
Wie viel Zylinder dürfen's denn sein? Acht? Oder gleich zehn? Drunter macht's der R8 gar nicht erst, nicht als Coupe und nicht als Spyder. Er ist das wohl ehrgeizigste Projekt von Audi. Mit der Gala-Gilde der Supersportwagen soll er konkurrieren, denen, die sich mit klangvollen italienischen Namen schmücken. Wobei die "Lambos" ja bekanntermaßen auch zur großen Volkswagen-Familie zählen, man hat es hier also mit hausinterner Konkurrenz zu tun. Macht aber nichts, der R8 greift sich auch einen Gallardo, "kompetitiv handeln" nennt das die Leistungs-Elite.
Auch sie muss freilich im Training bleiben. Deshalb hat Audi seinem Aushängeschild jetzt ein Update verordnet. Besonders augenfällig ist das nicht, bis auf die nun serienmäßigen Voll-LEDs und hier und da ein paar neue Linien ist die flache Mittelmotor-Flunder locker wiederzuerkennen.
Die beiden Motoren für den allradgetriebenen R8 werden im ungarischen Györ gefertigt und zu sagen, sie seien mit Paprika gewürzt, wäre eine geradezu kränkend unangebrachte Untertreibung. Wenn schon, dann Chili, und zwar von der richtig scharfen Sorte! Basistriebwerk ist ein V8 (wann schreibt man schon mal einen solchen Satz?), er leistet 430 PS und 430 Nm Drehmoment. In 4,3 Sekunden pfeift der R8 V8 von null auf hundert, wenn er darf, wie er kann, schafft er 300 km/h. Noch zwei Zylinder mehr legt der V10 drauf, dazu die Kraft von 525 Pferdestärken, bei 6500 Touren wuchtet er 530 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. In 3,6 Sekunden ist die Hunderter-Schallmauer durchbrochen, zurückgezogen wird erst bei Tempo 314. Dann wär' da noch - allerdings nur für's Coupe - die Topversion V10 plus: 550 PS, 540 Nm Drehmoment, die Tachonadel zuckt schneller an der 100-Markierung vorbei, als der Fahrer "wie brachial ist das denn???" sagen kann. 3,5 Sekunden dauert dieser Spurt, und erst bei 317 km/h macht der R8 V10 plus in Sachen Speed den Sack zu.
Eine Sechsgang-Handschaltung kann nur für den V8 geordert werden, die V10-Modelle verfügen serienmäßig über die neue Siebengang S tronic, der alte Sechsgang-Automat musste dafür den Rückzug antreten. Superfix schaltet das Doppelkupplungsgetriebe, gut für's Sprintvermögen. Die so genannte "Launch Control Funktion" sorgt beim Start für optimale Traktion, und wer sich aus der Bequemlichkeit des vollautomatischen "Normal"- bzw. "Sport"-Modus gelegentlich befreien möchte, dem stehen für Fingerübungen Schaltwippen am Lenkrad zur Verfügung.
Nicht ganz überraschend dürfte die Erkenntnis sein, dass man nicht gerade knapp bei Kasse sein sollte, wenn man mit dem Audi R8 Furore machen will. Ein sechsstelliger Betrag muss in jedem Fall überwiesen werden, schon der V8 kostet mindestens 113500 Euro, und als Spyder-Zuschlag sind noch mal 11300 Euro mehr lockerzumachen.
Ulla Ellmer
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