"Pickup-Country" sind die germanischen Gestade zwischen Flensburg und Garmisch nicht gerade. Anders als in den unendlichen Weiten der USA, wo die harten Jungs mit der praktischen Arbeitsfläche als gängiges Fortbewegungsmittel über Highways und Main Streets cruisen, führen die Zwischendinger aus Gelände- und Pritschenwagen bei uns ein eher verborgenes Nischendasein. Wobei auch in dieser Hinsicht wieder Verlass auf VW ist: Kaum entlassen die Wolfsburger einen der ihren hinaus in die Welt, dann setzt der sich mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit an die Spitze seines Segments und verschafft - im Falle des Amarok - der Kaste der Pickups insgesamt einen nachdrücklichen Kick.
Im Fahrwasser des Volkswagen-Platzhirsches hofft nun auch SsangYong auf ein paar Verkaufserfolge für den neuen Actyon Sports. Obwohl solche Lastenträger bei uns "hauptsächlich von Gewerbetreibenden gekauft werden", wie SsangYong-Deutschland-Geschäftsführer Ulrich Mehling sagt, will der Koreaner kein reines Nutztier sein. Auch in Sachen Lifestyle lässt er sich nicht lumpen. So sieht der Actyon gar nicht übel aus, den Schwulst des Vorgängers hat er abgelegt, zugunsten einer eher freizeitsportlich orientierten Outdoor-Kleidung, die ihn auch vorm Edel-Italiener nicht zum Paria macht. Dass der Asiate rund 25 cm kürzer ausfällt als der Amarok, muss da nicht unbedingt ein Nachteil sein. Die Dimension der Ladefläche (2,04 Quadratmeter) bezeichnet SsangYong sehr zutreffend als "mittelgroß", an Zuladung dürfen dem Neuen 692 kg aufgebürdet werden, das ist nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht. Und die Anhängelast liegt bei 2,3 Tonnen.

Grundsätzlich dient sich der Actyon Sports als "Doublecab" an. Pickup-Profis wissen: So einer hat auch eine Rücksitzbank zu bieten, in diesem Fall für drei Personen. Der Fahrer thront in souveräner Erhabenheit hinterm stattlichen Lenkrad; zu registrieren ist, dass Verarbeitungs- und Materialqualität recht ordentlich ausfallen, dass der übersichtliche Armaturenträger bedienungstechnisch niemanden überfordert - aber auch, dass es den Sitzen sowohl etwas an Seitenhalt wie auch an Beinfreiheit fehlt.
Wagt man sich mit dem Koreaner hinaus in den Asphaltdschungel, so hinterlässt diese Er-Fahrung ein "einerseits-und-andererseits"-Gefühl. Einerseits mag man den Zweiliter-Diesel, der leise und laufruhig vorne unter der Haube arbeitet, richtig gern. 155 PS fährt er auf, hat ausreichend Durchzug zu bieten, und dass der Vortrieb bei 172 km/h endet, geht für einen Fast-Zweitonner schon in Ordnung - ist ja keiner für die Rennpiste. Dann das "andererseits": Die Lenkung ist arg, arg indirekt, hart an der Grenze zur Schwammigkeit, schwer gilt's zu kurbeln am Volant. Und über Querfugen rumpelt der Asiate recht unhöflich hinweg, wobei er - das muss zur Ehrenrettung gesagt werden - für Pickup-Verhältnisse prinzipiell verhältnismäßig (!) sanft gefedert ist. Befremdliches Detail: Der Make-up-Spiegel in der Sonnenblende besitzt keine Abdeckung, statt des Planeten sticht dem Fahrer also unerbittlich das eigene Gesicht ins Auge.
In Standardsituationen ist der Actyon Sports hinterradgetrieben unterwegs, für die Härtefälle im Gelände lassen sich die Vorderräder elektrisch zuschalten, legt das Terrain noch einen Schwierigkeitsgrad drauf, hilft eine Geländeuntersetzung weiter. Der Verbrauchsschnitt soll übrigens 7,4 l pro 100 km betragen, das könnte sich als eine eher optimistische Einschätzung herausstellen.
Für Kunden, deren automobile Wirklichkeit Offroad-Einsätze eher unwahrscheinlich macht, bietet SsangYong eine reine 2WD-Variante an. Die kommt dann auch gleich besonders günstig: Als Basismodell "Crystal" - mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung, ABS, zwei Airbags, aber ohne ESP! - kostet der Actyon Sports 19990 Euro. Ab der zweiten Ausstattungsstufe "Quartz" ist der Schleuderschutz dabei, ebenso Aluräder, CD-Radio mit Lenkradbedienung sowie eine Bluetooth-Schnittstelle, die Rechnung fürs 4WD-Modell lautet auf 25990 Euro. Im Falle des luxuriösen und nur allradgetrieben erhältlichen "Sapphire" mit Lederausstattung, Sitzheizung, Parkpiepsern und Klimaautomatik möchte SsangYong 28490 Euro sehen.
Metallic (650 Euro), Automatik (2000 Euro) und elektrisches Schiebedach (1500 Euro) stellen die drei wenigen Optionen dar. Nach Start-Stopp-Automatik, nach Helfern wie Bremsassistent oder Abstandsregelung und nach einer Internet-Anbindung fragt der Kunde indes vergebens.
Ulla Ellmer
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