willig am Gas hängend - gefällt der stärkere Zweiliter-Diesel (Spitze 200 km/h, ab 23150 Euro) mit Sechsganggetriebe und 124 PS am besten, auch er blieb mit Werten um oder knapp unter sechs Litern pro 100 km erfreulich sparsam. Ihm zur Seite steht ein weiterer, kleiner 1,4-l-Selbstzünder mit 90 PS (180 km/h, Verbrauch 4,2 l/100 km, ab 17900 Euro). An Benzinern stellt Toyota neben dem 1,33-l-Triebwerk (99 PS, Spitze 175 km/h, Schnitt 5,4 l/100 km, ab 15950 Euro) einen 1,6-l-Vierzylinder mit 132 PS bereit (Spitze 200 km/h, Schnitt 5,9 l, ab 19950 Euro).

Toyota hat das Fahrwerk um 5,5 cm abgesenkt, ein "entscheidender Vorteil", wie es heißt, für Handling und Agilität. Auch wenn der Auris kein sportlicher Feger geworden ist, so liegt er doch solide und unaufgeregt auf der Straße. Etwas direkter dürfte allerdings die elektrische Servolenkung arbeiten, das Sechsganggetriebe hingegen lässt sich präzise und gut geführt schalten.
Was die Ausstattung betrifft, so sind Kunden schon mit dem Basismodell recht ordentlich bedient. Sieben Airbags, Berganfahrassistent, ESP, elektrische Fensterheber, funkfernbedienbare Zentralverriegelung sind bereits an Bord. Die Klimaautomatik hingegen gibt's erst ab "Cool"-Version. Zum Verkaufsbeginn offeriert Toyota die so genannte "Start"-Edition, sie kostet in Kombination mit dem 99-PS-Einstiegsmotor 20150 Euro und hat dann - wie auch das Topmodell "Executive" - einen Einparkautomaten an Bord. Mit anderen Assistenzsystemen, wie sie inzwischen viele Konkurrenten aufbieten - Spurwechselassistent, Müdigkeitswarner, City-Notbremsassistent - rückt Toyota für den Auris leider nicht heraus.
Familienzuwachs erfolgt im Sommer, wenn der Kombi kommt, auch mit Hybrid, und damit der erste seiner Gattung.
U.Ellmer
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